Rehberg: Egal wie viel Geld Investoren in die Liga pumpen - Am...

Fügt sich in das Liga-Prozedere ein: Martin Kind, Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96. Foto: dpa

Die Diskussion um die Öffnung des deutschen Profifußballs für Investoren wird nun liga-intern geführt. Die 50-plus-1-Regel, wonach aktuell der Klub immer die Stimmenmehrheit...

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. Die Diskussion um die Öffnung des deutschen Profifußballs für Investoren wird nun ligaintern geführt. Die 50+1-Regel, wonach aktuell der Klub immer die Stimmenmehrheit haben muss in seinem Fußballunternehmen, soll „modernisiert“ werden. Der übernahmewillige Hannoveraner Martin Kind hat sich eingefügt in dieses Prozedere. Der umstrittene Klubchef weiß, dass er eine Klage gegen 50+1 mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen würde, aber der Hörgeräte-Unternehmer weiß auch, dass dieser Gerichtsprozess sich über Monate, vielleicht Jahre hinziehen würde.

Gehen wir davon aus, dass sich die Beteiligung von Investoren an Kapitalgesellschaften im Fußball juristisch nicht verhindern lässt. Und wenn ein Konzern viel Geld in einen Klub steckt, dann will er auch bestimmen können, was mit dieser Kohle passiert. Negative Auswirkungen erleben wir in England, in Italien, auch beim TSV 1860 München. In England und Italien werden Vereine gekauft, nach einiger Zeit verkauft, nach kurzer Zeit weiterverkauft. Mal mit mehr, mal mit weniger Gewinn. In den Sport wird bis dahin an manchen Orten kaum noch zielgerichtet investiert. Der Klub verkommt in diesen Fällen entweder zum Spielball irgendwelcher persönlichen Interessen oder zu einem Renditeobjekt. Das will in Deutschland niemand haben.

Vorherrschaft der Bayern stoppen

Aber, und so argumentieren die Befürworter von Investoren: Die Bundesliga brauche potente Geldgeber, ansonsten sei die Vorherrschaft des Dauermeisters FC Bayern München zementiert. Das Problem an dieser Position: Sollten alle Bundesligisten, die noch keinen Investor haben, tatsächlich einen dieser Goldesel für sich begeistern können, dann ändert sich an der sportlichen Rangfolge überhaupt nichts. Die Bayern sind der mit Abstand attraktivste Klub auf dem Markt; rückt ihnen ein Konkurrent auf die Pelle, dann könnte der Branchengigant beliebig nachlegen beim Verkauf von Gesellschaftsanteilen. Aktuell hat der FCB das gar nicht nötig.

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Und nun stellt sich die Frage: Was passiert, wenn weitere Millionen oder Milliarden auf dem deutschen Fußballmarkt ausgeschüttet werden von Unternehmern, Finanzjongleuren oder privaten Gönnern? Die Antwort: Das sportliche Ranking wird sich nur unwesentlich verändern, aber die Spieler werden noch mehr verdienen, die Ablösesummen werden weiter steigen – und der sich in gigantischen Dimensionen sudelnde Fußballplanet entfernt sich noch weiter vom normalen Menschen auf diesem Erdball.

Extreme Auswüchse durch Konzept verhindern?

Und noch etwas passiert: Kleinere Klubs werden gezwungen sein, den Run auf die Investoren mitzumachen, nur um wirtschaftlich - und dann in der Folge auch sportlich - nicht abgehängt zu werden. Wir werden erleben: Je bedürftiger der Klub ist, desto größer wird die Abhängigkeit vom externen Geldgeber ausfallen.

Womöglich lassen sich extreme Auswüchse in einem neu ausgestalteten 50+1-Konzept durch entsprechende Reglementierungen verhindern. Dass ein Investor aber die Geduld aufbringt, dass sich ein Klub kontinuierlich, in einem gesunden Tempo nach vorne entwickelt, dass ein Investor darauf setzt, dass die Nachwuchsarbeit des Klubs intensiviert wird und binnen mehrerer Jahre Früchte trägt, das lässt sich nicht in Statuten festlegen.

Macht es die Bundesliga spannender, wenn wir demnächst einen Bieter-Wettstreit erleben zwischen internationalen Großkonzernen, Fondsgesellschaften oder superreichen Familien, die ihre Entscheidungen treffen in New York, Peking, Seoul, Kalkutta, London oder Moskau? Wir müssen das nicht diskutieren. Diese Entwicklung wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aufhalten lassen.