Nigerias Enyeama will auch gegen Messi brillieren

Vincent Enyeama beherrscht seinen Strafraum. In Brasilien musste er noch nicht hinter sich greifen. Foto: dpa

Dass Nigeria trotz Terrors von Boko Haram und schwacher Offensivleistungen vom Achtelfinale träumen darf, liegt vor allem an Vincent Enyeama. Der Torwart ist der einzige im...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Es ist schon erstaunlich, dass Nigeria sich nach zwei WM-Spielen tatsächlich Hoffnungen auf das Erreichen des Achtelfinals machen kann. Erstaunlich, weil es verwundert, dass die Mannschaft sich trotz anhaltender Terrornachrichten aus der Heimat, in der die islamistische Sekte Boko Haram Woche für Woche für Schlagzeilen sorgt und am Dienstag erneut 60 Frauen und Mädchen verschleppt hat, in der seit Jahren eine Vielzahl religiöser Gruppierungen um die Daseinsberechtigung ringt, in der trotz Demokratisierungsbemühungen eine Art Krieg um die reichen Erdölvorkommen und Diamantenminen tobt.

Die sportliche Perspektive ist allerdings auch erstaunlich ob der mageren Leistungen, die der 2013 gekürte amtierende Afrikameister bei diesem Turnier bislang zeigte. Als haushoher Favorit gegen den Iran in die WM-Endrunde gestartet trotzen Dejagah und Co. den Afrikanern ein 0:0 ab und hatten dazu auch noch die besseren Chancen. Und auch im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina spielte Nigeria das Fußball-Glück in die Hände und ließ den WM-Neuling an der massierten Abwehr, Schiedsrichter Peter O’Leary, der ein reguläres Tor der Bosnier nicht anerkannte, und den Torpfosten verzweifeln.

Nur ein Tore, aber keine Gegentore

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Dass Nigeria zu dem halben Dutzend Mannschaften zählt, das bisher maximal einen eigenen Treffer erzielte, verwundert beim Verlauf der Vorrunde für das bevölkerungsreichste afrikanische Land nicht. Dass Nigeria in der torärmsten Gruppe F spielt, ebenso wenig. Doch dass ein Tor dennoch zu Zwischenplatz zwei reicht, garantiert auch die Null auf der Gegentorseite. Der für diese Null verantwortlich ist, heißt Vincent Enyeama, ist 31 Jahre alt und seines Zeichens Torwart.

Die unumstrittene Nummer eins in Nigeria hat bei seinem Verein OSC Lille eine herausragende Saison gespielt, die mit Champions-League-Qualifikationsplatz drei endete. Nur 26 Gegentreffer kassierte das Team, Enyeama blieb 1062 Minuten am Stück ohne Gegentor. Der ist zwar nur 1,82 Meter groß, doch blickt er auf reichlich Erfahrung zurück - mit den größten Erfolgen im Nationaldress. Unvergessen die drei parierten Elfmeter gegen Tunesien beim Afrikacup 2006. Zwar standen die "Super Eagles" nie in einem WM-Viertelfinale. Jedoch blickt Enyeama, der auch 2013 bei der Afrikameisterschaft in Südafrika sein Team als Stammtorwart zum Titel führte, auf viele gute bis sehr gute WM-Spiele.

Superstar verzweifelt

Bereits bei der WM 2002 gab der 31-Jährige sein WM-Debüt, wenn auch im nur noch für Statistiker interessanten letzten Gruppenspiel gegen England. Nigeria schied aus, doch beim 0:0 hielt der damals 19-Jährige seinen Kasten mit Glück und Geschick sauber. 2010 kehrte Enyeama als Stammtorwart auf die WM-Bühne zurück. Und wie: Beim Vorrundenspiel gegen Argentinien kaufte er Superstar Lionel Messi mit Weltklasseparaden den Schneid ab, auch wenn sein Team schließlich 0:1 verlor. Dass es auch 2010 nicht zum Weiterkommen reichte, wurmte den nigerianischen Keeper sehr. So sehr, dass er vor vier Jahren ankündigte, es 2014 allen zu zeigen und endlich eine K.o.-Runde zu erreichen.

Danach sieht es aus, wenn Nigeria auch gegen Argentinien besteht. Und Enyeama erneut Messi narrt und weiterhin seinen Kasten sauber hält.

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Im nächsten Beitrag widmen wir uns Ecuador.