"Der sollte besser vor seiner eigenen Haustür kehren!" Jeder von uns kennt diesen Ausspruch. Bevor wir den anderen kritisieren, sollten wir besser erst einmal den Dreck in unserem eigenen Leben betrachten. Ja, es ist immer einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen, als Fehler im eigenen Leben unter die Lupe zu nehmen. Meine Erwartungen an andere sind hoch - meine eigene Unzulänglichkeit betrachte ich nicht so gerne.

So geht es auch einem Pharisäer und einem Zöllner, die Jesus im Lukasevangelium thematisiert. Die beiden gehen in den Tempel um zu beten. Der Pharisäer, ein frommer, vorbildlicher und gesetzestreuer Mensch. Der Zöllner, ein unbeliebter Betrüger und Außenseiter, der den Leuten zu viel Zoll aus der Tasche gezogen hat.

Der Pharisäer geht zielstrebig nach vorne und betet: "Gott, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie dieser Zöllner. Ich tue viel Gutes und bin gottesfürchtig". Der Zöllner dagegen steht ganz hinten und traut sich nicht einmal, die Augen zum Himmel zu erheben. Er betet: "Gott, sei mir Sünder gnädig". Jesus sagt dazu: Der Zöllner geht gerechtfertigt nach Hause, ganz und gar versöhnt mit Gott und von ihm angenommen. Denn er ist sich seiner Schuld bewusst, hat nichts beschönigt, Reue gezeigt und Gott um Gnade gebeten. Er hat den Dreck vor seiner Haustüre gesehen und gekehrt. Er hat sich vor Gott klein gemacht und wurde dafür von ihm erhöht.

Der Pharisäer dagegen hat in seiner Selbstgerechtigkeit und Arroganz nur seine guten Werke gesehen, seine Unzulänglichkeiten und Fehler aber nicht wahrgenommen. Der Zöllner hat Gottes Gnade und Vergebung spürbar erfahren, weil er keine Scheu hatte, sich Gott von seiner sündigen Seite zu präsentieren. Er war Gott näher, als der Pharisäer mit all seiner Gesetzestreue.

Maria Becker,

Kath., Bezirksreferentin in Lahn-Dill-Eder


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