Bahnbrechend

Es fährt kein Zug - auch nicht nach Nirgendwo, zumindest nicht in Mainz. Foto: dpa

Angeblich plant die Bahn, den Mainzer Bahnhof dauerhaft zu schließen. Weil: Da lungern ständig Leute rum, die Zugfahren wollen - unverschämt!

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. Derzeit gibt es in Mainz bekanntlich massive Zugausfälle, weil das Personal knapp ist - worüber sich die Bahn total wundert und sagt: "Wir haben doch erst vor 20 Jahren eine zusätzliche Planstelle bereitgestellt, was treibt die denn den lieben langen Tag?!" Als Ausweichbahnhöfe im Fall der Schließung empfiehlt die Bahn Kaiserslautern und Gerolstein (Eifel), quasi um die Ecke. Den Menschen, die sich dergestalt geoutet hatten, dass sie regelmäßig nach Wiesbaden fahren wollen, hat die Bahn einen Brief geschrieben: "Was zum Teufel wollen Sie in Wiesbaden?!" Im Gespräch ist auch noch die Variante, dass bei Schließung ein zweigeteilter Ersatzverkehr eingerichtet wird. Zum einen mit Rheinschiffen, zum anderen durch die Verwirklichung eines alten Mainzer Traums: des ganzjährigen permanenten täglichen Rosenmontagszugs.

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Es wird ja jetzt viel Gedöns gemacht, von wegen 50 Jahre Fußballbundesliga. Das Fernsehen zeigt dann Filme, in denen Helmut Rahn auftritt, Gott hab‘ ihn selig, der Schütze zum 3:2 im WM-Finale 1954 gegen Ungarn. Helmut "Boss" Rahn war der Erfinder der idealen Symbiose zwischen gesunder Ernährung und leistungsfördernden Mitteln, er sprach 1963: "Ich will nich‘ sagen, dass ich eventuell ‘n Glas Bier ausschlagen werde." Was die alte Fußballerweisheit stützt: "Zwischen Leber und Milz/passt immer noch ‘n Pils".

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Aber! Dieser ganze Bundesligakrempel ist ja Pillepalle im Vergleich zu dem, was wir noch gar nicht richtig gewürdigt haben, nämlich den Europameistertitel unserer Fußballerinnen! Und dann diese Torfrau! Nadine Angerer! King Kong Kahn ist ein Würstchen dagegen! Hält zwei Elfmeter im Finale. Der Begriff "Stellungsspiel", in der Diskussion zwischen Männern und Frauen nicht unheikel, bekommt da eine völlig neue Bedeutung. Nadine, wie wir sie einfach mal nennen, hatte vor der EM gezielt sechs Kilo abgenommen. Purzelnde Pfunde, sozusagen. Latente Erotik pur. Sie hat mal Physiotherapeutin gelernt, da lassen wir uns doch gerne einrenken. Als Hobby gibt sie Tiefseetauchen an. Da hat sie vor dem Viertelfinalsieg gegen Italien wahrscheinlich als kleine Aufmunterung Luca Brasi besucht, der bekanntlich bei den Fischen schläft.

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Nun muss man aus Gründen der Fairness sagen: Die Damennationalmannschaft hat natürlich den riesengroßen Vorteil, dass Jogi Löw nicht ihr Trainer ist. Nein, Jogi Löw wäre kein guter Trainer für die Frauen. Er würde sich mit ihnen ständig zoffen, wer das Tönungs-Shampoo benutzen darf und die Haarbürste.

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Bei den deutschen Schwimmerinnen und Schwimmern lautet, wie schon bei Olympia in London so auch jetzt bei der WM in Barcelona, die gute Nachricht:Es ist niemand ertrunken! Wobei: Die Langstreckenleute sind ja schnell, nicht aber die sogenannten "Beckenschwimmer". Der Begriff war uns so nicht geläufig. Wir kannten Brust- und Rückenschwimmen. Aber Becken? Vielleicht weiß Nadine als Physiotherapeutin was darüber.

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Weil einem diese Akademiker keine Freude gönnen und wahrscheinlich auch, weil gerade Semesterferien sind, kam jetzt der Forschungsbericht über Doping im Westdeutschland der 70er Jahre. Leute, jetzt lasst die Kirche mal im Dorf. Der ganze Kram war doch so was von verdammt anstrengend damals, so ganz ohne Tablet und Smartphone im Hammerwurfring und auf der Ruderregattabahn, und die Brüder und Schwestern aus dem anderen Teil Deutschlands zugedröhnt bis unter die Haarspitzen immer munter vorneweg. West-Doping soll damals vom Bundesinnenministerium gepusht worden sein, und der Minister war von 1969 bis 74: Hans-Dietrich Genscher! Um ehrlich zu sein: Ein bisschen gewundert haben wir uns schon damals. Denn Genscher war ja der einzige Mensch, der gleichzeitig in zwei Flugzeugen sitzen konnte, die sich in der Luft in entgegengesetzter Richtung begegneten. Und dann der Kampfname: Genschman! Diesem Anspruch kannst du doch nur gerecht werden, wenn Du zum Frühstückskaffee ein paar g a n z harte Bonbons lutschst. Manche sagen auch: Genschers berühmter gelber Pulli! Und die großen Ohren! Klare Indizien für Stärkungsmittel. Aber jetzt mal im Ernst:Es war doch für die gute Sache, denn ohne Aufbau- und Mineralstoffe hätte doch der Balkon der Prager Botschaft, von dem aus Genscher die Freilassung der DDR-Flüchtlinge im Herbst 1989 verkündete, gar nicht gehalten, so bröselig, wie der war!