Rehberg: Auftaktspiel mit Signalstörungen

Eröffungsfeier der EM 2016 Foto: dpa

Das EM-Eröffnungsspiel zwischen Frankreich und Rumänien haben wir nun zunächst mal im französischen Programm gesehen. Das mit dem Fernsehen in unserem alten Steinhäuschen...

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. Unsere wunderbare Hausbesitzerin Anne ist untröstlich. Ihr Lebensgefährte Pascal hat inzwischen einen halben Tag auf dem Dach verbracht. Installierung einer Satellitenschüssel. Der neu gekaufte Receiver findet allerdings keine Verbindung zur Dachanlage. Auch Danièl ist wieder aufgetaucht, der Kumpel von Pascal, der in unserem Örtchen Plomodiern bei der Post arbeitet. Erste Frage: Gibt es noch ein Gläschen von unserem „excellenten“ Obstler aus der Wetterau? Klar. Kein Problem. Und das beflügelt den Posttechniker. Nur den Receiver nicht. Pas de signal…

Wenden wir uns dem Fußball zu. Wie schwierig sich Startspiele bei einem großen Turnier gestalten können, das haben die Franzosen erlebt im atmosphärisch dichten Stadion von Paris St. Denis. Die Rumänen waren ein wehrhafter Gegner. Und die Gastgeber waren nervös, das war deutlich zu sehen. Die Franzosen haben Struktur in ihrem Spiel, aber die Abwehrreihe wackelt und die individuelle Qualität im Angriffsdrittel war an diesem Abend überschaubar. Ohne das sehr späte Traumtor von Dimitri Payet, der bei West Ham United selten überragend auffällig spielt, hätte die Mannschaft von Didier Deschamps direkt eine massive Ergebnisenttäuschung erlebt. Aber: Mit den jungen Kingsley Coman und Anthony Martial kamen von der Bank zwei Tempostürmer, die im Verlauf des Turniers noch sehr wichtig werden können. Gehobene Einwechselqualität ist immer ein Faktor.

Ein Startsieg beruhigt und bringt Selbstvertrauen

Am Sonntagabend greifen die Deutschen ins Turnier ein. In Lille. Gegen die Ukraine. Auch da geht es zunächst mal nur um das Resultat. Ein Startsieg beruhigt und bringt Selbstvertrauen. Die Leistung baut sich über das Turnier auf. Die Startaufstellung hat nur eine Bedeutung für diesen einen Tag. Die Formation vom ersten Tag ist noch nie die Elf vom letzten Tag gewesen. Jogi Löw muss sich eine erste Abwehrreihe basteln. Ohne Mats Hummels und ohne Antonio Rüdiger. Ich gehe aus von Jerome Boateng und Benedikt Höwedes im Zentrum, links verteidigt Jonas Hector, recht Joshua Kimmich. Toni Kroos und Sami Khedira sind im Mittelfeld gesetzt. Die vier Positionen im Angriff? Mesut Özil als Zehner, Thomas Müller rechts, Julian Draxler links, Mario Götze als beweglicher Mittelstürmer. Wenn es zäh wird, dann kann André Schürrle mit seinen Tempodribblings neue Impulse setzen. Und Mario Gomez kann dann der Mann für die robusten Strafraumaktionen werden.

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Wie man den Schlüssel findet gegen sehr defensiv orientierte Teams, die ein Remis gegen den Weltmeister feiern würden wie einen Sieg, das sollte die DFB-Elf wissen. Es geht um Passgenauigkeit und im Passgeschwindigkeit, es geht um viel Bewegung, um Positionsrochaden im letzten Drittel und um intelligente Sprintlaufwege in die Tiefe. Gegen Abwehrbollwerke sind dann auch die Außenverteidiger gefragt. Da ist die Löw-Elf nach heutigem Ermessen nicht überragend gut aufgestellt. Der Saarländer Hector ist spielerisch ein fähiger Mann, ein Tempobolzer ist er nicht. Kimmich müsste sich auf diesem für ihn ungewohnten Posten zunächst mal akklimatisieren. Aber er muss Dampf machen. Weil auf der rechten Seite Müller nicht so oft zu finden ist. Der schlaksige Kerl ist auf Tore aus, er treibt sich gerne in den Halbräumen und im Strafraum rum. Wenn der Rechtsverteidiger nicht marschiert, dann ist diese Flanke tot.

Ukrainer werden auf Konter setzen

Die Ukrainer werden auf Konter setzen. Dafür haben sie an den Flügeln Spezialisten: Andriy Jarmolenko von Dynamo Kiew sowie Yevhen Konoplyanka von Euroleague-Sieger FC Sevilla. Zwei Techniker und Sprinter. Aber nicht beide sind nicht überragend torgefährlich. Das beste Mittel gegen Umschaltüberfälle: impulsartig einsetzendes scharfes Gegenpressing nach eigenen Ballverlusten. Da die Deutschen mit vielen Leuten und gut strukturiert angreifen, stehen in diesen Situationen auch genügend Leute zur Verfügung, um die Kugel nach gescheiterten Angriffsversuchen binnen weniger Sekunden noch in der gegnerischen Hälfte direkt wieder zurück zu erobern. Damit greift man Konter sehr früh ab. Und es tut sich die Chance auf für die nächste Angriffswelle auf kurzen Wegen.

So viel dazu. Und jetzt ruft Pascal. Der neue Receiver ist da. Die vage Chance besteht, Schweiz gegen Albanien mit deutschsprachigem Kommentar zu erleben. Ich bin gespannt. Danièl schenkt sich gerade einen neuen Schnaps ein. „Ca marche…!“