Die Sirtaki-Rente

Dass Zimmermädchen gefährlich leben, wissen wir seit Dominique Strauss-Kahn. Aber Konditoren? Egal. Aber bitte mit Sahne. In Griechenland gehen halt fast alle ein bisschen...

Anzeige

. Ganz schwere Zeiten, da allerhand braunes Gesindel sein Unwesen treibt. Der Stand der politischen Debatte ist ziemlich bemerkenswert. Unser Bundesinnenminister, der... na... wie heißt? Na? 30 Sekunden nachdenken? Zu spät. Also, der Mann heißt Friedrich, nein, nicht mit Vornamen! Leute, reißt euch zusammen. Der Mann ist wichtig und bekannt. Wenn man an diesem Donnerstag bei Google "Friedrich" eingab, kam allerdings an erster Stelle das Siegtor von Manuel Friedrich, einst Mainz 05, beim 2:1-Sieg von Bayer Leverkusen gegen Chelsea, und dann erst ein Artikel über Hans-Peter Friedrich (CSU). So heißt der nämlich, der Mann, der Bundesinnenminister werden musste, nachdem der CSU-Vorsitzende Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, eine Menge anderer Politiker gefragt und jedesmal eine Absage bekommen hatte.

*

Der Herr Friedrich also sagt jetzt: "Sicherheit ist Kernaufgabe der Politik." Donnerwetter. Gut, dass das mal einer sagt. Und diese Kernaufgabe, so lesen wir, führte unter anderem dazu, dass das Bundeskriminalamt oft ins Leere stieß, wenn es Provider nach Kommunikationsdaten aus dem Täterumfeld des "Nationalsozialistischen Untergrunds" fragte: Keine Daten gespeichert. Kein Anschluss unter dieser Nummer. Sprachlich sehr schön fasste die FAZ die politische Debatte zusammen: "Die Maßnahmen gegen den Rechtsterrorismus sollen nun ausgeweitet werden." Wie schön. Da sind wir aber froh.

*

Anzeige

Da wir gerade unsere sarkastische Phase haben: Wenn wir jetzt ein Grieche wären, zum Beispiel ein Zeitungsredakteur mit dem Künstlernamen Costa Cordalis, dann wären wir gar nicht mehr da. Wir wären mit Vicky Leandros Golfspielen auf der Akropolis. Denn: Der Beruf des Zeitungsredakteurs steht bei unseren hellenischen Freunden auf der Liste der "schweren und gesundheitsgefährdenden Berufe", deren männliche Inhaber mit 55, die weiblichen mit 50 in Rente gehen können. Radikales Riestern. Wie meinen? Wir sehen gar nicht aus wie über 55? Leute, lasst die plumpen Schmeicheleien, dafür haben wir heute nicht den Nerv.

*

Das Problem ist, dass die Liste volle 600 Tätigkeiten umfasst. Darunter nachvollziehbare wie Hochofenarbeiter, Krankenschwestern und Piloten, aber eben auch, so lesen wir beim Athener "Handelsblatt"-Korrespondenten Gerd Höhler, "Konditoren, Zeitungsredakteure, Blasmusiker und Zimmermädchen", wobei wir zum einen nicht wissen, warum der Autor die letzten beiden Berufsgruppen unmittelbar nacheinander anführt, und zum zweiten zu bedenken geben, dass die Gefährdung von Zimmermädchen seit der Affäre Strauss-Kahn vielleicht doch in neuem Licht erscheint. Fazit: Die Sirtaki-Rente ist sicher, beim Zeus, das hält kein Staatshaushalt aus.

*

Wir haben‘s echt mit den harten Themen heute. Muss auch mal sein. Wenn der Hahn kräht auf dem Mist//steigt der Spritpreis//fast nie bleibt er wie er ist. Alte Bauernregel - womit wir keineswegs zum Ausdruck bringen wollen, dass die Preisgestaltung beim Sprit ein Saustall sei. Nein, denn das wäre ja eine Beleidigung für die unschuldigen Tiere. Aber vielleicht darf man das Ganze einfach nicht so verbissen sehen, oder? Da lamentiert zum Beispiel die Deutsche Presse-Agentur herum: "Wo am Morgen der Liter Diesel noch 1,45 kostet, sind es mittags 1,44 und am Abend 1,46." Leute! Die Uhrzeit ist morgens, mittags und abends doch auch verschieden! Morgens ist es 10, mittags 12 und abends 20 Uhr! Stellt euch mal vor, der Liter Diesel würde abends 20 Euro kosten! Und die Temperaturen sind morgens, mittags und abends auch unterschiedlich. Und nachts ist es kälter als draußen. Also hört auf mit dem Gejammer. Außerdem: Wenn es jemandem nicht passt, dass der Dieselpreis fast dran ist am Preis für Super: das lässt sich leicht ändern. Super 20 Cent rauf, und schon ist Ruhe im Karton.

Anzeige

*

Kommen wir zu lustigeren Themen. Aber, oh Schreck, welch Überschrift lesen wir in der Süddeutschen Zeitung: "Wagenknecht sagt Nein". Aber es hatte doch gerade erst angefangen: And the Osk(c)ar goes to Sahra Wagenknecht, the girl mit dem most sexy Stirn- und Haaransatz alive! Die Frau, bei der wir Wessis ahnen, was die Brüder und Schwestern im anderen Teil Deutschlands vor dem Mauerfall meinten, wenn sie von der Wärme des Kollektivs sprachen!

*

Das Traumpaar Lafontaine/Wagenknecht. Noch harmonischer als Marika Kilius/Hans-Jürgen Bäumler, Jogi Löw/Hansi Flick, Loddar/Sylvia-Lolita-Marijan-Liliana.....Wagenknecht, die mit 16 schon Goethes Faust auswendig konnte, und Lafontaine, dem selbst Gerd Schröders Faust keins auswischen konnte. Und jetzt Nein? Hatte Oskar vielleicht ein Glas zuviel getrunken und Sahra konstatierte enttäuscht: "Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten." (Faust I, Vers 1). Oder meinte sie, er sei doch nicht der Richtige: "Es irrt der Mensch, solang er strebt." (Faust I, Vers 317). Jedoch - gemach. Die Münchner Zeitungskollegen hatten die Überschrift wohl einfach zu fetzig gestrickt, im Text steht dann nur, Wagenknecht habe Nein gesagt zu dem Vorschlag, per Mitgliederbefragung über eine neue Parteiführung entscheiden zu lassen. Wie meinen? So reißerische Überschriften darf eine Qualitätszeitung nicht machen? Grau, teurer Freund, ist alle Theorie. (Faust I. Mephisto). .