Das Vermächtnis der Martinsgänse

Martin Schulz (links) und Sigmar Gabriel wollen der SPD in anderer Funktion neues Leben einhauchen. Foto: dpa

In der SPD keimt Hoffnung. Gabriel, dessen Karriere als Siggi Pop durch sein Wirtschaftsministeramt jäh gebremst wurde, greift nun zum Äußersten. Und von Schulz wird...

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. Gabriel. Name bürgt für Qualität. Wir Älteren erinnern uns: Erzengel. Wobei in der SPD früher eigentlich Franz Müntefering für Stahl und Erz zuständig war. Wir lesen im Lukas-Evangelium... nein, nicht Lukas Podolski, Leute! Also, dort heißt es: „ Fürchtet euch nicht!“ Klar, das muss man den Genossen immer und immer wieder sagen, acht Monate vor der Bundestagswahl. Weiter: „Siehe, ich verkündige euch große Freude.“ Und dann trat Sigmar Gabriel von SPD-Vorsitz und Kanzlerkandidatur zurück.

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Vielleicht lief das im Hause Gabriel ungefähr so. Seine Frau sprach zu ihm: „Sigmar....“, oder nennt sie ihn plump-vertraulich „Siggi“? Unter dem Kampfnamen „Siggi Pop“ sorgte er schließlich vor gut zehn Jahren, kein Scherz, als Pop-Beauftragter der SPD für Furore.

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„Schaatz, warst Du eigentlich auch jemals Pop-Beauftragter?“

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Sigmars Frau ist bekanntlich Zahnärztin, und da wusste sie: Diese Sache muss man von der Wurzel her angehen. Und den Zahn mit der Kanzlerkandidatur, den hat sie ihm gleich mal gezogen. Dafür wird er jetzt Bundesminister des Äußersten.

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Und nun Martin Schulz. Vor- und Nachname verpflichten extrem. Willi Schulz, eisenharter Vorstopper in den 60er Jahren, Ehrenname „Worldcup-Willi“, von der WM 1966 in England, wo das dritte Tor nicht drin war. Übrigens war auch Martin Schulz Fußballer, wollte eigentlich Profi werden – durchaus eine Parallele zu Gabriel, der in der Politik eigentlich Profi werden wollte. Was Schulz angeht: In der wunderbaren Zeitung „Rheinische Post“ erinnert sich sein Fußballkumpel Dietmar Schultheis an eine Szene aus der Kindheit: Kurz bevor es auf den Bolzplatz geht, habe Martin „versunken vor einem Spiegel“ gestanden und gesagt, „er müsse schauen, wie das aussehe“. Wir sind sicher: Der hat da schon die Merkel-Raute geprobt!

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Natürlich: Sankt Martin, ein Bischof im 4. Jahrhundert, Müntefering kannte ihn noch persönlich. Er hieß eigentlich Martin von Tours, Tours, Stadt in Frankreich, Tours de France, dröhnungsfreie vegane Alternative zu Tour de France. Wir lesen bei Wikipedia: Er wuchs in Pannonien auf, heute Ungarn, klar, dass er irgendwann sagte: bloß weg hier bei so viel Ausländerhass. Dann schlug er die Militärlaufbahn ein, wir vermuten, weil ihm Ursula von der Leyen nachts im Traum erschienen war. Als Offizier des römischen Besatzungsheeres verweigerte er dann die Teilnahme an einer Schlacht mit dem Hinweis, er sei jetzt Christ. Praktisch der erste Wehrdienstverweigerer. Diese Schlacht fand laut Wiki in der Nähe des späteren Worms statt. Vielleicht war es aber nur so, dass da Dieter Wedel zugange war, der eine Schlacht für die Nibelungenfestspiele probte. Mit 40 verließ Martin das Militär, er ahnte sicher, dass bald das um die Ecke schießende G 36 kommen würden. „Bald“, so Wikipedia, „lernte er den Bischof von Le Mans kennen.“ Böse Zungen sagen, die beiden hätten sich dann 24-Stunden-Rennen geliefert. Vielleicht verwechseln wir das aber nur mit Bernie Ecclestone, der damals auch schon im Geschäft gewesen sein muss.

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Berühmt die Sache mit dem Mantel. An einem Wintertag begegnete Martin zu Pferd in Amiens einem unbekleideten Mann. Das war aber keiner von den Chippendales, sondern ein Armer. Martin gab ihm die Hälfte seines Mantels. Die Sache mit der Mantelhälfte griff Karl Lagerfeld dann kurze Zeit später modisch auf. Eine weitere Überlieferung: Martin sollte 371 in Tours von den Einwohnern zum Bischof ernannt werden, empfand sich des Amtes aber unwürdig und versteckte sich in einem Gänsestall. Übrigens gibt es deshalb, kein Scherz, heute die Martinsgans. In dem Herzen wird es warm//durch die Martinsgans im Darm. Weiter in der Überlieferung: Die schnatternden Gänse verrieten Martins Anwesenheit, und er musste Bischof werden. Ob das bei der SPD-Kanzlerkandidatensuche genau so oder genau anders herum lief, da soll sich jeder mal seine eigenen Gedanken machen. Wie auch immer: Dem heiligen Martin wurden damals sogar Totenerweckungen zugeschrieben! Na gut, wenn man sich die SPD-Umfragewerte anschaut, die nach der Schulz-Kür um drei Prozentpunkte gestiegen sind....