Rehberg: Ein Modell für die Führungsetage von Mainz 05

Christian Heidel. Foto: dpa

Wie geht es weiter auf der Führungsetage der 05er? Reinhard Rehberg ist sicher, dass dieses Thema noch eine Weile auf der Tagesordnung bleibt. Und er entwirft ein Szenario, wie...

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. Dieses Thema wird uns noch einige Wochen begleiten: Wie geht es weiter auf der Führungsetage der 05er? Wir wollen nicht weiter spekulieren, ob Christian Heidel nun den Klub verlässt oder ob er letztlich doch bleibt. Die Aussage des Managers steht: Er möchte zum FC Schalke 04 wechseln – aber nur, wenn die Nachfolge derart geregelt ist, dass er von seiner Geburtsstadt und von seinen Lieblingsverein mit einem guten Gefühl scheiden kann. Entwerfen wir also mal ein Modell, wie diese Zukunft ohne den seit 23 Jahren am Bruchweg wirkenden 52-Jährigen aussehen könnte.

Chef der vier angestellten Geschäftsführer

Zum Ist-Zustand. Es existiert ein ehrenamtliches Präsidium, das sich mit Ausnahme des fest angestellten Managers aus dem Tagesgeschäft und aus den strategischen Planungen weitestgehend heraushält. Das Management besteht aus Christian Heidel, der die Gesamtverantwortung trägt für den Fußballbetrieb, für die Lizenzspielerabteilung, für die U23, für das Nachwuchsleistungszentrum und für die Reha-GmbH und der gleichzeitig als Chef fungiert für die vier angestellten Geschäftsführer Michael Kammerer (Organisation und Verwaltung), Dag Heydecker (Marketing und Vertrieb), Christopher Blümlein (Finanzen/Controlling) sowie Tobias Sparwasser (Medien und Public Relations). Allein schon diese Aufstellung zeigt auf: Wenn Heidel geht, dann geht da nicht nur ein anerkannter Transferexperte, dann geht da der Klubchef - und darüber hinaus das bundesweit anerkannte Gesicht dieses Vereins.

Das Präsidium hat den Macher machen lassen. Das war über mehr als zwei Jahrzehnte ein Erfolgsmodell. Und aktuell steht der Klub wirtschaftlich besser da denn je, die sportliche Situation in der Bundesliga lässt sich als stabil bezeichnen. Und nun beschäftigt sich der diesen Klub führende Allroundmanager mit einer beruflichen Veränderung.

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Eine einzige Person könnte Rolle nicht ausfüllen

Wenn wir uns also mit einer möglichen Zukunft dieses mittelständischen Fußballunternehmens, das nach wie vor als eingetragener Verein organisiert ist, ohne den bisherigen Manager vorstellen, dann lässt sich festhalten: Eine einzige neue Person, nennen wir ihn mal den künftigen Sportfachmann, könnte die Heidel-Rolle mit hoher Wahrscheinlichkeit in dieser Mainzer Struktur nicht ausfüllen. Denn wenn das Transferthema geklärt wäre, würde sich noch immer die Frage stellen: Wer führt diesen Klub, wer kontrolliert die Tagesabläufe, wer ist der strategische Planer, wer ist der kreative Vordenker auf vielen Ebenen, wer ist das in vielen Themenbereiche kundige, auch öffentlichkeitswirksame Gesicht dieses Fußballunternehmens ?

Die Auslagerung des Profibetriebs in eine Wirtschaftsgesellschaft mit den entsprechenden vorgegebenen Organisationsstrukturen wird sich binnen weniger Wochen/Monate nicht umsetzen lassen. Wie machen das andere eingetragene Vereine im deutschen Profifußball? Nehmen wir als Beispiel den SC Freiburg. Der hat sich vor etwa zwei Jahren, als die Planungen für einen Stadionneubau konkreter wurden, neu aufgestellt. Der Vorstand wurde umfunktioniert zu einem dreiköpfigen Gremium, das die Klubführung inne hat: Vorstandsvorsitzender ist Fritz Keller - dieser erfolgreiche Unternehmer aus der Wein- und Gastronomiebranche kontrolliert den hauptamtlichen Geschäftsführer Oliver Leki (Marketing- und Wirtschaftsfachmann) sowie den hauptamtlichen Sportdirektor Jochen Saier (ehemals Leiter des Nachwuchsleistungszentrums). Dieser operativ tätige Vorstand wird kontrolliert von einem neunköpfigen, ehrenamtlich wirkenden Aufsichtsrat (in dem Personen ihr Knowhow einbringen, die früher im Vorstand saßen).

Mit Aufsichtsrat und operativem Vorstand

Würde man dieses Modell anwenden auf die 05er, dann ließe sich daraus ein mittelfristig umsetzbares Umgestaltungsprojekt ergeben. Der jetzige Vorstand würde in einen von der Mitgliederversammlung zu wählenden Aufsichtsrat wechseln; da in dieser mit viel Erfahrung ausgestatteten Mannschaft aktuell nur zwei Männer jünger sind als 60 Jahre, könnten auch hier in naher Zukunft zwei, drei neue Leute, im Idealfall jüngere Führungskräfte aus der freien Wirtschaft, Einzug halten. Der logische Aufsichtsratschef wäre dann der in der Außendarstellung wirksame Klubpräsident Harald Strutz.

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Dieses Gremium würde dann den operativ tätigen Vorstand kontrollieren: Ein zu findender Vorstandsvorsitzender wäre der neue starke Mann im Klub, der Chef, der Vordenker, der strategische Planer, der Kontrolleur und Anschieber - der einen Finanzfachmann und einen Sportdirektor führt. Ob sich in den eigenen Reihen eine Persönlichkeit (etwa aus der Reihe der vier Geschäftsführer) eignen würde für einen der beiden Direktorenposten, das wollen wir an dieser Stelle nicht diskutieren. Sollte sich Christian Heidel für einen Verbleib in Mainz entscheiden, dann wäre er der logische Kandidat für den Posten des Vorstandsvorsitzenden.

Das ist nur eine Planskizze. Die noch nicht beantwortet, ob sich inzwischen in diesem nach wie vor organisatorisch gut funktionierenden Erstligaklub überhaupt jemand um eine Neuausrichtung kümmert und ob und wer die Suche nach einem neuen Klubanführer und einem neuen Fußballfachmann vorantreibt. Vielleicht denkt sich da mancher: Sitzen wir die Sache einfach aus – dann kann der Manager ja gar nicht gehen. Auch ein Modell. Aber keines, das Führungsstärke ausweist.