Stell dir vor, es ist 1. Mai und keiner geht hin! Wie verbringen Sie den ersten Mai? Gehen Sie wandern? Verbringen Sie Zeit mit Ihrer Familie? Grillen Sie mit Freunden? Das alles sind gute Dinge, die ich an diesem Tag auch schon oft getan habe. Ich bin in diesem Jahr am 1. Mai bei einem ökumenischen Gottesdienst und bei einer Kundgebung im Rahmen der "Woche der Arbeit" auf dem Marktplatz in Herborn.

Der 1. Mai wird auch als "Tag der Arbeit" bezeichnet. Als Gedenktag der Arbeiterbewegung erinnert er an den langen Kampf um Arbeitnehmerrechte. Seit vielen Jahren ist er bei uns ein gesetzlicher Feiertag. Wir brauchen Zeiten, um uns auszuruhen und die Seele baumeln zu lassen, um uns zu besinnen, mit anderen zu treffen und zu feiern.

Dazu dienen Feiertage wie der 1. Mai, aber auch die Sonntage. Für Christen hat der Sonntag eine wichtige Bedeutung. Er erinnert uns daran, dass unser Leben nicht an eigener Leistung und Anstrengung hängt, sondern dass es uns geschenkt ist. Darum ist es gut, dass Kirchen, Gewerkschaften, Sport- und Sozialverbände sich gemeinsam dafür einsetzen, dass der Sonntag ein freier Tag, ein besonderer Tag bleibt. An diesem Tag dürfen wir spüren, dass jeder und jede von uns eine Würde besitzt, die nicht erst durch Leistung bewiesen werden muss. "Menschen gehen vor" lautet das Motto der Woche der Arbeit in Herborn. Menschen - und nicht Profite. Leistung und Gewinnmaximierung dürfen nicht das Leben beherrschen. Allerdings sollten wir dann auch unser eigenes Kauf-Verhalten kritisch überprüfen: Ist es wirklich notwendig, rund um die Uhr shoppen zu gehen und damit der Sonntagsarbeit Vorschub zu leisten?

Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen 1. Mai-Feiertag! Und vielleicht treffen wir uns ja in Herborn!

Dr. Uwe Seibert ist Referent für gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat an der Dill


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