Rehberg: Drei wichtige Erkenntnisse aus dem Spiel in Augsburg

Foto: rscp/Rene Vigneron

Nach drei Heimniederlagen in Folge in der Liga und dem desolaten Auftritt im DFB-Pokal haben die 05er in Augsburg eine beachtliche Leistung gezeigt - und Tendenzen im Spiel und...

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. Von dem aufregenden bis dramatischen 3:3 der 05er in Augsburg lassen sich drei wichtige Erkenntnisse ableiten:

1.Diese Mannschaft lebt, sie wehrt sich, sie zeigt Willen, sie hat eine Identität - diese Mannschaft hat sich auf den vom Trainer vorgegebenen Weg eingeschworen. 2.Die im Detail mal weniger, mal mehr beeinflussbaren Muster, die diese Mannschaft Punkte kosten, haben sich noch nicht verändert: Verletzungspech, wenig Glück bei Schiedsrichterentscheidungen – und vor allem grobe individuelle/gruppentaktische Fehler in der Abwehrreihe. 3.Abschlusseffizienz und Matchglück sind zurückgekehrt.

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Zu PUNKT 1. Nach drei Heimniederlagen hintereinander in der Liga und dem desolaten Auftritt beim 1:2 in der Coface Arena im DFB-Pokal hat sich das Team von Martin Schmidt von den aufstrebenden Augsburgern, die auf Aggressivität und Tempo setzen, nicht beeindrucken, schon gar nicht überrollen lassen. Die 05er waren von der ersten Minute an wach, lebendig, kampfbereit, mental und emotional stabil. Die Identität war erkennbar: Eine gut organisierte, eng und leidenschaftlich verteidigende Defensive plus offensive Umschaltsignale. Der FCA hatte in der ersten Halbzeit einen Lattenschuss von Markus Feulner aus 25 Metern Entfernung, einen Weitschuss von Cajubi, der Rest prallte an der beweglichen, konzentriert und konsequent verteidigenden Mainzer Wand ab.

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Willensstarke Malocherleistung

Die in die Ballbesitzrolle gedrängten Augsburger fanden keine Mittel in den torgefährlichen Räumen, die Angreifer kamen an den Seiten nicht in die Tiefe und auch im Zentrum fanden sich keine Wege in den Rücken der Gästeabwehr. Nach der Pause erhöhte der FCA das Tempo, doch auch da blieben die ganz klaren Torchancen Mangelware. Und die 05er hielten den Gegner mit ihren konstruktiv gestalteten Umschaltzügen durchgehend in Atem. Das war von den widerstandsfähigen Mainzern eine in einer schwierigen Situation kollektiv durchgezogene willensstarke Malocherleistung.

Zu PUNKT 2. Nun hatte sich auch noch der kampfstarke Kapitän Julian Baumgartlinger verletzt. Ein Team ohne Baumgartlinger und ohne Fabian Frei im defensiven Mittelfeld, das hätte man sich vor dieser Saison nicht vorstellen mögen. Danny Latza und Gonzalo Jara regelten das in Augsburg sehr ordentlich. Nach knapp einer Stunde humpelte dann auch noch der angeschlagene, insbesondere für die Verteidigung von Standardbällen wichtige Rechtsverteidiger Leon Balogun vom Feld.

Das 1:2 war irregulär

Eine falsche Schiedsrichterentscheidung raubte den 05ern den netten Zwei-Tore-Vorsprung zur Pause. Pablo de Blasis flog mit einem fast waagrechten Drehsprung in die Schussbahn, die Kugel traf den Stürmer am schlapp unter dem Oberkörper baumelnden Arm. Handelfmeter. Da hat Schiri Marco Fritz den wichtigsten Regelaspekt „Absicht“ vergewaltigt. Kommentar des Sky-Regelexperten Peter Gagelmann: „Kurze Entfernung, keine Absicht, kein Elfmeter!“ Kommentar des Ex-05ers und Ex-Augsburgers Michael Thurk in der Halbzeitpause: „Den Elfer darf man nicht geben, de Blasis dreht sich weg, der wird ja abgeschossen!“ Das die Gastgeber aufbauende 1:2-Anschlusstor war irregulär.

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Die Treffer zum 2:2 und 3:2 für die Augsburger entsprangen wieder einmal groben Eigenfehlern. Beim 2:2 ließ sich Balogun an der Seitenlinie von dem aus dem Stand startenden Cajubi ausspielen wie ein Schulbub, im Zentrum zog Stefan Bell den Kopf ein, Absicherer Niko Bungert übersah dahinter den durchgestarteten Torschützen Ja-Cheol Koo. Beim 3:2 ließ Bungert auf der Strafraumlinie die Kugel direkt in den Fuß von Cajubi prallen, Absicherer Bell kam mit seiner Grätsche gegen den Torschützen Raul Bobadilla zu spät. Festzuhalten ist allerdings: Die Innenverteidiger Bell und Bungert machen Fehler, aber sie behalten danach den Kopf oben, sie fliegen nie komplett raus aus dem Spiel.

Beeindruckende Effizienz im Abschluss

Zu PUNKT 3. Die 05er zeigten eine beeindruckende Effizienz im Abschluss. Zwei Torschüsse in der ersten Halbzeit, das ergab eine 2:0-Führung. Vor dem 1:0 zeigte de Blasis fast auf der Grundlinie Durchsetzungswillen gegen den nur den Mann attackierenden, den Ball aber vernachlässigenden Jeong-Ho Hong. Vor dem 2:0 setzte Yunus Malli endlich mal wieder entschlossen ein Tempodribbling im torgefährlichen Raum an, Jairo hatte einen glücklichen Blitzgedanken. Und zweimal stand Yoshinori Muto da, wo ein Mittelstürmer, den Instinkt und Torgier auszeichnen, stehen muss.

Und in den letzten Sekunden dieser wilden Partie kehrte bei den 05ern das Matchglück zurück. Bobadilla scheiterte bei seinem vergebenen „Entscheidungskonter“ am überragend parierenden 05-Keeper Loris Karius. Der Gegenzug. Beim später heftig diskutierten Zweikampf zwischen de Blasis und Feulner am rechten Flügel entschied Marco Fritz in einer 50:50-Situation für die Mainzer. Die folgende Flanke von Daniel Brosinski verlängerte Bell mit dem Hinterkopf exakt auf Muto, das passiert auch nicht jeden Tag. Und der technisch perfekt angesetzte Schuss des wendigen Japaners wurde vom FCA-Stopper Ragnar Klavan unhaltbar ins kurze Eck abgefälscht. Abpfiff.

Der Negativtrend ist vorerst gestoppt

Spieler und Trainer lagen sich in den Armen. Der Negativtrend ist vorerst gestoppt. Der Pressing- und Umschaltansatz hat an diesem Tag gegriffen. Dieses Auswärtsremis mit einer ersatzgeschwächten Elf hat den Tabellenletzten FC Augsburg auf Distanz gehalten und kann für eine neue Dynamik in dieser Mainzer Mannschaft sorgen.