Breidenbachs Woche: “Vollgas ist Käse”, sagt Frau Antje

Ein Schild an der niederländischen Grenze. Foto: dpa

Hoch und nieder, immer wieder – altes deutsches Volkslied. Aber in den Niederlanden gibt’s jetzt Tempolimits, denn niemand soll nieder – nämlich im Graben – landen.

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. Lange nichts gehört von unseren holländischen Freunden! Keiner daheim? Alle schmachten//in den Grachten? Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) sagt, was los ist. „Nach Norwegen und Zypern führen auch die Niederlande Tempo 100 auf Autobahnen ein.“ Wegen des 30. Geburtstags des Berliner Mauerfalls verstehen wir das so, dass das nach meiner Kenntnis sofort gilt, unverzüglich. Aber nur bei Fahrten „nach Norwegen und Zypern“. Kleine Vollgas-Goudas werden ausgebremst. Gut, denn stöhnt Frau Antje nicht schon immer: „Langsam, langsam...“?

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Der Begriff „Fliegender Holländer“ erscheint da in neuem Licht. Interessant, dass ausgerechnet Ministerpräsident Mark Rutte von der VVD, bürgerlich-liberal, also quasi Kohl-Genscher mit Joint-Lizenz, von einer „beschissenen Maßnahme“ spricht. Rüder Ton, „alles Käse“ hätte auch gereicht. Aber, alte niederländische Weisheit: „Ist der Plan auch ganz beschissen//Du wirst Tempo missen müssen.“

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Ausgenommen vom niederländischen Tempolimit sind selbstredend Wohnwagen bei Fahrten innerhalb geschlossener Ortschaften und bei Wendemanövern ohne Rückspiegel am Kamener Kreuz. Für beides gelten weiterhin Tempo 130 sowie die Maximen „Null Toleranz für den Gegenverkehr“ und „Stirb langsam“. Grund für das Tempolimit seien hohe Stickoxid-Emissionen, sagt die Regierung. Lachhaft. Die Emissionen kommen vom Dope. Am Morgen ein Joint//und der Tag ist dein Froind. Kiffen, bis die Schwarte Gracht....Pardon, kracht. Noch‘n Blickwinkel: Die Begriffe „Raserei“ und „Schweiz“ scheinen einander auszuschließen. Aber:_Bis zu vier Jahren Knast droht bei den Eidgenossen im Fall von Gasfuß-Galas. Als härtester Raser der Schweiz, so dpa, gilt ein Versicherungsmakler, der im 560 PS-Bentley mit mehr als 300 km/h geblitzt wurde. Drei Jahre Haft. Da hilft dem Versicherungsmakler auch keine Haft-Pflichtversicherung.

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Ist es da nicht verdammt ungerecht, dass ein TGV-Zug mit über 300 durch die Lande donnert? Die Deutsche Bahn wird aber demnächst auch zu drei Jahren Haft verurteilt, wegen Verspätungen. Ansonsten wie immer: greise Gleise, zaudernde Züge. Aber kürzlich lasen wir: „Neue Sitze sollen‘s richten.“ Ab nächstem Jahr. Für 40 Millionen Euro. Wir ham‘s ja. Kritik: „Die Entwicklung der erst zwei Jahre alten Sitze lief wohl an den Kunden vorbei“, lesen wir. Ein Laden, bei dem die Sitze laufen... Da passt diese dpa-Nachricht von Ende September, die wir uns nicht zu drucken trauten, um die Nation nicht in Panik zu versetzen. Also. Ein ICE blieb auf der Fahrt Berlin – Köln nahe dem Hauptbahnhof Hannover liegen. Die Bahn versuchte zunächst, den Zug abzuschleppen. Logisch, denn Hannover gilt ja als typische Abschlepperstadt. Denken wir nur an Gerd Schröder und seine, Stand jetzt und Nebengeräusche mal nicht mitgerechnet, fünf Ehefrauen. Über Leitern mussten die Passagiere den Zug dann doch verlassen, dabei auch, ja, verreck, der Scheuer Andy, unser Verkehrtmin...., Pardon Verkehrsminister. Warum er nicht seinen Zwölfzylinder-Dienstwagen benutzte, wird sein Geheimnis bleiben, wahrscheinlich ist er auch dafür nicht intelligent genug. Jedenfalls: Der Andy auf der Leiter – Karriereleiter mal ganz anders. Merke: Sei nett zu allen, wenn du nach oben steigst, wenn du wieder runter steigst, triffst du sie alle wieder. Happy End: Drei Stunden Verspätung, also quasi normal.