Der Kaffee ist fertig ... "Darf ich einschenken?!"

Ein stetiger Begleiter im Leben eines Journalisten - eine irgendwie geartete Kaffeemaschine - für ein Genussmittel, ohne das es nicht geht. Foto: dpa

Egal wo, egal wann, für viele beginnt der Tag schon in den ersten Minuten nach dem Aufwachen relativ ähnlich: die Hand, die aus der Bettdecke herausschießt und den Wecker...

Anzeige

. Von Ali Reza Houshami

Halb zehn in Mainz. Ich bin der erste unter den Volontären, der den Weg zum Verlagshaus schon gefunden hat. Ich sitze auf der Couch, vor dem Raum "Wonnegau", in einer halben Stunde beginnt das Jobtraining. Für uns Volos ein beliebter Tag, an dem wir vom Redaktions- und Deskalltag einmal im Monat fernbleibenund stattdessen journalistisches Handwerkzeug in Theorie und Praxis, im und außer Haus erlernen und/oder ergänzen. Ich kann es kaum erwarten. Nein, es ist nicht nur der Arbeitseifer und die Lernwilligkeit: Es sind dieses Mal auch die frisch gefüllten Kaffeekannen auf den Tischen, die meine Vorfreude auf den Beginn der Veranstaltung verstärken. Seltsam? Keineswegs!

Verführerischer Geruch

Der Geruch von geröstetem Kaffee macht sich breit, steigt in meine Nase, und das, obwohl keine Kaffeemaschine in der Nähe ist und die Kannen noch zugedreht sind. Eine merkwürdige Illusion, aber kein Wunder, hatte ich doch am Morgen keine Gelegenheit, den gewohnten großen Schluck der leckeren schwarzen Brühe zu nehmen. Wer kann das nicht nachvollziehen, wer erinnert sich nicht an seine Studienzeit, als Kaffee die Allzweckwaffe gegen die Müdigkeit war, der Motivationsschub für lang(weilig)e Seminare oder einfach nur der Grund, sich eine Pause zu gönnen. Mit oder ohne Milch, gesüßt oder einfach pur, ungerührt, schwarz - Genuss nach eigenem Geschmack, mit der besonderen Eigenschaft, als eine Art Gemeinschaftsmittel zu gelten, die passende Zutat für das Zusammengehörigkeitsgefühl eben.

Anzeige

Klar, es gibt auch andere Getränke, zu denen wir in bestimmten Lebensabschnitten greifen. Als Kind mochte ich beispielsweise Kakao, kalten am Morgen, warmen am Abend. Lecker, keine Frage. Ein Volontärskollege etwa zieht noch heute nahezu täglich die Trinkschokolade aus dem Automaten in der Kantine. Die Teetasse hingegen wird immer dann zu meinem ständigen Begleiter, wenn die Herbst- und Wintertagen kommen. Minze, Rooibos oder Früchtetee erfüllen mich mit Wärme, wenn es draußen weht und friert. Sobald aber draußen die Sonne scheint, verschwinden Teekanne und -tasse samt Geschmacksbeutel in den Schrank und geraten zunehmend in Vergessenheit. Das würde dem Kaffee nicht passieren, ist er doch ganz gleich zu welcher Jahres- und Tageszeit beliebt und bewährt. Am Morgen als Wachmacher, am Mittag der passende Begleiter zum Snack (Schokolade, Kuchen, Riegel).

Auf den Trend-Zug gesprungen

Derzeit gibt es noch ein weiteres Getränk, das von "Trendsettern" entdeckt worden ist, das meist von Ernährungsberatern beworben wird und einen Hype ausgelöst hat, auch bei mir: der grüne Smoothie, das Mischgetränk bestehend aus frischem Obst und Gemüse, etwa die Kombination Apfel, Banane, Babyspinat und Kopfsalat mit einem Schuss frisch gepresster Zitrone. Ein empfehlenswertes Rezept. Da will ich nicht verschweigen, dass dieses neuzeitliche Getränk mich gepackt hat. Ich habe Gefallen daran gefunden, erscheint er mir abends nach der Arbeit doch bekömmlicher als eine warme Mahlzeit, die ich erst noch zubereiten muss, ehe ich sie verspeisen kann. Der Tag eines Volos kann nämlich manchmal sehr lange sein, das Abendessen wäre zu später Stunde nur schwer verdaulich. So viel zu den Gründen, warum ich auf den Trend-Zug gesprungen bin und zum Abendbrot zum Smoothie greife.

Dennoch gibt es auch hier einen Haken: Als ich letztens an einem Seminar teilnahm, berichtete ich den Kollegen beim Mittagessen von meiner Neuentdeckung. Und schon hatte ich den Salat. Nicht die Zutat für meinen Smoothie, sondern das Missverständnis. Wurde ich doch gefragt: "Willst du abnehmen?", "Warum machst du nicht Sport?" Tja, was sagt man dazu. Rede ich hingegen über Kaffee, berichtet jeder, wie viele Tassen er am Tag zu sich nimmt: 2, 4, eine Kanne am Tag - nach individuellem Belieben eben. Keine Kategorisierung, vielmehr ein Zugehörigkeitsgefühl. Ganz einfach. Viertel vor zehn, die Kollegen trudeln ein, ich springe auf und freue mich schon: auf das Jobtraining, und natürlich auf die Frage: "Darf ich dir auch einschenken?"