Lippenstift für die CSU

Lippenstift für die CSU: Christine Haderthauer und Horst Seehofer. Archivfoto: dpa

Magic Horst Seehofer will seinen Dobrindt aus dem Schussfeld bringen. Zustatten kommt ihm dabei mal wieder - eine Frau.

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. Wir haben immer noch dieses Trara mit dem Verkehrsminister Dobrindt, dem Maut-Man, wie wir ihn nennen. Die Maut soll jetzt eine eigene Hymne bekommen: "Dieser Weg wird kein leichter sein", von Xavier Naidoo. Das Ganze ist, wie wir den ARD-Tagesthemen entnehmen, offenbar schon so weit, dass die Bahn... wie meinen? Ja, beruhigt euch! Also, wir hören, dass die Bahn keine Autoreisezüge mehr haben wird und vermuten, das ist aus Angst, dass der Dobrindt auch noch für Züge Maut haben will. Böse Zungen behaupten allerdings, das Ende der Bahn-Autoreisezüge habe damit zu tun, dass auch die Autoreisezüge so viel Verspätung hätten, dass die Autos irgendwie früher am Ziel wären als ihr jeweiliger Autoreisezug, von dem sie transportiert werden, oder so.

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Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, sieht, dass der arme Dobrindt eine Verschnaufpause braucht, und da kommt die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer, gerade recht, um mit einer merkwürdigen Sache die Pfeile auf sich zu ziehen. Die Frau Haderthauer galt mal als große weibliche Hoffnung (wir seufzen), und deshalb haben wir auch schon in der "Woche" vom 21. Oktober 2007 ein Auge auf sie geworfen. Sie war CSU-Generalsekretärin und sprach: "Ich bin eine Chance für die neue CSU." Diese Chance hat die CSU dann auch gnadenlos genutzt und die Landtagswahlen 2008 granatenmäßig verloren. Horst wurde Ministerpräsident, und er hat sich die Haderthauerin, wie soll man sagen, warmgehalten, sie als Ministerin geparkt, man weiß ja nie. Jetzt ist sie also Chefin der Staatskanzlei, und in der Süddeutschen Zeitung lesen wir die Überschrift "Seehofers kalte Kriegerin". Im Text steht dann ein Satz, der so unglaublich schön ist, dass wir vor Freude weinen. Ein anonymer CSU-Parteifreund sagt über Frau Haderthauer: "Wenn sie sich die Lippen nachzieht, ist es wie wenn ein Soldat sein Gewehr putzt." Männer, Leidensgenossen, Kampfgefährten, werden da nicht unsere schönsten Phantasien wach?

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Gewehr putzen, wir wissen noch, wie das war, 1974 in der Hunsrück-Kaserne zu Kastellaun. Um den Gewehrlauf zu reinigen, musste man einen Reinigungsdocht, so einen Wuschel aus zusammengezwirbelten Baumwollfäden, am Ende einer sogenannten Gewehrkette befestigen und dann die Kette durch den Lauf ziehen. Das Blöde war, dass ein Docht zu schmal war und durchflutschte, ohne die Rückstände aus dem Gewehrlauf richtig mitzunehmen; und wenn man es mit zwei Dochten gleichzeitig machte, war das Knäuel zu dick und blieb an der Kette im Gewehrlauf stecken. So war das mit Gewehrputzen. Da wird sich die Frau Haderthauer noch gar nie nicht Gedanken drüber gemacht haben.

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Aber jetzt ist die Staatsanwaltschaft der Frau Haderthauer auf den Fersen. Jene war bis 2003 Gesellschafterin einer Firma, die in zwei bayerischen Bezirkskrankenhäusern hochwertige Modellautos herstellen ließ und teuer wieder verkaufte. Nach Zahlen, die kursieren, konnte der Gewinn schon mal bei tausend Prozent liegen. Mithin eine Quote, die selbst dem Franz Josef Strauß, Gott hab‘ ihn selig, Respekt abgenötigt hätte. Wir halten aber zunächst zwei überragend positive Botschaften fest. Erstens: Unter den in Rede stehenden Bezirkskrankenhäusern war nicht die Privatklinik, in der kürzlich der Strafgefangene Uli Hoeneß am Herzen behandelt wurde. Zweitens: Die genannten Modellautos waren keine Bobbycars.

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Weil wir gerne auch mal tausend Prozent Gewinn machen würden, haben wir in der FAZ nachgelesen, wie das geht: Hubert Haderthauer, der Ehemann von Christine, war Arzt im Maßregelvollzug in Ansbach, als er 1988 einen Patienten, einen dreifachen Mörder, kennenlernte, der kunstvolle Modellautos fertigte. So kam man ins Geschäft. Ja, da schau her, der Haderthauer Hubert. Aber gut. Resozialisierung. Solange der Dreifachmörder Modellautos bastelt, kommt er nicht unter die Räder, und auch sonst niemand in seiner Umgebung, gell? Ein Betrugsverdacht gegen die Haderthauers beruhte zunächst darauf, dass ein ehemaliger Geschäftspartner, bei dem es sich nicht um besagten Dreifachmörder handelte, behauptete, die Haderthauers hätten ihn zu wenig am Gewinn beteiligt. Nach letzten Meldungen der Münchner "Abendzeitung" erwägt jetzt aber sogar der Dreifachmörder eine Strafanzeige gegen Hubert Haderthauer. Der Horst hat derweil die Medien davor gewarnt, seine Staatskanzleichefin "politisch zu vernichten." Weil, das macht der Horst dann schon selbst, wenn es so weit ist.