Breidenbachs Woche: Der Bahn kann nur noch Elvis helfen

Regennasse Schienen unter einem imposanten Wolkenhimmel.  Foto: dpa

Der Scheuer Andy, angeblich Verkehrsminister, empfing den Bahnvorstand zum Krisen-Frühstück. Heißt: kalter Kaffee, und von Eiern keine Spur.

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. Man muss behutsam sein mit Vergleichen. Trotzdem. Der Kabarettist Hagen Rether ist in Rumänien geboren, begann eine Ausbildung zum Heilpraktiker und ist Mitglied von Amnesty International. Also darf er zum Thema Trump sagen: „Müssen wir den Amis nicht beistehen? Schließlich haben sie uns von Hitler befreit!“ * Ruhig, ganz ruhig. Tief durchatmen. Ja, es gibt lustigere Sätze, zum Beispiel „Grab them by the pussy.“ Aber wenn wir uns so richtig entspannen wollen, reflektieren wir über unseren Verkehrtmin..., Pardon, Verkehrsminister, den Scheuer Andy und über die Bahn. Also, diese Woche waren die Bahn-Chefs zum Krisen-Frühstück bei Scheuer, heißt: kalter Kaffee und kein Nutella. Eier schon gleich gar nicht, obwohl doch der große Philosoph Olli Kahn immer fordert: „Eier, wir brauchen Eier.“ Besprochen wurde laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) eine „Agenda für eine bessere Bahn“, in Fachkreisen auch die „Jim-Knopf-und-Lukas-der-Lokomotivführer“-Agenda genannt. Die Bahn legte einen Plan mit fünf Punkten vor. Der fünfte fiel dann ganz aus, der vierte hatte Verspätung, die Toilette des dritten war verstopft, das Bordbistro des zweiten im Eimer und die Wagenreihung des ersten war falsch herum. * Laut böser Zungen soll ein Fahrverbot für Euro 1 – 4-ICEs geprüft werden. Die Bahn klagte, es gebe neuralgische Knotenpunkte, die bei Verspätungen einen Dominoeffekt auslösten. Lösungsvorschlag: Bahn-Passagier dürfen ihre Beine nicht mehr verknoten und in Bordbistros gibt es keine Dominosteine mehr zu essen. Im Frankfurter Hauptbahnhof, so lesen wir, wird ein Audiosystem für verständlichere Lautsprecherdurchsagen getestet. Schade. Es gab da weibliche Stimmen mit einem klitzekleinen „S“-Fehler, die klangen echt erotisch. Wahrscheinlich werden die jetzt durch Dialekt ersetzt. „Ei Kall, moi Drobbe.“ Wir könnten uns das auch vorstellen wie beim Voice-Service mit Alexa. Der Fahrgast am Bahnsteig brüllt: „Alexa, wann kommt der Scheiß-Zug endlich?“ Und Alexa antwortet seelenruhig: „Hör zu, du Chaot. Wenn du keine Geduld hast, dann leg’ dich doch gleich auf die Gleise.“ Oder so. * Weiter schreibt dpa, kein Scherz: In einem Castingverfahren werden neue Stimmen für die Bahndurchsagen gesucht. Ey! Was gibt es da zu suchen? Platz 4: Elvis – er lebt – mit „Love me, Tender“. Platz 3: Helene Fischer mit „Anschlusslos durch die Nacht“. Platz 2: Otto Waalkes mit seiner neuen „Erlkönig“-Version: „Wer bummelt so spät durch Nacht und Wind,//es ist ein ICE, der Bahn-Vorstand spinnt.//Erreicht Gleis 4 mit Müh‘ und Not.//Die Schaffnerin bebt, ihr Passagier ist tot.“ Unbestritten natürlich Platz 1, er hat seit 1972 auf diesen Job gewartet: Christian Anders mit „Es fährt dein Zug, geh’ nicht aufs Klo.“ * 1.255 Millionen Blatt Papier haben die Bundesregierung und die Behörden der Bundesverwaltung 2017 verbraucht, lesen wir in der Süddeutschen Zeitung. Zahlen für 2018 gibt es noch nicht. Wahrscheinlich Papierstau. Aber: Ist in den 1.255 Millionen auch das Toilettenpapier eingerechnet? Die Blätter Papier, die angeblich nicht zwischen die Chefs und ihre Sklaven passen? Das Papier, auf dem geschrieben steht, was nicht mal das Papier wert ist, auf dem es geschrieben steht? Und daraus folgernd: Die Papiere, die sich diejenigen abholen können, die dafür verantwortlich sind?