Bei Betroffenen-Initiativen und den katholischen Bistümern gehen weiter viele Hinweise auf Missbrauch in der Kirche ein. Doch diese scheinen nur die Spitze des Eisbergs zu sein.
MÜNCHEN. Seit Veröffentlichung der MHG-Studie über Missbrauch in der katholischen Kirche sind zahlreiche Hinweise auf weitere Fälle bekannt geworden. "Beim Eckigen Tisch dürften sich in drei Jahren etwa 250 Menschen deutschlandweit gemeldet haben", sagte Matthias Katsch von der Betroffenen-Initiative - und das sei wohl nach wie vor nur die Spitze des Eisberges: "Ich gehe davon aus, dass auf jede betroffene Person, die sich bislang gemeldet hat, mindestens drei kommen, die abwarten."
Lesen Sie auch: Missbrauch in der Kirche: Weiterer Kölner Bischof beurlaubt
Auch die Bistümer bekommen immer mehr Hinweise: Allein bei den sieben Bistümern in Bayern waren es mindestens 205, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, darunter allerdings auch zahlreiche Hinweise auf "Grenzüberschreitungen", die strafrechtlich nicht als sexueller Missbrauch gewertet werden. Bundesweite Zahlen gibt es nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) nicht.
Mindestens 5089 Opfer
Im Herbst 2018 hatte die katholische Kirche die sogenannte MHG-Studie und damit Zahlen zu sexuellem Missbrauch öffentlich gemacht. Demnach sind bundesweit in den Personalakten von 1946 bis 2014 insgesamt 1670 Kleriker wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt worden. Es gab 3677 Opfer. 2020 machten die Ordensgemeinschaften öffentlich, dass sich bei ihnen weitere 1412 Betroffene gemeldet haben.
Das könnte Sie auch interessieren Dutzende Anträge von Missbrauchsopfern im Neu-Verfahren
"Wir reden also von mindestens 5089 Opfern, die der Kirche bekannt sind", sagte Katsch. "Wenn die verschiedenen Schätzungen auf Basis von Befragungen oder Vergleichszahlen aus dem Ausland, etwa den Niederlanden, stimmen, dann dürfte die Zahl der Betroffenen der katholischen Kirche bei etwa 80 000 liegen."
Von dpa