Die Pauli Gabriele - aufgeladen

Schon wieder Unruhe in Bayern. Kaum ist Greuther Fürth in die Bundesliga aufgestiegen, will eine Fürther Ex-Landrätin in die Verlängerung.

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. Der Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, hat gesagt, wenn das nicht klappt mit der Energiewende, dann gründet er ein eigenes Bayernwerk. Wir sagen: Das hat so lange keinen Sinn, wie der Robben die Elfmeter schießt, für Bayern.

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Was sich in dieser Woche an quasi mystischen Verstrickungen ereignet hat, das geht auf keine Kuhhaut. Das kann doch kein Zufall sein: Just, da sich beim ESC, European Song Contest, Gran Brüh Eurovision Chamsom, wie wir ihn nennen, auf wundersame Weise nicht Wasser in Wein, aber manchmal Mist in Punkte verwandelt hat, just, da sie dem armen Papst einen ungetreuen Kammerdiener verhaftet haben, der Paolo Gabriele heißt, genau zu diesem Zeitpunkt lesen wir, weinend vor Freude, in der Süddeutschen Zeitung, dass die ehemalige Fürther Landrätin Gabriele Pauli wieder kommen will! Gabriele und Gabriele, das muss was zu bedeuten haben.

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Wir Älteren erinnern uns: Die Pauli Gabriele war früher in der CSU, und Ende 2006 hat sie öffentlich gemacht, dass der Stoiber Edi Gegner unter Druck setzen ließ, also, in weit stärkerem Maße, als das selbst in der CSU üblich war. Der Edi hat dann zu ihr gesagt, sie sei nicht wichtig, und mit solchen Sätzen muss man bei Frauen immer wahnsinnig vorsichtig sein, die laufen dann schon allein aus Trotz zu großer Form auf. Jedenfalls war der Edi dann ruckzuck erledigt, die Pauli Gabriele hat erst ein paar interessante Fotos von sich machen lassen, zum Beispiel mit Latexhandschuhen, ging dann zu den Freien Wählern in den Landtag, aber die warfen sie alsbald aus der Fraktion, nicht wegen der Latexhandschuhe, aber sie war halt, nun, ein bisserl eigen. Sie war dann fraktionslose Abgeordnete, hat jetzt aber an den Chef von den Freien Wählern, Aiwanger, einen Brief geschrieben, sie wolle ihr "politisches Single-Dasein beenden". Wir wissen nicht, wie der Seehofer auf so etwas reagiert hätte, aber beim Aiwanger, so schreibt die Süddeutsche, sei "Unruhe" ausgebrochen. Ja, freilich, das können wir uns gut vorstellen. "Ich habe meine Batterien wieder aufgeladen", hat die Pauli Gabriele geschrieben, und in Zeiten der E-Mobilität ist das echt ein ganz ein starkes Argument.

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Aber irgendwie scheint der Aiwanger nicht so richtig zu wollen, wobei, für so eine wie die Pauli Gabriele, da brauchst du schon Mut, aber andererseits bringen dich ja nur die wirklichen Herausforderungen im Leben weiter. Demzufolge könnten wir uns vorstellen, dass, wenn es mit den Freien Wählern nicht klappt, dann vielleicht doch wieder bei der CSU, wenn sich der Seehofer denkt: A bissel was geht alleweil - und zwar vor allem unter dem Aspekt, dass ja Greuther Fürth in die Bundesliga aufgestiegen ist und man insofern einer ehemaligen Fürther Landrätin schon so etwas zugestehen müsste wie eine Wild Card, wobei uns dieser Begriff angesichts der Pauli Gabriele in ganz neuem Licht erscheint.

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Wir müssen jetzt aber doch noch mal auf den Gran Brüh Chamsom zurückkommen, weil, es war einfach zu großartig. Anke Engelke hat dem Großmufti von Aserbaidschan verbal ja richtig einen eingeschenkt, von wegen, es sei gut, wählen zu können. Wenn der Gran Brüh noch mal in Aserbaidschan stattfinden sollte, sollte man die Pauli Gabriele als deutsche Moderatorin engagieren, dann wird der Großmufti schlagartig sowas von liberal. Es hat sich dann erwartungsgemäß erneut herausgestellt, dass der Gran Brüh die Rache Osteuropas für das Ende des Kalten Krieges ist, gegen diese Punktevergabe war das Politbüro der KPdSU unter Breschnew transparent und demokratisch. Ältere Damen mit Keksen waren auch dabei. Nanu, dachten wir, hat sich die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen über die sexistischen Anwürfe von Sigmar Gabriel in der Vorwoche, wir berichteten, so geärgert, dass sie jetzt gleich für Russland auf die Matte gehen? Waren aber echt cool, die alten Damen. Es waren aber leider auch ein paar ganz schräge Nummern dabei, da hätte man den beteiligten Damen doch vielleicht sagen müssen, dass sie ihren Lebensunterhalt doch lieber mit anständiger Arbeit verdienen sollten, nämlich mit Tabledance, oder so.

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Wegen dieser ganzen Kalamitäten raten wir, den Gran Brüh demnächst nur noch unter deutschen Bundesländern durchzuführen. Die kultige Punktevergabe auf Englisch kann ja bleiben. Wir hätten dann zum Beispiel for the land of the Vollpfosten wo are zu doof to beat Chelsea (Bayern): ten points for the song "Zieht dem Rösler die Lederhose aus!", gesungen von Horst & Gabriele alias Marianne & Michael 2.0. Oder: for the land with the wonderful randalo-bengalo-soccer-relegation-miracle-düsseldorf (NRW): no points, obwohl der gebürtige Essener Otto Rehhagel im Gedenken an seinen ersten Verein TuS Helene Essen und an seinen EM-Titel 2004 mit den Hellenen mit der Ballade "Griechischer Wein" wirklich alles gegeben hat. Und natürlich: twelve points for Roman Lob from Inland-Folder (Reinland-Falz) for: "OOhh du schöööhööner We-he-hesterwald….", wo er doch aus Neustadt/Wied kommt. Guter Junge, muss aber taktisch noch lernen. Dem wunderbaren Radiosender SWR 1 hatte er am 22. Mai, vor dem Finale, gesagt, er wolle keine Extra-Choreografie, "ich könnt‘ da zwei nackte Frauen auf die Bühne stellen", aber das möge er nicht. Mmhh. Nun. Lieber Herr Lob, lassen Sie sich mal erklären, wie das so ist, im Showbiz, am besten, Sie fragen den Seehofer Horst und die Pauli Gabriele.