Liebe Leserinnen und Leser!

Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter. Können Sie sich an Augenblicke Ihrer Kindheit erinnern, in denen Ihnen bewusst dieser Satz zugesprochen wurde? Oder an Ihre Sehnsucht danach, die nie erfüllt wurde. Menschen erzählen mir von ihrer Kindheit und ihrem Vater: Wie habe ich mich danach gesehnt, dass seine Hände mich mal streichelten; sie haben nur geschlagen.

Emotionale Defizite oder gar schwere Belastungen in der Kindheit machen nicht automatisch lebensuntüchtig. Im Gegenteil. Im Menschen stecken ungeahnte Kräfte, etwas aus seinem Leben zu machen. Aber die tiefste Sehnsucht im Menschen wird immer Liebe heißen. Die Erfahrung, geliebt und angenommen zu sein, ist die wertvollste Gabe in jedem menschlichen Leben.

Ob unsere Kinder heutzutage besser dran sind als frühere Generationen, bleibt fraglich. Sie werden hoffentlich nicht mehr geschlagen, aber man spricht von emotionalen Defiziten. Die meisten Eltern tun alles für ihre Kinder und fördern sie, wo sie nur können - und verplanen ihr Leben total.

Heute feiert unsere Kirche das Fest Taufe Jesu. Im Bibeltext heißt es: "Du bist mein geliebter Sohn." Das hat Jesus bestimmt gut getan. Und ist bestimmt zu einer Kraftquelle für ihn geworden, aus der er ganz tief schöpfen konnte. Seine Freiheit, seine Liebesfähigkeit haben ihre Ursache in der tiefen Liebesbindung zum Vater.

Wegen dieser Liebe Gottes, die sich in Jesus Christus zeigt, dürfen auch wir auf Lebensfülle für uns selbst hoffen - Gottes Lebensfülle, die uns durch Jesus versprochen ist und von der er niemanden ausschließt.

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