Handy-Horror

Das Smartphone als alltäglicher Begleiter. DA kann ein Tag ohne schon mal leicht Schnappatmung auslösen. Archivfoto: dpa

Mir ist es passiert. Eigentlich kein Wunder, wenn man die Wolke aus Chaos betrachtet, die mich jeden Morgen umgibt, wenn ich aus meiner Wohnung und zur Arbeit sprinte. Ich habe...

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. Von Eva Bender

Ich ahne auch wo es liegt: auf dem Sofa. Bringt mir nur nix, denn ich sitze schon im Bus. Soeben verschwindet der Bahnhof aus meinem Blickfeld.

Nur noch wenige Haltestellen bis zur Redaktion. Ich sitze mit hochrotem Kopf im Bus und will es nicht wahr haben. Wühle wie eine Verrückte durch meine Tasche. Zwischen losen Zetteln, dem lebenswichtigen Notizbuch und meinem Kalender stoße ich zwar auf Hustenbonbons, Taschentücher und eine geradezu grotesk hohe Anzahl an Kugelschreibern, aber so intensiv ich auch suche, das Handy ist nicht da.

Besser zu spät als ohne Smartphone?

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"Mein Gott was heute alles passieren könnte", denke ich. Keine Anrufe, kein News-Ticker, kein Navi, keine E-Mails und kein Google. Luftnot, Herzrasen, ich bin auf dem besten Wege mich in eine Panikattacke zu steigern und überlege ernsthaft den Bus an der nächsten Haltestelle fluchtartig zu verlassen. Besser zu spät kommen, als ohne Smartphone. Da wird der Chef doch Verständnis haben!

Während ich mir meinen Weg Richtung Ausgang bahne, meldet sich eine hämische Stimme in meinem Kopf: "So so, sieh an was aus dir geworden ist. Keine drei Jahre ist es her, da hast du mir noch mit Inbrunst erzählt, du bräuchtest kein Smartphone." Ich weiß wirklich überhaupt nicht, wovon du sprichst. "Natürlich weißt du das", sagt die Stimme. "Dauernd erreichbar, Navigationshilfen, E-Mails... das sei doch alles nur erfunden worden, um die Menschheit zu stressen. Und heute? Da schaffst du keinen einzigen Tag mehr ohne."

Ein einmaliges Experiment

Ich lasse den Finger sinken, der gerade auf den roten Halte-Knopf drücken wollte. Verdammt. Ich atme dreimal tief durch, sinke auf den freien Sitzplatz neben dem Ausgang und entscheide, heute ein (einmaliges) Experiment zu wagen. Ohne Smartphone.

Ich fasse mich kurz: Die Welt ist nicht untergegangen und außer zwei Anrufen, einer SMS und ein paar Spiegel-News habe ich nichts verpasst. Aber als ich mir am nächsten Morgen auf dem Weg zur Tür meine Tasche schnappe, schaue ich lieber noch mal nach, ob ich auch nichts vergessen habe. Sicher ist sicher. Denn auch ohne Smartphone kann das Leben ganz schön stressig sein.