Berlin Fashion Week zieht nach Frankfurt

Models präsentieren Kreationen des Labels Odeeh im Haus der Berliner Festspiele.  Archivfoto: Britta Pedersen/dpa

Von der Spree an den Main: Die Modemesse „Berlin Fashion Week“ zieht aus der namensgebenden Stadt nach Frankfurt um. Premiere ist dort dann im Sommer 2021.

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FRANKFURT. Die Mainzer Designerin Anja Gockel ist außer sich: Die bislang in Berlin beheimatete Fashion Week zieht nach 20 Jahren von Berlin nach Frankfurt um. „Das ist der schwerste Schlag, den man der Mode zufügen kann“, sagt sie und fügt hinzu: „Frankfurt ist alles andere als fashionable.“

In der Main-Metropole sieht man das natürlich ganz anders. Die Stadt und die Messe feiern den überraschenden Coup, der ein wenig über die schmerzhafte Abwanderung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) nach München hinwegtrösten soll. Die Zeil als Laufsteg, der Eiserne Steg als Catwalk: Frankfurt will sich auch international als Modemetropole behaupten und dafür die ganze Stadt zur Bühne machen.

„Unser Eiserner Steg wird der charmanteste Laufsteg der Welt“, schwärmt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erklärt die Wirtschaftsmetropole flugs „zum neuen Hotspot der Fashion- und Lifestyleszene“. Er rechnet damit, dass die Modemesse über 200 Millionen Euro pro Jahr in die Region spülen wird.

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Richtige Ort für Wiederbelebung

Auch Anita Tillmann, Geschäftsführerin des Veranstalters Premium Group, freut sich auf den Umzug. Die Berlin Fashion Week sei nicht mehr zeitgemäß gewesen, gibt sie zu. Und für die Wiederbelebung sei Frankfurt genau der richtige Ort. Die Messe könne von den Subkulturen profitieren, die in Frankfurt zu Hause sind. „Man kann und muss sie neu denken. Wir machen sie wieder relevant“, ist Tillmann überzeugt.

Noch könne sich Frankfurt zwar nicht mit den großen Modestädten wie Mailand und Paris messen. „Aber wir sind schon angetreten, um den anderen großen Modeschauen die Stirn zu bieten“, sagt Tillmann. Frankfurt mit seiner guten Lage und Anbindung sei dafür der perfekte Ort.

Die Frankfurt Fashion Week soll vor allem internationaler und nachhaltiger werden, als es die Berliner Messe war. „Unsere Stärke liegt im Vertriebsnetz der Stadt“, sagt Geschäftsführer Detlef Braun von der Messe Frankfurt. Schon jetzt richtet die Messe 60 Textilveranstaltungen im Jahr aus; 24.000 Unternehmen aus der Textilwirtschaft treffen sich regelmäßig auf dem Messegelände. „Mode kommt nun als Sahnehäubchen oben drauf.“

Mainzer Designerin will in der Hauptstadt bleiben

Die neue Auflage der Messe wird erstmals Anfang Juli 2021 am Main zu sehen sein. Die Veranstalter rechnen mit 140.000 Besuchern aus 100 Ländern. Das Konzept soll im Herbst vorgestellt werden. Die Fashion Week wurde in Berlin zweimal im Jahr mit jeweils rund 70.000 Besuchern ausgerichtet; in diesem Sommer fällt sie wegen der Corona-Pandemie aus. Damit die Frankfurt Fashion Week ein Erfolg wird, wollen die Stadt Frankfurt und das Land Hessen zunächst kräftig investieren: Zehn Millionen Euro soll die Realisierung in den kommenden drei Jahren kosten. Die Fashion Week sei für den Messestandort Frankfurt von großer wirtschaftlicher Bedeutung, sagt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zur Begründung.

Die Mainzer Modemacherin Anja Gockel, die seit vielen Jahren in Berlin mitmischt, lässt sich von all dem nicht beeindrucken. Für sie steht fest, dass sie in Berlin bleiben wird. Auch diesen Sommer will sie, vermutlich als einzige Veranstaltung, ihre Show im Hotel Adlon am Brandenburger Tor durchziehen. „Jetzt erst recht“, sagt sie.

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Von Rainer H. Schlender