?Die schwarz-grüne Landesregierung will ein Präventionsnetzwerk ins Leben rufen, das der Radikalisierung junger Muslime entgegenwirken soll. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) will dazu die Kooperation von Behörden, Schulen, Kommunen und Familien fördern. Die Sicherheitsbehörden schätzen die Zahl der Salafisten in Hessen auf etwa 1200. Wie groß ist nach Ihrer Erkenntnis die Gefahr salafistischer Beeinflussung im Lahn-Dill-Kreis, und wie könnte man ihr entgegenwirken?

Mürvet Öztürk: Der Salafismus ist eine sehr radikale Auslegung der islamischen Lehre, die von der Mehrheit der Muslime abgelehnt wird. Glücklicherweise hatte der Salafismus historisch gesehen keinen großen Einfluss auf den Islam und die islamische Lehre. Daher wundert und stört es viele Muslime, dass sich der Salafismus in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt hat und leider eine der am schnellsten wachsenden Jugend-Bewegungen in Deutschland zu sein scheint. Der Verfassungsschutz spricht in Hessen von etwa 1200 Personen, die dieser Szene zuzuordnen sind. Konkrete Zahlen für den Lahn-Dill-Kreis liegen uns nicht vor. Ihren Einfluss schätze ich bei uns im Kreis jedoch als sehr gering ein.

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Der Salafismus in Hessen ist einerseits eine recht kleine Gruppe, deren Schwerpunkte hauptsächlich im Rhein-Main-Gebiet und in Nordhessen liegen, andererseits darf ihre steigende Popularität bei Jugendlichen in Deutschland nicht unterschätzt werden. Mit ihren leicht verständlichen und einfachen zu befolgenden Handlungsweisen übt diese Ideologie vor allem auf Konvertiten und muslimische Migrantinnen und Migranten der zweiten oder dritten Generation eine große Faszination aus. Die politischen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten befeuern zudem den Eindruck, Elite und Vorkämpfer zu sein. Dabei hat der radikale Salafismus und Jihadismus dem Islam, den Muslimen und dem Ansehen der Muslime weltweit massiv geschadet. Es ist daher unsere gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Jugendliche in Deutschland vor der Indoktrination dieser Ideologie geschützt werden und der Salafismus nicht die Deutungshoheit über die islamischen Lebensbedingungen in Deutschland erhält. Außer der Arbeit der Sicherheitsbehörden gegen den radikalen Salafismus, halte ich diesbezüglich ein präventives Netzwerk, in das Schulen, Kommunen und soziale Einrichtungen fest eingebunden sind, für eine wichtige Maßnahme. Nur so wird es möglich sein, dass Jugendliche und Familien präventiv längst notwendige Unterstützung und Aufklärung erhalten. Weitere Handlungsfelder sind, De-Radikalisierungs-, Ausstiegs- und Integrationsprogramme für inhaftierte Salafisten und das Internet, wo die salafistische Ideologie auf deutschsprachigen Webseiten verbreitet und Radikalisierung per Video vorangetrieben wird. Hier brauchen wir ein schlüssiges Konzept.

?Wie sieht Ihr Terminplan für die nächste Woche aus?

Öztürk: Die Sommerpause werde ich nutzen, um viele Gespräche im Wahlkreis zu führen und um Freunde und Familie zu besuchen.


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