Auch Schumi flieht vor dem Ring

Schumi und Kurt Beck gehen, Steinbrück kommt - ist das wirklich ein vollwertiger Ersatz?

Anzeige

. Michael Schumacher, "Schumi", wollte sich das ganze Elend am Nürburgring nicht mehr antun. Kurt Beck auch nicht. Sind ja auch echte Schleudersitze, wo man da so sitzt, im Formel 1-Zirkus und im... ja, also, in der Staatskanzlei. Es war dann vielleicht so, dass Peer Steinbrück sich erst überlegt hat, ob er als Schumi-Nachfolger bei Mercedes einsteigt, weil, er ist von der Sorte, die in ein Taxi springt, und wenn der Chauffeur fragt: "Wohin?", antwortet: "Egal, ich werde überall gebraucht." Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz wollte Steinbrück aber nicht werden, den MP-Job hat er ja schon 2005 in Nordrhein-Westfalen vergeigt. Na gut, dachte er sich, werd‘ ich eben Kanzlerkandidat bei der SPD. Die ham eh‘ sonst nix. Gabriel, Siggi Popp, wie er seit seiner Zeit als offizieller Pop-Beauftragter der Partei heißt, macht dauernd Elternzeit, Steinmeier sagt, noch so ein langweiliges Fernsehduell mit der Merkel, da fall‘ ich lieber tot um, und Helmut Schmidt hätte es nur gemacht, wenn er im Fernsehen ständig hätte rauchen dürfen und wenn Sandra Maischberger Kanzlerkandidatenamtsministerin geworden wäre. Schumi als Ministerpräsident für Rheinland-Pfalz? Zumindest der Begriff Ringracer wäre dann in ganz neuem Licht erschienen. Aber dann hat sich Schumi wahrscheinlich gesagt, nee, Leute, Crashkurs mit Totalschaden hab‘ ich in meinen jungen Jahren schon genug gehabt.

*

Also Steinbrück. Das wird lustig. Politik à la Steinbrück, das ist die härtere Form des Blutspendens. Moneten-Peer nennen wir ihn seit damals, den Zeiten der Choler..., Quatsch, den Zeiten der Großen Koalition, als Angela Merkel unter ihm, dem Finanzminister, Kanzlerin war. Aparte Vorstellung.

*

Anzeige

Die Steinbrück-Sache hatte sich ja schon länger abgezeichnet. Dieser Tage hat dann sogar die FDP für ihn votiert, nein, nicht Rösler, der hat alle Hände voll zu tun mit Nichtzurücktretenmüssen, nein, auch nicht Westerwelle, Flying Guido, wie wir ihn nennen. Sondern Wolfgang Kubicki aus Schleswig-Holstein, im Hauptberuf Anwalt, der laut böser Zungen zu seinen Mandanten sagt: "Wenn Sie einen finden, der ein noch böseres Mundwerk hat als ich, kriegen Sie ihr Geld zurück." Kubicki hat kürzlich eine von ganz vielen neuen Steinbrück-Biografien vorgestellt und dabei angedeutet, dass er als FDP-Mann vielleicht sogar die von Steinbrück angepeilten Steuererhöhungen akzeptieren würde. Die Wortwahl, mit der Kubicki das ausgedrückt hat, scheint uns allerdings ein wenig verwirrend: "Sie müssen oben etwas mehr zulegen, damit Sie unten etwas mehr geben können." Wir glauben zwar nicht, dass es da um 90 - 60 - 90 geht, aber verehrte Leserinnen und Leser, horchen wir doch alle mal tief in uns hinein und lassen uns das auf der Zunge zergehen.

*

Es gibt auch normale Nachrichten von der SPD diese Woche. Besagter Gabriel war schwer am arbeiten bezüglich der Rente. Wie meinen? Nein, nicht speziell, um Steinbrück in Rente zu schicken. Leute! Also, die FAZ als sozialdemokratisches Sprachrohr schrieb dann, der SPD-Vorstand habe ein Rentenkonzept gebilligt, bei dem rund 200 000 Männer und Frauen höhere Auszahlungen bekämen. Zur Frage, wie man das finanziert, haben böse Zungen gelästert, das stehe im Strafgesetzbuch unter "schwerer Bankraub" und sei selbst unter dem Aspekt, dass wegen Kanzlerkandidatensuche und wegen Frau Nahles ein übergesetzlicher SPD-Notstand herrsche, illegal. Der Plan sieht überdies eine Mindestrente von 850 Euro "für diejenigen vor, die mindestens 30 Jahre Beiträge gezahlt haben." Wie meinen? Nein! Nicht Beiträge als SPD-Parteimitglied!!

*

In so turbulenten Zeiten sucht man ja nach Hoffnungsankern, und da fällt unser Auge auf einen Buchtitel: "Der falsche Feind - Schuld sind nicht die Männer". Das ist nicht die Steinbrück-Biografie. Verfasserin ist vielmehr Christine Bauer-Jelinek. Sie ist Psychotherapeutin, sodass uns jetzt gar nichts anderes übrigbleibt, als uns aus lauter Dankbarkeit bei ihr auf die Couch zu legen. Aber jetzt mal im Ernst. Jubel!!!!! Triumph!!!!! Es gibt noch Frauen, die durchblicken!! Frau Jelinek, Christine, wie wir sie ab sofort nennen, ist 52 Jahre alt, das ist gut, und sie ist Österreicherin, aber einen dunklen Punkt im Leben hat schließlich jeder. In der Buchankündigung stehen lauter interessante Sachen. Zum Beispiel:"Die zwanghafte Gleichverteilung überfordert Männer und Frauen und zwingt Kinder und Alte in Betreuungseinrichtungen." Und Männer in die Kneipen, muss man vermutlich hinzufügen. Und dann kommt ein Satz, über den wir ganz schwer nachgrübeln. Es geht um Einkommen und Familienarbeit, und da sagt Christine: "Der Rechenstift regiert vom Arbeitsplatz bis in die Ehebetten." Was, um Himmels Willen, meint sie mit "Rechenstift"?