Rehberg: 222 Millionen Euro als Schleusenöffner

Ousmane Dembélé. Foto: dpa

Das jetzige Format DFB-Pokal passt. Dieser Wettbewerb hat genau in dieser Form seinen Reiz. Auch, wenn die Sensationen immer seltener werden. Das Topthema an diesem...

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. Wer auch immer an dem Format DFB-Pokal schrauben will, er sollte die Finger davonlassen. Dieser Wettbewerb hat genau in dieser Form seinen Reiz. Amateurvereine aus der vierten und fünften Liga bekommen die Chance, eine Profimannschaft im eigenen Stadion zu ärgern. Die Fernsehbilder von diesen umwaldeten Sportplätzen mit vielen begeisterten Zuschauern auf provisorischen Tribünen sind immer wieder schön und spannend. Die Überraschungen und Sensationen in der ersten Pokalrunde werden zwar von Jahr zu Jahr weniger, aber das spricht ja nicht gegen das Format. Für diese Amateurvereine ist und bleibt ein solches Pokalspiel nicht selten der Höhepunkt in der Klubgeschichte.

Warum ereignen sich die Sensationen immer seltener? Grundsätzlich kann ein Viert- oder Fünftligist gegen einen Bundesligisten nicht gewinnen. Das geht nur, wenn der haushohe Favorit die Sache überhaupt nicht ernst nimmt. Und das passiert eben nicht mehr häufig. Schon eine normale Leistung genügt dem Erstligisten. Dann machen die physischen, technischen, taktischen und individuellen Unterschiede sehr schnell klar, dass der Underdog ausschließlich auf der Basis von Lauf- und Kampfbereitschaft in der Regel keine realistische Chance hat. Die Profitrainer schaffen es seit einigen Jahren, ihren Spielern das zu verinnerlichen.

HSV blamiert sich

Der Hamburger SV hat es am vergangenen Wochenende geschafft, diese Grundannahme ins Wanken zu bringen. Gut, der VfL Osnabrück ist ein Drittligist, also auch eine Profimannschaft, die zumindest physisch mithalten kann. Aber die Osnabrücker haben früh im Spiel beim Stand von 0:0 eine Rote Karte kassiert. Dass sich der HSV dann in Überzahl dennoch eine 1:3-Niederlage eingehandelt hat, das ist zweifellos eine Blamage. Das zeigt auch dem verzweifelten Vorstandsboss Heribert Bruchhagen, dass sich die marode Mentalität dieses hemmungslos überbezahlten Kaders binnen eines Transfersommers nicht grundsätzlich verändern lässt. Und in Zeiten, in denen nur noch über die Notwendigkeit von finanzstarken Investoren palavert wird, erkennen wir, dass alleine die Millionen des HSV-Goldesels Klaus-Michael Kühne den Weg nicht weisen in eine sorgenfreiere Zukunft.

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Das Topthema an diesem Pokal-Wochenende war gar keine ursächliche Pokalgeschichte. Borussia Dortmund ist gegen den 1. FC Rielasingen-Arlen angetreten ohne Ousmane Dembélé. Der hoch talentierte Außenstürmer ist zunächst in den Trainingsstreik getreten, danach hat ihn die BVB-Führung suspendiert. Ein 20-Jähriger, der für den BVB gerade mal sechs Tore geschossen hat, versucht, getrieben von windigen Beratern, seinen angestrebten Wechsel zum FC Barcelona zu erzwingen. Für die notwendige Besinnung auf ein wieder bodenständigeres Fußballgeschäft ist dieser Fall eine Katastrophe.

Spieler sitzt am längeren Hebel

Das Problem ist wahrscheinlich nicht mal der Spieler. Das Problem sind die Berater. Die riechen einen Millionenertrag, das macht ungeduldig, und dann vergreifen sich diese Geschäftemacher in der Wahl ihrer Mittel. Wir ahnen, welche Summen da für diese Fußball-Schmarotzer auf dem Spiel stehen. Da steht ein Wechsel bevor mit einer Transfersumme von 90 bis 140 Millionen Euro, da geht es für die gierigen Berater locker um 20 bis 30 Millionen Vermittlungsgebühr. Da treibt man einen 20-Jährigen schon mal in die Unvernunft.

Wer sitzt jetzt am längeren Hebel? Natürlich der Spieler. Dembélé ist den Dortmunder Mitspielern und Fans gar nicht zumutbar. Die Dortmunder Führung wird sich also mit Barca einigen müssen. 120 bis 130 Millionen Ablöse machen den Verlust des französischen Sondertalents erträglich. Aber das Ansehen des modernen Fußballbusiness sinkt weiter. Streik, Suspendierung, ein erzwungener Wechsel, Unsummen in Bewegung. Der 222-Millionen-Deal mit Neymar auf der Grundlage juristischer Winkelzüge hat alle Schleusen geöffnet.