Also Weihnachtseinkäufe beschränken sich nicht nur auf Geschenke, aus irgendeinem Grund meint alle Welt, dass über die Länge der Feiertage es wichtig wäre, reichlich Essen zur Verfügung zu haben. Deshalb verlässt mancher mit turmhoch beladenem Einkaufswagen den Laden. Ähnlich muss ich es getrieben haben. Denn als ich zu Hause ankam, meinte der liebste Mann an meiner Seite, als er mir schwer schleppend beim Ausladen half:"Mit der Ration können wir glatt einen zweiwöchigen Schneesturm überleben!"

Als ich die Mengen in Schränke und Schubladen versuchte einzuordnen, musste ich dem Manne Recht geben, ich hatte zu oft ins Regal gegriffen. Aber wie das so ist, da willst du ein Pfund Butter nehmen und "ups" hast du zwei davon in der Hand, denn schon meine Mutter vertrat die Ansicht, "hast du Butter im Haus, kann dir kaum was passieren!"

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Auch hatte ich mich mit reichlich Würstchen versorgt. Denn man kann nie wissen, wer plötzlich an den Feiertagen aufkreuzt. Wenn es so schön gemütlich ist, wird genötigt und gebeten: "Ihr bleibt doch wenigstens zum Abendessen, ich habe schnell einen Salat gezaubert und ein paar Würstchen dazu!"

Doch mitunter kannst du mit so leckeren Speisen winken, wie du willst, plötzlich hast du das Fernsehen als Konkurrenz.

Wenn auch das ganze Jahr über die Programme gemeckert wird, zum Fest legen die Sender sich voll in die Riemen. Deshalb gibt es tatsächlich ein paar Leute, die dann sagen: "Danke für die Einladung, aber gerade an diesem Nachmittag kommt ‚Zwei Haselnüsse für Aschenbrödel’ und das gucken wir uns jedes Jahr an, wie andere zu Silvester sich nicht ‚Dinner for One’ entgehen lassen!" "Ach", sage ich, "das ist doch nicht schlimm. Kommt ruhig, wir gucken uns das Aschenbrödel zusammen an!"

Na, da hatte ich ja was angerichtet. Der liebste Mann an meiner Seite wollte vor Empörung grad' im Dreieck springen: "Das kann kaum wahr sein, dass wir jetzt mit dem Besuch vor der Flimmerkiste sitzen! Einen Weihnachtsnachmittag stelle ich mir anders vor. Bei uns zu Hause, mussten wir Kinder musizieren, und es wurde gesungen oder man hat nett zusammengesessen und sich Geschichten erzählt!"

Hier konnte ich einwandfrei die Meinung mit ihm teilen. Aber dann kam es: "Wozu steht eigentlich dieses riesige Klavier hier bei uns im Wohnzimmer herum, und niemand spielt darauf, das wäre doch mal eine Gelegenheit!" Nachdem man derart auf meinem musikalisch schlechtem Gewissen herumgetrampelt hatte, fühlte ich mich ausreichend weichgeklopft, meinen Gästen einen Klaviernachmittag zu präsentieren. Ich sah mich schon sämtliche Weihnachtslieder rauf und runter trällern. Doch bis dahin war noch ein weiter Weg.

Wie schon bemerkt fühlte ich mich ein bisschen aus der Übung. Auch das Instrument selbst lag ja lange im Dämmerschlaf. Kein Wunder, dass es sich fürchterlich erschrak, als ich plötzlich übereifrig in die Tasten griff. Folglich reagierte es völlig verstimmt! Ein Hauch Wehmut überkam mich, dass ich im Stress des Alltags diese musikalische Nische meines Lebens so stark vernachlässigt hatte. Das Papier zeigte sich stark vergilbt, ohne Brille konnte ich die Noten nicht lesen, und die Finger wollten auch nicht mehr so. Nachdem bei "Süßer die Glocken nie klingen" sogar der Hund zu jaulen begann, meinte der liebste Mann an meiner Seite, während er liebevoll die Notenbücher schloss, ...wir sollten das mit dem Konzert doch besser auf den Frühling verschieben und er fände es sogar schön mit dem Besuch gemeinsam das "Aschenbrödel" zu sehen.

Frohes Fest!


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