Rehberg: Ein magischer Abend an der Anfield Road

Jürgen Klopp und Thomas Tuchel während des Champions League-Spiels zwischen Liverpool und Paris. Foto: dpa

Die neue Champions League-Saison ist gestartet und hatte gleich einen Leckerbissen zu bieten: Liverpool traf auf Paris Saint-Germain beziehungsweise Klopp auf Tuchel. Während...

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. Nun sind erstmals zwei ehemalige Mainz-05-Trainer in der Champions League aufeinandergetroffen. Jürgen Klopp hat mit dem FC Liverpool in der Gruppe C Thomas Tuchel und dessen FC Paris St. Germain mit 3:2 bezwungen. Von 13 direkten Duellen zwischen den beiden charismatischen Übungsleitern hat Tuchel bis heute nur ein einziges gewonnen. Da prallen zwei Fußball-Schulen aufeinander: Der Ballbesitz-Nerd scheitert immer wieder an dem Umschalt-Freak. Das passt nach dem WM-Triumph des Umschalt-Weltmeisters Frankreich gerade gut in die Zeit. Zu viel sollte man in diese Konstellation aber nicht hineingeheimnissen.

Die Partie an der Anfield Road war wieder mal ein magischer Abend. Tuchel hatte auf drei, vier Positionen sicher den besseren Fußballer am Start. Aber die Pariser waren der unerbittlichen Kampfbereitschaft, dem Tempo, der Offensivwucht der Liverpooler nicht gewachsen. Man merkte, dass Klopp seinen Laden nun schon im dritten Jahr anleitet. Die spielerischen und taktischen Prinzipien sitzen, das Personal ist inzwischen perfekt auf die unerbittlich konsequente und explosive Spielart des Trainers abgestimmt; die gesamte Gruppe hat sich auf die Turbo-Intensität des Klopp-Fußballs eingelassen. Tuchel hat mit seiner Arbeit in Paris, die darauf ausgerichtet ist, Gegner über druckvolles Passspiel und herausragende Qualität in der Angriffsreihe extrem zu dominieren, gerade erst begonnen. Der Unterschied war deutlich zu sehen. Bei den „Reds“ war jeder Spieler emotional aufgeladen - und jeder Spieler wusste, was er innerhalb der taktischen Maschinerie zu tun hat. So weit ist Tuchel beim - in der Entscheidungsphase der CL in den vergangenen Jahren immer wieder gescheiterten - Scheich-Klub (noch) nicht.

Paris ist noch nicht eingespielt

Der Titelverteidiger Real Madrid ist eingespielt, Manchester City unter Pep Guardiola ist eingespielt, Manchester United unter José Mourinho ist eingespielt, der FC Liverpool ist eingespielt, der FC Bayern München ist eingespielt. Ob Tuchel in seinem ersten Jahr in Paris direkt auf dieses Niveau kommt, das ist fraglich. Dem innovativen Fußballlehrer fehlen die Weltklasse-Sechser. An der Anfield Road gingen der gelernte Innenverteidiger Marquinhos, das im Tempo überforderte Talent Rabiot und der gelernte Stürmer Di Maria gegen das leidenschaftliche Mittelfeldpressing der Liverpooler phasenweise unter. In den zentralen Zonen regierten die durchschnittlichen Techniker Henderson, Milner und Wijnaldum. Drei energiegeladene Draufgänger, denen kein Weg zu weit ist, die ihren Gegenspielern permanent im Kofferraum hängen und die in jeder Aktion nur das Vorwärtssignal kennen. Tuchels Optionen im Mittelfeld sind noch nicht perfekt ausbalanciert. Da wird auf dem Winter-Transfermarkt sicher noch nachgebessert. Geld spielt in Paris keine Rolle. Da bremst nur das Financial Fairplay.

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Das späte Siegtor für die „Reds“ schoss der eingewechselte Firminho, ein etablierter Torjäger. Tuchel brachte in der 80. Minute für Di Maria den in Mainz bekannten Eric-Maxim Choupo-Moting. Ein exzellenter Dribbler, der mit seinen 28 Jahren aber noch nie auf einem tragfähigen CL-Niveau gespielt hat. Und was war mit Neymar? Der Weltstar ist kein seriöser Mannschaftsspieler, der Brasilianer rennt und dribbelt in erster Linie für sich selbst. Da hat der detailversessene Tuchel noch viel Arbeit vor sich.