Breidenbachs Woche: Putins Pudel

Trump und Putin treffen sich zu einem Gipfel in Helsinki. Foto: dpa

Nicht jeder Pudel ist begossen. Mancher Pudel stellt sich als teuflisch heraus, oder gar als Trump. Das wissen wir dank Goethe und CIA. Und der Höhepunkt ist dann natürlich...

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. Statt Fußball ist ja jetzt wieder Weltpolitik. Aber irgendwie ist derzeit überall ein schlechtes Karma. Fachleute sprechen vom Jogi-Syndrom. So trafen sich in Helsinki zwei ziemlich, mit Verlaub, Bekloppte, und das Problem für die freie Welt besteht darin, dass nur einer von den beiden tatsächlich bekloppt ist, ihr dürft raten, wer. In der Süddeutschen Zeitung lasen wir, was The Donald seinen Wählern in Montana vor dem Gipfel mit Putin gesagt hatte: „Wisst ihr, Putin ist KGB und dies und das. Aber wisst ihr was? Putin ist in Ordnung.“ Putin ist also in Ordnung? In hiesigen hessisch/rheinland-pfälzischen Gefilden hat man dafür einen wunderbaren Ausdruck: „Der is kään Depp unn nix.“ * Gut, es gibt schon mal Situationen, in denen man sich einer relativ einfachen Ausdrucksweise bedient. Wir kennen das noch von unseren Dialogen mit meinem leider früh verstorbenen Kater Bébé. Wenn ich einen Kater hatte und er nicht, wurde meine Sprache zwangsläufig ein bisschen banaler, seine nicht. Aber im Vergleich zu Trumps Montana-Ansage haben Bébé, Gott hab ihn selig, und ich selbst unter schwierigsten Umständen immer quasi auf Goethe-Niveau kommuniziert. * Goethe, glänzender Übergang. Nach dem Gipfel von Helsinki schrieb die britische Zeitung „Guardian“, Trump sei „Putins Pudel“. Und da sind wir mittendrin. Goethes Faust. Faust ist auf der Suche nach unermesslichem Wissen, grübelt, ist enttäuscht und spricht dann den Satz, der in jüngster Zeit fälschlicherweise Jogi Löw zugerechnet wird: „Hier steh‘ ich nun, ich armer Tor//und bin so klug als wie zuvor.“ Bei Goethe ist es dann so, dass Faust einen schwarzen Pudel mit nach Hause nimmt, und der verwandelt sich dann in Mephisto, also den Teufel. Faust sagt dann den berühmten Satz: „Das also war des Pudels Kern.“ Laut „Guardian“ wäre Putin Faust, und Putins Pudel Trump wäre Mephisto. Das kommt hin. Vielleicht twittert Trump: „Wisst ihr, ich bin Mephisto und dies und das, aber ich bin in Ordnung.“ * Bei Goethe ist es dann so, dass Mephisto Fausts Seele will, in der „Guardian“-Fassung will also Trump Putins Seele. Deshalb verschafft Trump/Mephisto Faust/Putin eine Affäre mit Gretchen. Man könnte nun überlegen, ob an dieser Stelle die mit Trump gut bekannte frühere Porno-Darstellerin Stormy Daniels ins Spiel kommt. Gretchen/Stormy stellt Faust/Putin die berühmte Gretchenfrage. Die lautet allerdings keineswegs: „Zu dir oder zu mir?“, sondern: „Nun, sag‘, wie hast du‘s mit der Religion?“ Da weiß Putin wahrscheinlich keine Antwort, und stattdessen fragt er dann: „Zu dir oder zu mir?“ Bei Goethe wird Faust/Putin am Schluss erlöst, und Trump/Mephisto guckt in die Röhre. So lässt Trump die Nummer niemals laufen. Er wird der CIA befehlen: „Verhaftet diesen verdammten Goethe.“ * Der isländische Fußballnationaltrainer Heimir Hallgrimsson ist nach dem Vorrunden-Aus bei der WM von seinem Posten zurückgetreten und will wieder in seinem erlernten Beruf als Zahnarzt arbeiten. Schon rein lautmalerisch hat jemand mit dem Namen „Hallgrimsson“ phantastische Voraussetzungen für den Zahnarztberuf. Beim Bohren, da hallt und schallt es, und wenn der Nerv getroffen ist, dann grimt er. Ist alles stimmig. Günter Netzer kam einst aus der Tiefe des Raums, Heimir (klingt das nicht wie „Heimspiel“?) geht zurück in die Tiefe des (Mund-)Raums, dahin, wo‘s wehtut. Und noch ein klarer Fingerzeig: Heimir war sieben Jahre Nationaltrainer. Sieben, die magische Zahl aller Zahnärzte: „Über sieben Brücken musst du geh‘n.“