Kolumbien wählt Pekerman

Trainer José Pekerman (Mitte) trifft derzeit den richtigen Taktik-Ton der Kolumbianer. Foto: dpa

Die Euphorie um Kolumbien ist bei dieser WM riesengroß. Ein großer Baustein des Erfolges ist der Trainer, José Pekerman, der bereits gegen die Elfenbeinküste das Team...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Obwohl Kolumbien bei Weltmeisterschaften immer schlecht aussah - nur viermal waren die Südamerikaner bisher bei einem Weltturnier überhaupt dabei, nur 1990 gelang der Sprung als bester Gruppendrittplatzierter in eine K.o.-Runde, wo man schließlich an Kamerun hängen blieb, ist die Euphorie nun in Brasilien riesengroß.

Möglich gemacht hat diese Euphorie der aktuelle Trainer der "Los Cafeteros", José Pekerman. Der Argentinier, dessen Titel-Mission als Nationaltrainer seines Landes bei der WM 2006 in Deutschland am Gastgeber scheiterte, hat der Generation 2014 ein neues Gesicht gegeben. Überspieler Carlos Valderama (111 Länderspiele) ist vergessen, Showkeeper René Higuita längst Geschichte. Und auch der tragische Tod von Andrés Escobar überschattet die Leistungen der Kolumbianer nicht mehr. Bei der WM 1994 hatte Escobar im Vorrundenspiel gegen die USA ein Eigentor fabriziert. Sein Team verlor und schied aus. Wenige Tage später, am 2. Juli 1994, wurde Andrés Escobar vor einer Bar in Medellín, wohl von einem verärgerten Fan, mit sechs Schüssen getötet.

Der Star ist der Trainer

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José Pekerman hat alle diese Bürden und Erinnerungen aus den Gedanken seiner Spieler gelöscht. Mit überzeugenden Leistungen führte er sein Team auf Platz zwei der Südamerika-Qualifikation und damit nach 16 Jahren wieder zu einer Weltmeisterschaft. Zwischenzeitlich rangierte sein Team sogar auf Platz fünf (derzeit Platz acht) der Fifa-Weltrangliste.

Dass dem Trainer, der seine Mannschaft gern offensiv ausrichtet, das 3:0 im Auftaktspiel sehr gefallen haben dürfte, zeigte der meist eher mürrisch dreinschauende Argentinier zwar nicht so offen. Doch seine Nation machte er damit umso glücklicher, scheint doch in Gruppe C nun auch mehr als nur die Teilnahme möglich.

Ein verehrter Kandidat

Das Team um Hertha-Stürmer Adrian Ramos glaubt an sich, das spürte man schon in den ersten Spielminuten. Und es glaubt an den Trainer, der seinem Team in Mario Yepes einen erfahrenen Leader, in James Rodriquez einen formbaren Rohdiamanten, in Teofilo Gutierrez einen treffsicheren Stürmer und in David Ospina einen sicheren Rückhalt verpasst hat. Klingt nach einer guten Mischung.

Die Kolumbianer jedenfalls vertrauen José Pekerman - fast mehr als ihrem Präsidenten. Am Sonntag nach dem WM-Auftakt wurde zwar Juan Manuel Santos als Staatschef bestätigt, doch immerhin 2,6 Prozent der abgegebenen Wahlzettel waren ungültig, weil mehr als 400.000 Kolumbianer Santos gestrichen und Pekerman auf den Wahlzettel geschrieben hatten.

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Immerhin einen Titel hat Kolumbien bei dieser WM bereits gewonnen. Zwei Wochen vor dem offiziellen Beginn des Turniers sicherte sich die Studentin Daniela Ocoro Mejia im Europa-Park in Rust den inoffiziellen Titel "Miss WM 2014".

Im nächsten Beitrag widmen wir uns Uruguay.