Verlaufen! Verlaufen hatte ich mich im Juli letzten Jahres in einem unbekannten Waldstück. Es war schon 22.00 Uhr und es wurde immer dunkler. Schließlich konnte ich meinen Weg nicht mehr erkennen. Und so musste ich mich an den Umrissen der Bäume orientieren, die sich am Nachthimmel unklar abzeichneten. Nur so hatte ich eine Chance, auf dem Weg zu bleiben. Es bestand die Gefahr, nicht mehr nach Hause zurückzufinden. In meiner Not habe ich Gott erklärt, dass das jetzt hier eine ernste Sache ist und Er mir jetzt gefälligst den Weg zeigen soll, sonst wird das hier nichts. Um die Geschichte fertig zu erzählen: nach etwa drei Stunden kam ich endlich wohlbehalten und ziemlich fertig an mein Ziel. Einige Male hatte ich Gott nachdrücklich um Rat gefragt und auch immer und sogar ziemlich prompt Hilfe bekommen. Mir ist vor allem mein Tonfall in Erinnerung geblieben. Normalerweise bete ich nicht so fordernd. Ist es ungehörig von Gott Hilfe einzuklagen? Er hat versprochen mein guter Hirte zu sein, mich zu führen, an Ruheplätze am Wasser, aber auch durchs finstere Tal. Darf ich Ihn daran nicht erinnern? Gott möchte, dass wir Ihn beim Wort nehmen. Er meint es ernst mit seinen Verheißungen. Wir dürfen uns darauf verlassen. Deshalb ist es nicht egal, wie ich bete. An erster Stelle steht im Gebet das Vertrauen zu Gott. Im Markusevangelium sagt Jesus: "Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil". Aber es gibt auch ein Beten, das Gott nicht wirklich vertraut. Dann meint der Beter, Gott mit Mühe das abringen zu müssen, was Er bereits versprochen hat. Oft steht dahinter die Erwartung, dass Gott mir sowieso nicht hilft. Sicherlich liebt Gott jedes Gebet, denn Gott will Gemeinschaft mit uns. Aber wir sollen und dürfen von ihm auch etwas erwarten. Wir stehen nicht als passive Bettler vor ihm, sondern wir sind die Kinder unseres himmlischen Vaters, der uns nichts vorenthält.

Astrid Wilming ist Pastoralreferentin der katholischen Kirchengemeinde Maria Himmelfahrt in Breidenbach

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