Die Ästhetik des Damen-Diskus

Irgendwie auch ne Bahn ... Foto: dpa

Nicht nur bei der Bahn, auch bei der Leichtathletik-WM sind manche Sachen ganz schön abgefahren.

Anzeige

. Die meisten von uns kennen Dante, den Abwehrspieler von Bayern München, der mit dem Wischmop auf dem Kopf. Wichtiger in Zeiten wie diesen erscheint uns aber Dante Alighieri, nein, nicht Inter Mailand, sondern Dichter, geboren 1265 in Florenz. "Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren," so schrieb er. Das wäre gut als neues Schild am Mainzer Hauptbahnhof, derzeit auch "Vorhof zur Hölle" genannt. Dabei kann der arme Bahnhof nix dafür und die, die dort arbeiten, ja auch nicht. Man lässt jetzt also die Hoffnung fahren - anstatt der Züge.

*

Einst wurde Bahnchef Rüdiger Grube als Hoffnungsträger angeheuert, was vielen jetzt nicht mehr geheuer ist. Er wurde aufgebaut, doch nun stellt sich wieder mal heraus: Wer anderen einen Grube gräbt, fällt schnell mal rein.

*

Anzeige

Aufregung vermeiden, leicht gesagt. Denn Panik wird seit neuestem "Bahnik" buchstabiert. Nomen est omen, mit dem Begriff "Bahn" verbinden sich schon immer allerlei Kalamitäten. Denken wir nur an die Achterbahn am Nürburgring, nie in Betrieb, der Begriff "jetzt geht‘s rund" erscheint da in total schrägem Licht. Oder Reeperbahn. Teilweise unzüchtig. Wir Älteren kennen das Lied von Hans Albers: "Auuffff der Reeeperbahn nachts um halb eins..." Ja, wären die jetzt froh am Mainzer Hauptbahnhof, wenn nachts um halb eins noch irgendwas gehen würde, dafür würden sie sogar Rotlicht in Kauf nehmen - selbstredend nur als Schlusslichter am Zug.

*

Oder der Song von Udo Lindenberg: "Reeperbahn, ich komm an//Du geile Meile, auf die ich kann." Dabei ist nicht klar, wie er das meint: "auf die ich kann". Aber wir befürchten, davon leitet sich grammatisch der regional gebräuchliche Begriff "ich muss auf den Zug" ab. Nicht zu unterschätzen ist auch dieses Bahn-Ski-Springen. Wenn da der Gummi reißt, ist der Kopf die letztverbleibende Knautschzone. Wie meinen? Das heißt eigentlich Bungee-Springen? Jetzt seid mal nicht so kleinlich!

*

So richtig positiv besetzt ist auch der Name Bahn Ki-moon nicht, der in der Schreibweise Ban Ki-moon UN-Generalsekretär war, keiner weiß, warum. Nicht unumstritten ferner die sogenannte Ex-Bahnsion, was keineswegs das finale Aussterben jedweden Zugverkehrs bezeichnen soll, sondern in der Schreibweise Expansion "Ausdehnung" bedeutet, Ausdehnung auch von Körpern, womit wir wie von selbst bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft und da speziell bei den Wurfdisziplinen der Damen sind. Als geborenem Ästheten ist es uns nicht entgangen, dass in weiten Bereichen eine erhebliche Verbesserung des optischen Gesamteindrucks zu verzeichnen ist, wenn man das mal mit Zeiten vergleicht, als die sowjetischen Geschwister Tamara und Irina Press Anfang der 60er Jahre ihrem Namen alle Ehre machten. Vor allem Tamara, Kugel und Diskus: Von ihr gepresst zu werden, da wäre selbst Schwarzenegger als Pfannkuchen geendet. Irina ging später zum KGB. Wenn er einen schlechten Tag hat, sieht Putin ein bisschen so aus, als sei er den Press-Schwestern mal in die Hände gefallen.

Anzeige

*

Beim Diskuswerfen der Damen sind wir etwas erschrocken, als wir zum ersten Mal bewusst die Kubanerin Yarelys Barrios sahen, die Bronze holte. Enorm. Wie sollen wir das jetzt formulieren: Sie hat offensichtlich Kalorienschwerpunkte gebildet, und dann hat auch noch die Erdanziehungskraft Yarelys‘ Körper gnadenlos heimgesucht. Ihre gefühlte Relation Körpergröße/Gewicht scheint uns bei 1,50 Meter zu 150 Kilogramm zu liegen. Ja. Die deutsche Teilnehmerin Nadine Müller dagegen wiegt 90 Kilo, ist aber 1,93 m groß. Eine Augenweide, wurde aber nur Vierte. Trotzdem, liebe Kinder, sehr geehrter Herr Umweltminister Peter Altmaier: aufpassen, immer auch mal Gemüse essen und Vollkornbrot.

*

Wenn wir jetzt so harmlos vor uns hin philosophieren, werfen uns Leserinnen bestimmt wieder vor, das sei machomäßig und frauenfeindlich. Deshalb werden wir jetzt mal offenbaren, was die Kollegin, die uns an dieser Stelle manchmal beim Verfassen der "Woche" vertritt, nach dem Stabhochsprung-WM-Titel von Raphael Holzdeppe äußerte: "Der kann sich ruhig das Trikot vom Leib reißen." Tja, meine Damen, da kommt bei uns Männern Freude auf. Aber da sagen wir: Schaut ihn euch nur an, den Herrn Holzdeppe. Aber würde er euch den Müll runter- und die Getränkekisten rauftragen und im Winter Schnee schippen? Also, überlegt‘s euch.