Coronavirus: Ausreise aus Marokko fast unmöglich

Ein Flieger im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Symbolfoto: dpa

Tausende Urlauber sitzen wegen des Coronavirus im Ausland fest. Das Auswärtige Amt arbeite zwar "mit Hochdruck" an der Rückreise, doch viele Urlauber sind mittlerweile verzweifelt.

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FRANKFURT/MAINZ. Die Fluggesellschaften Lufthansa, Eurowings und Condor haben mittlerweile Tausende Touristen nach Hause gebracht, die in ihren Urlaubsländern gestrandet waren. Während die Lufthansa ihren regulären Flugplan wegen der Corona-Krise fast vollständig gestrichen hat, wird es weitere Heimholungsflüge geben. Das sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Montag und fügte hinzu, die Fluggesellschaften stünden dazu mit den jeweiligen Regierungen der Heimatländer in engem Austausch.

„Jetzt geht es nicht mehr um wirtschaftliche Fragen, sondern um die Verantwortung, die Fluggesellschaften als Teil der kritischen Infrastruktur in ihren Heimatländern tragen“, sagte Spohr. Nach seinen Worten haben Lufthansa und Eurowings am Wochenende bereits rund 6000 Passagiere abgeholt.

Auch Condor schickt nach Angaben einer Sprecherin in diesen Tagen noch Flugzeuge in die Zielgebiete, um Urlauber zurückzuholen. Dabei arbeite man eng mit den Reiseveranstaltern zusammen. „Wir fliegen leer in die Türkei, um die Menschen nach Hause zu holen“, sagte die Sprecherin. Auf dem Frankfurter Flughafen sollen notfalls auch nachts Starts und Landungen möglich sein. „Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation“, sagte der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Montag zur Begründung. Wenn sich an Start- oder Zielflughäfen wegen der Seuchenabwehr Abläufe verzögerten, werde eine Ausnahmegenehmigung wegen besonderer Härte erteilt. „Dies ist besonders in den nächsten Tagen wichtig, wenn Rückkehrerflüge mit Menschen erwartet werden, die ihren Urlaub im Ausland vorzeitig abbrechen mussten“, sagte Al-Wazir.

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Tausende Urlauber sitzen in Marokko fest

Zahlreiche Länder haben wegen der Ausbreitung der Corona-Seuche ihre Grenzen geschlossen und Verkehrswege blockiert. Für Touristen, die eine Pauschalreise gebucht hatten, sind in diesen Fällen die Reiseveranstalter die ersten Ansprechpartner. Reisende, die auf eigene Faust unterwegs sind und Flüge oder Hotelzimmer selbst gebucht haben, sind in einer schwierigeren Lage. Sie müssen sich selbst um die Rückreise kümmern. Vor allem in Marokko sitzen seit dem Wochenende Tausende Urlauber fest, nachdem die marokkanische Regierung von jetzt auf gleich Flug- und Fährverbindungen nach Deutschland und in andere europäische Länder gekappt hatte.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärt dazu, dass man gemeinsam mit der deutschen Botschaft in Rabat, den EU-Partnern und den Reiseveranstaltern „mit Hochdruck“ daran arbeite, Rückreisemöglichkeiten für deutsche Staatsangehörige zu schaffen. Dies schließe auch Individualreisende ein. Allerdings betont die deutsche Botschaft: „Die Ausreise aus Marokko ist derzeit fast unmöglich.“ Auch seien Evakuierungsflüge derzeit nicht geplant, heißt es in einer E-Mail der Botschaft an betroffene Reisende.

Viele Urlauber in Marokko sind ungehalten und verzweifelt, weil Botschaft und Auswärtiges Amt für sie nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind. Auf deren Homepages finden sich lediglich pauschale Hinweise und die ausdrückliche Warnung, ins Ausland zu reisen. Eine Reisende schreibt auf Twitter an das Außenministerium: „Die deutsche Botschaft in Rabat hat unter der Notfallnummer nur einen arabisch gesprochenen Text auf dem AB, was nicht hilfreich für uns ist.“ Ein anderer Urlauber fleht: „Wir sind Berliner, die derzeit in Marrakesch festsitzen. Bitte vergiss uns nicht.“

Von Rainer H. Schlender