?Nach der Schließung der Faser-Firma Woolrec hat das Regierungspräsidium Gießen als zuständige Aufsichtsbehörde mitgeteilt, dass die Betreiber das Betriebsgelände im ordnungsgemäßen Zustand hinterlassen haben. In einem Bericht der Fernsehsendung "defacto" war jetzt zu sehen, dass immer noch eine Maschine inklusive Abfälle in einer der Hallen lagert. Wie kann die hessische Landesregierung für Aufklärung sorgen und verloren gegangenes Vertrauen bei den betroffenen Bürgern wieder herstellen?

Hans-Jürgen Irmer: Als die Firma Woolrec vor über zehn Jahren ihr neues Produkt vorstellte, war die Euphorie groß, dass die Quadratur des Kreises aus gefährlichen Mineralfasern, einen umweltfreundlichen Stoff "Woolit" hergestellt zu haben, gelungen ist.

So hat beispielsweise das damalige Bundumweltministerium unter Verantwortung von Sigmar Gabriel, SPD, öffentliche Fördergelder bewilligt. Auch der damalige hessische CDU-Umweltminister war der Auffassung, dass dies ein Vorzeigeprodukt ist. Auszeichnungen und Preise sprachen eigentlich dafür.

Es dauerte, bis die Anwohner merkten, dass hier etwas nicht stimmen kann. So entstand zu Recht eine sehr engagierte und erfolgreiche Bürgerinitiative in Tiefenbach, deren Arbeit und hartnäckiger Intervention es zu verdanken ist, dass die Fragezeichen ob der Umweltverträglichkeit des Produkts und der Seriosität der Firma größer wurden. Ich selbst habe den früheren Kollegen Gerhard Bökel, SPD, der viele Fragen gestellt hatte, unterstützt, Fragen an den früheren RP weitergegeben, Fragen von betroffenen Anwohnern mit der Bitte um Beantwortung weitergeleitet und das Regierungspräsidium gebeten, verstärkt und ohne Ankündigung Kontrollen durchzuführen.

Fakt ist, die Firma Woolrec hat systematisch Auflagen missachtet, was aus einem RP-Bericht zu entnehmen ist. Daraufhin sind entsprechende Schritte auf Entzug der Konzession und Schließung eingeleitet worden. Ich hätte mir gewünscht, dass das Ganze schneller geht. Aber in einem Rechtsstreit gilt auch, dass eine betroffene Firma Rechtsmittel einlegen kann, so dass sich Entscheidungen verzögern. Und dass der Rechtsstaat funktioniert, im Gegensatz zu Diktaturen in vielen anderen Teilen dieser Welt, kann man daran erkennen, dass die Bürger ihre Bedenken und Einsprüche geltend machen konnten. Bezüglich der Frage, ob noch eine Maschine in der Halle lagert, habe ich den RP schriftlich um Aufklärung gebeten. Die Anfrage ist in Kopie an die Bürgerinitiative unterwegs.


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