2015 war für viele kein einfaches Jahr. Und das wissen Sie aus eigener Erfahrung. Ich kann nur mit dem Liederdichter Jochen Klepper seufzen: "Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen!" Ende 1938 hat er dies geschrieben, als die meisten in Deutschland noch von einer glorreichen Zeit und von Siegen träumten. Er selbst hat sensibel die Lasten der Zeit erspürt und erfahren. Mit einer Jüdin verheiratet, hat er nach den brennenden Synagogen vom November des Jahres noch Schlimmeres kommen sehen. Trotz der bösen Vorahnungen spricht aus einer solchen Bitte aber Gottvertrauen. Klepper lässt sich von der Überzeugung nicht abbringen, dass uns auch durch das Schwere Gutes widerfahren kann. Wenn wir eine Last tragen, werden unsere Fußspuren tiefer, bleiben wir nicht so oberflächlich. Vielleicht lehrt uns 2015 als Gesellschaft, dass wir nicht weiter so leichtfüßig leben können. Dass es darum geht, auch Lasten zu verteilen und gerechter in dieser Welt zu leben. Nicht nur die Vorteile der Globalisierung zu genießen, sondern auch deren Lasten mitzutragen. Das hebräische Wort für Schwere und Last - "kabód" - ist zugleich das Wort für Gewicht, Herrlichkeit und Glanz. Das, was schwer ist, verleiht dem Leben eben auch Gewicht und Bedeutung. Keiner kann Ihnen vorschreiben, so zu denken oder zu empfinden. Es ist nur ein Angebot, einen anderen Blick auf die schweren Tage und Ereignisse in 2015 zu werfen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Das, was wir als Last erlebt haben und als Belastung empfinden, kann sich dennoch in Segen verwandeln. Für viele von uns. Das wünsche ich Ihnen. Und so bete ich vorsichtig tastend weiter mit dem Schluss des Liedes: "Bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten!"

Pfarrer Ev. Kirchengemeinde Dillenburg

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