Rautenlos durch die Nacht

Foto: dpa

Während sich Merkel entspannt bei Jan Böhmermann rumtreibt, hat Seehofer mal wieder nix begriffen. Er kennt nicht mal den berühmtesten Fruchtpunsch, den die Mutti aller...

Anzeige

. Schock! „Merkel verschiebt Verkündung“, lesen wir im „Spiegel“. Wie von selbst fällt uns da Lukas 2, Vers 10 ein... wie meinen? Nein, nicht Lukas Podolski! Leute! Also in der Bibel steht: „Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude.“ Bei Merkel geht es jetzt aber darum, wann sie sagt, dass sie Kanzlerin bleiben will. Wobei viele Leute meinen, Kanzler sollten jetzt sowieso Montblanc oder Kretschmann werden. Und deshalb will Merkel in Wahrheit erst im Oktober 2017 sagen, ob sie Kanzlerin bleiben will, nach den Wahlen im September. * Wir können uns vorstellen, dass Merkel ein bisschen durch den Wind ist, denn sie hat bestimmt wie wir in „Spiegel Online“ die Überschrift gelesen: „Jan Böhmermann legt Merkel nackt zu sich ins Bett.“ Böhmermann kennt man, ZDF Neo Magazin Royale, nebenher Pressesprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Man sieht dann so eine Bildmontage, die Köpfe von Promis sind auf teilweise entkleidete Körper draufmontiert, halb so wild. Böhmermann selbst liegt zwischen Gauck und Merkel. Merkel ohne Raute. Dann kommen unter anderem auch noch Günther Jauch und Charlotte Roche, letztere, Autorin von „Feuchtgebiete“, auf enttäuschende Weise sehr züchtig. Jauch sieht aus, als überlege er, ob er jetzt akut das Publikum fragt, ob er seinen ganz persönlichen 50:50-Joker ins Spiel bringen soll. Wäre natürlich gut gewesen, wenn Böhmermann auch noch Erdogan in diese illustre Reihe aufgenommen hätte, wobei man dann aber natürlich keine Ziege hätte dazunehmen dürfen. * Wie immer ist aber der Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, der Spielverderber. Ihm stinkt die Kanzlerdiskussion, und in der wunderbaren „Süddeutschen Zeitung“ warnt er davor, eine „Leichtmatrosendiskussion“ über Koalitionen zu führen, zum Beispiel über Schwarz-Grün. Da hat er sich aber schwer geschnitten, der Seehofer! Denn „Leichtmatrose“ war keineswegs nur die Bezeichnung für einen angehenden Matrosen in der Ausbildung, sondern hat akut einen ganz besonderen bayerischen Bezug, indem dass „Leichtma-trose“ auch ein Cocktail ist, 1986 erfunden von Karl Georg, genannt Charles, Schumann, Gründer und Chef der vielleicht berühmtesten deutschen Bar, dem „Schumann‘s“ in München. Der Cocktail „Leichtma-trose“ ist ein Fruchtpunsch, unter anderem mit braunem und weißem Rum, und da müsste uns der Seehofer mal verraten, ob dann der weiße mit dem braunen Rum diskutiert, und ob sich dann noch vielleicht der Zuckersirup und der Zitronensaft einmischen, wobei „einmischen“ dann ohnehin eine ganz neue Bedeutung bekäme. * Charles Schumann, kein Scherz, hat auch noch andere Cocktails erfunden, zum Beispiel „Flying Kangoroo“ und „Tiefseetaucher“. Eine echte Chance für unsere Lieblingsministerin von der Leyen, U-Boot-Ursula, um ihre Luftwaffe und ihre Marine aufzumöbeln. Wenig anfangen können wir offen gesagt mit dem Cocktail „French 68“, 69 hätten wir womöglich verstanden, aber das gehört jetzt nicht hierher, wir sind eine Familienzeitung. * Charles Schumann wurde in dem Ort geboren, der als die wahre Wiege des Münchner Jet-Set-Nachtlebens gilt: Kirchenthumbach in der Oberpfalz. Absolut zielgerichtet bereitete er sich auf seine spätere Karriere vor: bischöfliches Gymnasium, Priesterseminar, sechs Jahre Bundesgrenzschutz. Grenzen nicht überschreiten, der Klassiker für spätere Barbetreiber. Laut Wikipedia leitete er, bevor er 1973 zurück nach München ging, „einen Striptease-Club an der spanisch-französischen Grenze“. Der Begriff, jemand hole sich den letzten Schliff, erscheint da in neuem Licht.

Schumann hat jetzt mehrere Läden, darunter eine Tagesbar wie es sie, so schreibt er selbst, „in jeder Großstadt geben muss“. Wir sagen: auch in jedem Parlament, für den schwankenden Teil der Regierung. In Schumanns „Les Fleurs du Mal“ steht ein Tisch, „dessen neun Meter lange Platte aus einem einzigen Baum gefertigt wurde“. So genannter Kabinettstisch. Und für alle, die nach dem alten Schlager „Mein Freund, der Baum, ist tot“ traurig wurden: Er lebt fort!