Rehberg: Ein bislang nahezu perfekter Saisonverlauf

Jubelnde Mainz 05-Spieler. Foto: Sascha Kopp

Rang neun nach neun Spieltagen. Die Beurteilung? Wie immer eine Frage der Perspektive. An manchen Bundesliga-Standorten würden die Verantwortlichen meckern: Letzter der oberen...

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. Eher selten hat einer der klassischen Mittelklasseklubs aus der deutschen Topliga die Belastungen, die eine Drei-Wettbewerbe-Spielzeit mit sich bringt, physisch, mental und in den Ergebnissen besser auf die Reihe gebracht.

Nur noch mal zur Erinnerung: Der FC Augsburg war in der Vorsaison mit seinem für die Europaliga qualitativ und quantitativ aufgerüsteten Kader nach neun Spieltagen Letzter der Gesamttabelle. Mit mageren fünf Punkten. Nach nur einem Sieg und schon sechs Niederlagen. Die Mannschaft von Markus Weinzierl steckte danach bis zum letzten Tag im Abstiegskampf. Trotz der Erfolge in der EL-Gruppenphase mit dem Einzug in die Runde der letzten 32 und den beiden legendären Spielen gegen Jürgen Klopps FC Liverpool hatte Manager Stefan Reuter immer die ganz tiefen Sorgenfalten auf der Stirn: Was bringt uns das, wenn wir am Ende aus der Bundesliga absteigen? Ohne den internationalen Stress läuft es bei den Augsburgern in dieser Saison allerdings auch nicht wesentlich besser (13./acht Punkte).

Imponierende Zwischenbilanz

In Mainz? Der Abgang von Langzeitmanager Christian Heidel. Dazu die nicht überragend toll organisierte/moderierte Strukturveränderungsdebatte auf der Führungsetage. Der neue Sportdirektor Rouven Schröder, Trainer Martin Schmidt und die Spieler zeigen sich davon unbeeindruckt. Das unnötige Aus in der zweiten Runde des DFB-Pokals hat den Klub mindestens eine Million Euro an Zusatzeinnahmen gekostet in dieser teuren Saison. Aber ansonsten brennen alle Lampen am Bruchweg. Im Ertragsbuch nur ein Punkt weniger als Borussia Dortmund, ein Punkt mehr als Bayer Leverkusen, zwei Punkte mehr als Borussia Mönchengladbach, sechs Punkte mehr als der FC Schalke 04, acht Punkte mehr als der mit Werks-Millionen gesegnete VfL Wolfsburg, zwölf Punkte mehr als der mit 30 Millionen aufgepäppelte Hamburger SV. Das ist eine imponierende Zwischenbilanz.

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Und es zeigt sich, dass es in der Bundesliga nach wie vor nur eine Mannschaft gibt, die drei Wettbewerbe komplett ohne tiefere Kratzer im Lack durchziehen kann: Das ist der FC Bayern München mit seinem Weltklassekader. Carlo Ancelotti kann in einer englischen Woche auch mal neun Positionen verändern. Selbst die Radikalrotationsmaßnahmen funktionieren. Der Dortmunder Thomas Tuchel ächzt ob seiner vielen Verletzten und ob der Jugendlichkeit mancher seiner Startformationen. Der Gladbacher Andre Schubert beklagt viele Verletzte und Müdigkeit in seinem großen Kader. Warum Bayer Leverkusen – im Sommer als erster Herausforderer der Bayern gehandelt - in keinem Wettbewerb so richtig aus den Schuhen kommt, das weiß niemand. Wahrscheinlich nicht mal der verstockte Trainer Roger Schmidt. Die neu aufgestellten Schalker haben ihren Saisonstart komplett verhauen, dazu gesellt sich Verletzungspech. In der Europaliga läuft´s.

Füße wund laufen

Die Ränge hinter den Bayern besetzen im Moment Klubs, die nicht durch Europa touren: RB Leipzig, die TSG Hoffenheim, der 1. FC Köln, Hertha BSC. Auch die Frankfurter Eintracht und der SC Freiburg stehen gut da. Und dann kommen schon die international beschäftigten 05er. Die am Donnerstagabend beim RSC Anderlecht auflaufen. Ein Auswärtssieg oder ein Remis eröffnen der Schmidt-Elf gute Chancen aufs Weiterkommen in der EL-Gruppe C.

Die nicht unproblematische Verletztensituation wird gar nicht groß thematisiert. Wer auf dem Feld steht, der rennt sich die Füße wund. Der Kampftechniker Danny Latza (26) und der in vielen Champions-League-Spielen mit dem FC Basel gestählte Fabian Frei (27) fehlen. Dann erledigt eben die „Kinderabteilung“ mit Jean-Philippe Gbamin (21) und Suat Serdar (19) den Job im Maschinenraum. Der HSV hat diese lauf- und willensstarken Balleroberer, die im zentralen Mittelfeld auch vernünftig Fußball spielen können, überhaupt nicht im Portfolio. In Hamburg haben die Kaderplaner versagt. Den Mainzern stehen vier dieser Powerprofis zur Verfügung. Und dazu kommt noch José Rodriguez (21), der die spielerische Komponente belebt. Worauf es am Donnerstagabend im Brüssler Stadtteil Anderlecht ankommt, das lesen Sie im morgigen Blog.