Breidenbachs Woche: Rettung durch Roulette - die SPD kommt...

Eine Abstimmung bei der SPD. Symbolfoto: dpa

Qualen durch Quellen zu lindern – keine schlechte Idee für die geplagten Enkelinnen und Enkel Willy Brandts. Die SPD will am 22. April einen wichtigen Bundesparteitag...

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. Die SPD-Führung gibt bekannt: Wenn man beim Bundesparteitag in Wiesbaden nicht vorbehaltlos ihren Kurs unterstütze, bestehe die Gefahr, dass die Partei „die Macht auf falscher Grundlage“ antrete. „Das muss und wird der Parteitag sein, der alles wegräumt, was uns noch behindern kann.“ Donnerwetter! Das Ziel: Verhindern, „dass die Genossen weiter und weiter diskutieren und niemand weiß, wo er mit der SPD dran ist.“ Jawoll. Genau. Wie meinen? Nein, diese wunderbaren Worte betreffen nicht den SPD-Bundesparteitag am 22. April 2018 in Wiesbaden, sondern den SPD-Bundesparteitag vom November 1993 in Wiesbaden. Der Vorsitzende hieß damals Rudolf Scharping. Das ist der mit der Gräfin im Planschbecken. Zwei Jahre später beim Mannheimer Parteitag zog Oskar Lafontaine den Stöpsel raus. Nein, nicht dem Planschbecken. Auch nicht der Gräfin, sondern dem Scharping. Leute, das kann ja heiter werden. Wir haben damals als Reporter beim Parteitag geweint. Nicht vor Rührung, sondern vor Zorn, weil es zog wie Hechtsuppe. Herrschaften, Gnade euch, wenn‘s diesmal wieder so zieht. Selbst wir werden schließlich nicht jünger. * Wir entnehmen dieser unserer Zeitung, dass unmittelbar vor der SPD, am 15. April 2018, die Ehrlich Brothers in Wiesbaden gastieren. Die Ehrlich Brothers sind nicht Schulz und Gabriel, ehrlich nicht. Sondern Zauberkünstler. Nicht die mit den weißen Tigern, das waren Siegfried und Roy. * Aber die Ehrlich Brothers bleiben bestimmt bis zum Parteitag. Von der SPD können die noch was lernen. Wie man aus einem Elefanten eine Mücke macht zum Beispiel, oder wie man Martinsgänse auf offener Bühne verschwinden lässt. Ansonsten – klar, eine Partei in diesem Zustand, da gibt‘s nur eins: Wiesbaden! Heiße Quellen, schwüle Nächte, kühle Frauen, kalter Champagner. Vor allem: die Spielbank! Roulette. Rien ne va plus, nichts geht mehr. Und für Zocker hat Wiesbaden auch was zu bieten, die Schiersteiner Brücke: „Ich geb‘ Gas, ich will Spaß.“ Im Ernst, auf der Homepage des Casinos lesen wir: „Genießen Sie das größte Pokerangebot.“ Mmhh. Wir dachten, das war neulich die Jamaika-Nummer in Berlin? * „Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist.“ Sagt die SPD. Nein, sagt der Dichter Fjodor Dostojewski. Sein Roman „Der Spieler“ spielt in „Roulettenburg“, Wiesbaden war nach herrschender Meinung das Vorbild. Im Roman geht es laut Wikipedia „um eine Gruppe von Menschen, die kurz vor dem Ruin stehen“. Kannte Dostojewski die SPD? Vielleicht bleibt da wirklich nur noch Russisches Roulette. Oder die Flucht in die Cowboy-Phantasien der Kindheit: Die Schwarzfuß-Indianer greifen an, und die Hoffnungen ruhen auf Olaf, der letzten Patrone. Was uns ein bisschen Sorge macht, ist, dass Dostojewski auch „Der Idiot“ schrieb. Da geht es unter anderem um eine „zerstörerische Dreieckskonstellation“. Andrea, Siggi, Martin – reißt euch bloß zusammen! * Das Schärfste lesen wir auf www.wiesbaden.de: Der Niederländer Rob Keijzer kommt Mitte Februar in ein Wiesbadener Thermalbad, als „Gast-Aufgießer“. Er ist Weltmeister im Show-Aufguss. Show-Aufguss!! Früher nannte man das Parteitagsrede. Niederländer! Die kleinen Sauna-Goudas kommen, Frau Antje holt das Heißluft-Gebläse aus dem Wohnwagen. Wir lesen: „Rob Keijzer bringt die Saunafans richtig ins Schwitzen und ins Schwärmen!“ Das wär‘ doch was gewesen für Scharping und die Gräfin. Aber sie planschten nur einen Sommer – gefühlt, jedenfalls jetzt nicht mehr.