Elkin Soto - wenn Ergebnisse zur Nebensache werden

In Gedanken bei ihrem schwer verletzten Mitspieler Elkin Soto: Johannes Geis (li.) und Junior Diaz, der Sotos Trikot nach dem Spiel gegen den HSV hochhielt. Foto: Sascha Kopp

Manchmal ist Menschlichkeit wichtiger als irgendein Ergebnis. Die Nullfünfer waren gegen Hamburg gedanklich mehr beim schwer verletzten Kolumbianer Soto als auf dem Platz....

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. Von Julia Sloboda

1:0, 1:3, 2:1, 4:4, 2:0… die Liste möglicher Ergebnisse für ein Fußballspiel ließe sich endlos fortführen. Doch manchmal, da ist so ein Ergebnis auch völlig egal. Dann ist es egal, dass es im Fußballgeschäft um Millionenbeträge geht, egal, dass der Klassenerhalt des eigenen Vereins noch nicht ganz sicher ist, egal ob jemand ein Eigentor oder eine Rote Karte verschuldet.

Und so egal war auch das 1:2 des FSV Mainz 05 gegen den Hamburger SV. "Scheißegal", sagte Mittelfeldspieler Johannes Geis zur Niederlage. Der Grund der Mainzer Gleichgültigkeit hatte einen Namen: Elkin Soto. Die schwere Verletzung des Kolumbianers überschattete alles, was sich ab der 31. Minute auf dem Rasen der Coface Arena abspielte. Fehlpässe, Ballverluste, unkonzentrierte Aktionen - alles egal. Trainer Martin Schmidt sagte nach dem Spiel, dass solch ein Bruch völlig normal sei - er machte seinen Spielern keinen Vorwurf. Denn die hatten statt einer taktischen Ausrichtung, oder der Überlegung, wie man mit dem vielen Ballbesitz zum Torerfolg kommen könnte, nur noch eine Sache im Kopf: Was ist mit Elkin?

Millionenfache Anteilnahme

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Und da standen die 05er nicht alleine da. Über vier Millionen Mal wurde die bewegende Nachricht des Kolumbianers, in der er sich für die Unterstützung bedankt, mittlerweile auf Facebook gelesen. Die Anteilnahme reicht von Bundesligavereinen über einzelne Spieler bis hin zu Weltstars wie Sotos Landsmann Falcao. Ganz Deutschland fühlte mit dem 34-Jährigen, der im Sommer in sein Heimatland zurückkehren wollte. Und in Kolumbien war die Anteilnahme mindestens genauso groß. Genesungswünsche in allen Sprachen überfluten das Internet.

Unverständlich ist es da, dass sich auch Kommentare finden, die mit der Mannschaft hart ins Gericht gehen. Von "wie kann man nur gegen den HSV verlieren?" über "peinliche Vorstellung" bis hin zu "super enttäuschende Leistung" reicht die Spanne der Äußerungen. Wer die Mainzer Spieler erlebte, nachdem Elkin Soto vom Platz getragen wurde, der erlebte nichts Peinliches oder Enttäuschendes, sondern etwas ganz anderes: Menschlichkeit. Und da sollte sich so manch ein Fan mal fragen, ob das in so einer Ausnahmesituation wirklich eine schlechte Reaktion ist. Irgendwie ist es doch auch schön, dass im Milliardengeschäft Fußball-Bundesliga mal etwas anderes zählt als Leistung. Und dass es auch mal egal sein kann, ob man gewinnt oder verliert. Oder, um es mit dem Wort von Johannes Geis zu sagen: "Scheißegal."