Rehberg: Ein klassisches Winter-0:0

Die 05er Pablo de Blasis (li) und Danny Latza versuchen, Marco Höger vom 1. FC Köln zu stoppen. Foto: Sascha Kopp

Das war ein klassisches Winter-0:0. Zwischen zwei Kontermannschaften. Die in diesen 90 Minuten ihren vordinglichen Auftrag darin sahen: Den Gegner ja nicht kontern zu lassen....

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. Wirft man die Torchancen in die Waagschale, dann ging dieses Remis in Ordnung. Man könnte anmerken, dass die 05er den Matchball auf dem Fuß hatten. Das war jene Szene in der 52. Minute. Als Jairo aus dem Zentrum einen überragenden Tiefenpass absandte, der durchgelaufene Yoshinori Muto in freier Position an FC-Torhüter Thomas Kessler scheiterte und Pablo de Blasis den Abpraller aus dem Vollsprint heraus am leeren Kasten vorbei ballerte. Eine Siegchance von dieser Güteklasse hatten die Kölner nicht. Aber die Gäste ließen in den letzten sieben Spielminuten durch Yuya Ozako und den eingewechselten Leonardo Bittencourt noch zwei Möglichkeiten liegen, die bei etwas mehr Abschlusskonsequenz den Mainzern komplett die Laune hätten verderben können.

Wenn man erklären will, warum sich das Team von Martin Schmidt so schwer tat, zum Start nach der Winterpause mehr Argumente für einen möglichen Heimsieg aufzubauen, dann muss man zunächst die Spielweise des FC beleuchten. Peter Stöger hatte ein Konzept gebastelt, das darauf abzielte: Leicht wird es nicht, in Mainz zu gewinnen, also tun wir alles dafür, zumindest nicht zu verlieren. Diesen Plan verfolgten die Gäste im Defensivverhalten mit einer Fünfer-Abwehrkette, mit einer Viererreihe im Mittelfeld und mit dem ausgesprochen zaghaft anlaufenden Mittelstürmer Anthony Modeste. Die Kölner Spielhälfte war in beiden Halbzeiten engmaschig zugestellt.

Fremdelnde 05er im 4-4-2-System

Dieser Defensivblock war nur mit Tempospiel in Bedrängnis zu bringen. Da aber auch die Schmidt-Elf Respekt vor der offensiven Umschaltstärke des Gegners hatte, waren auch die 05er darauf aus, im Aufbau keine leichten Ballverluste einzustreuen. Das gelang ganz gut. Ging aber zu Lasten von Geschwindigkeit und Kreativität. Eröffneten sich den Mainzern Umschaltsituationen, dann geschah das meistens in Unterzahl. Die Kölner rückten hinten nie komplett raus, die drei Innenverteidiger waren durchgängig auf Absicherung bedacht. Da hätte vielleicht die Wucht des gesperrten Jhon Cordoba mehr bewirken können. Und natürlich kam auch mal der Gedanke auf: Hätte vielleicht Yunus Malli mit seinen Tempodribblings interessante Räume aufgespielt? Lassen wir das. Der abgewanderte Zehner gab am Samstag in Wolfsburg beim 1:0 gegen den HSV ein extrem überschaubares Debüt.

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Deutlich zu sehen war, dass die 05er im Vorwärtsgang noch fremdeln in dem 4-4-2-System ohne Zehner. Zu oft standen die beiden Flügelstürmer Levin Öztunali und Jairo sowie die beiden zentralen Angreifer Muto und Pablo de Blasis in der vordersten Reihe auf einer Linie. Die Sturmreihe war in dieser Raumaufteilung häufig kaum anspielbar. Weder mit kurzen Pässen in den Fuß - noch mit langen Bällen in die Tiefe. Bewegung kam nur dann in den Laden, wenn sich Jairo in die Halbräume oder ins Zentrum absetzte und von dort mit Dribblings und Pässen versuchte, Vorteile zu schaffen. Solche Szenen hatte auch de Blasis, aber dem Argentinier mangelt es in diesen Zonen an der nötigen feinen Technik. Die weiten diagonalen Verlagerungen von Stefan Bell oder Fabian Frei waren optisch ein gutes Mittel, aber an den breit besetzten Flügeln mangelte es diesmal an Konsequenz, an Durchsetzungskraft. Der leichtfüßige Muto hatte im Zentrum wenig Anbindung.

Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff fehlte

Die 05er schafften es auf diese Art und Weise nicht, gegen nichts riskierenden FC wuchtige Druckphasen zu organisieren. Das hätte eventuell gelingen können mit giftigem Pressing und Gegenpressing in den Mittelfeldzonen. Doch die 05er stellten nur zu. Aktive Balleroberungen als Grundlage für schnelle Umschaltzüge oder knackige Aktionen in der gegnerischen Spielhälfte waren Mangelware. Die defensivtaktisch sehr diszipliniert auftretenden Danny Latza und Frei gerieten im Zentrum selten in Schwierigkeiten. In ihr Spiel nach vorne bekamen die beiden Sechser aber kein Tempo, keine Zielstrebigkeit. Letztlich fehlte da ein Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff.

Wie das gegen eine Mannschaft aussieht, die - anders als die Kölner - auch mal mehr Personal nach vorne bewegt, das steht auf einem anderen Blatt. Das werden wir am nächsten Sonntag sehen, wenn Borussia Dortmund in der Opel Arena aufkreuzt. Dieses 0:0 lässt keine Schlüsse zu, wohin die Reise gehen mag in der Rückrunde. Kein Gegentor war in jedem Fall eine Steigerung gegenüber der in der Defensivarbeit wackligen Hinrundenleistung der 05er.