Rehberg: Es kann nur einen geben

Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen im Dress der deutschen Nationalmannschaft. Foto: dpa

Neuer und ter Stegen, zwei Weltklasse-Torhüter. Doch nur einer kann im Tor des Löw-Teams stehen. Es ist nicht das erste Torwart-Duell im Kreis der Nationalmannschaft - und...

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. Wer hat jetzt alles schon gesprochen oder offizielle Mitteilungen herausgegeben beziehungsweise herausgeben lassen? Marc-André ter Stegen, Manuel Neuer, Joachim Löw, Oliver Bierhoff, Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß plus ein paar Experten und selbst erklärte Fachleute. Worum ging´s?

Der überragende Torhüter ter Stegen, der gerade mit seinen Paraden dem FC Barcelona ein ausgesprochen glückliches 0:0 in Dortmund gerettet hat, hatte schüchtern das Fingerchen gehoben und signalisiert, er würde in der Nationalmannschaft auch mal gerne mitspielen. Entgegnet der in der Hierarchie vor ihm positionierte und mit Bayern-Gen ausgestattete Neuer: Klappe halten, eingliedern in die Truppe – der Chef ist in Topform.

Damit hätte alles erledigt sein können. Geht natürlich nicht. Der deutsche Fußball hat zwei Weltklassetorhüter, aber nur einer kann in der DFB-Elf im Kasten stehen: Das ist eine Story, das ist ein Medienthema – dazu muss sich jeder äußern, der etwas auf sich hält.

Ohne Chance gegen Sepp Maier

Wen könnte man jetzt noch befragen? Ich hätte da eine Vorschlagsliste. Beginnen wir mit Sepp Maier. 95 Länderspiele zwischen 1966 und 1979. Bei der WM 1966 musste der Bayern-Keeper als junger Reservist noch dem Dortmunder Hans Tilkowski den Vortritt lassen. Danach stand Maier bis 1978 bei sämtlichen großen Turnieren im Kasten. WM-Dritter, Europameister, Weltmeister, EM-Zweiter.

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Maier hatte nicht nur Topzeiten. Die „Katze von Anzing“ hatte auch fehlerhafte Spielzeiten. Parallel dazu brillierten in der Bundesliga exzellente Keeper wie der Gladbacher Wolfgang Kleff, der Schalker Norbert Nigbur, die Braunschweiger Horst Wolter und Bernd Franke oder auch der Berliner Volkmar Groß und später der Hamburger Rudi Kargus. Insbesondere der sprunggewaltige und reaktionsschnelle Kleff hatte auch international überragende Auftritte in der glorreichen Gladbacher Zeit mit Hennes Weisweiler. Ergebnis: Kleff (6 Länderspiele), Nigbur (6 Länderspiele), Wolter (13 Länderspiele), Franke (7 Länderspiele) und Groß (1 Länderspiel) hatten nie eine Chance, im Duell mit Sepp Maier nachhaltig eine DFB-Karriere aufzubauen.

Man könnte auch bei Harald „Toni“ Schumacher nachfragen, mit welcher Selbstverständlichkeit er sich zwischen 1979 und 1986 in 76 Länderspielen Topleute wie Uli Stein oder Eike Immel vom Hals gehalten hat.

Man könnte nachfragen bei Bodo Illgner (54 Länderspiele zwischen 1987 und 1994), gegen den Topleute wie Eike Immel, Raimond Aumann, Andreas Köpke und der junge Oliver Kahn keine Chance hatten. Die Zeit von Köpke (59 Länderspiele zwischen 1987 und 1998, 28 Partien ohne Gegentor) kam erst nach dem frühen Rücktritt von Illgner.

Neuer vs. ter Stegen erinnert an Kahn und Lehmann

Und von 1994 bis 2005 dominierte dann Oliver Kahn (86 Länderspiele), der erst bei der WM 2006 vom „ewigen“ zweiten Mann Jens Lehmann abgelöst wurde. Das war damals eine heftig umstrittene Entscheidung des eigenwilligen Teamchefs Jürgen Klinsmann. Lehmann, der sich viele Jahre als Nummer 1 gesehen hatte, kam immerhin auf 61 DFB-Einsätze.

Und nun regiert seit 2009 eben Manuel Neuer (90 Länderspiele), der Weltmeister von 2014. 33 Jahre alt, nach langen Verletzungszeiten wieder in Bestform. Ter Stegen steht mit seinen 29 Jahren bei 22 Länderspieleinsätzen. Turniererfahrung hat der herausragende Barca-Keeper keine. Er wird warten müssen. Wie vor ihm viele andere Klassekeeper. Die das Pech hatten, dass in ihren besten Jahren ein anderer Torhüter nicht unbedingt immer besser war, aber etablierter, erfahrener, beim jeweiligen Bundestrainer ausgestattet mit riesigem Vertrauen.

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Sepp Maier musste seine Karriere nach einem Autounfall beenden. Toni Schumacher stolperte über ein „Skandal-Buch“. Bodo Illgner, 1990 mit 23 Weltmeister, hatte schon vier Jahre später nach dem frühen WM-Aus 1994 keine Lust mehr. Köpke trat frustriert zurück nach dem frühen WM-Aus 1998. Oliver Kahn, in 47 Länderspielen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, erklärte nach der für ihn enttäuschenden WM 2006 mit der „Niederlage“ gegen Lehmann seinen Rücktritt beim DFB. Besonderheiten, die den jeweiligen Nachfolgern die Tür öffneten.

Neuer gegen ter Stegen. Dieses Duell erinnert am ehesten an Kahn gegen Lehmann zwischen 2004 und 2006. Mit dem Unterschied, dass Löw den jüngeren ter Stegen nur dann in den Kasten stellen wird, wenn Neuer verletzt ist oder in einer krassen Formkrise steckt.