Rehberg: Europa-Abschied für Mainz 05 nicht das Ende, sondern...

Gewohnt engagiert an der Seitenlinie: Mainz 05- Trainer Martin Schmidt. Foto: dpa

Schluss, Aus, Ende. Die Europa League ist für Mainz 05 vorbei. Für die 05er solle das laut Trainer Martin Schmidt aber nicht das Ende, sondern der Anfang ihrer internationalen...

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. Was werden wir in Mainz vermissen von der Europaliga? Auf dem Pressekonferenztisch sicher die nackten Sprudelwasserflaschen. Vier Plastikpullen ohne Etikett, das verströmt einen Hauch von künstlerischer Eleganz. Reduktion auf das Wesentliche. Zurück zu den Wurzeln in einem marktschreierischen Geschäft, könnte das Thema lauten. Machen wir uns nichts vor, die Sache ist von sinnlichen Inhalten weit entfernt: Der Veranstalter Uefa duldet bekanntlich nicht die kleinste „fremde“ Werbebotschaft neben den eigenen Sponsorengöttern. Bei Bundesligaspielen ist der Medientisch dann wieder übersät mit kleinen bunt bedruckten Fläschlein, jedes Etikettchen ist akkurat ausgerichtet gen Fernsehkamera und Fotolinse. Bier mit 0,0 Prozent Alkohol zum Beispiel, aus dem Hause eines regionalen Anbieters. Wir haben noch keinen Trainer erlebt, der zu diesem Produkt (dessen Haltbarkeitsdatum auch sicher längst überschritten ist) gegriffen hätte.

Natürlich werden wir auch die lustigen Dolmetschersituationen vermissen. Nach dem 2:0-Heimsieg der 05er am Donnerstagabend gegen den FK Qäbälä sprach zunächst der Gästetrainer. Roman Grygorchuk ist Ukrainer, er spricht nur russisch. Dessen Worte wurden von einem des Russischen mächtigen aserbaidschanischen Dolmetscher ins Aserbaidschanische übersetzt. Dessen Worte wurden dann von einer fröhlich strahlenden Mainzer Aserbaidschanerin, die des Russischen nicht mächtig ist, in die deutsche Sprache übersetzt. Das „Stille-Post-Spiel“ ergab eine Essenz. Grygorchuk soll gesagt haben: „Schade, dass wir nicht weiter gekommen sind!“ Na ja, die Mannschaft aus dem Großen Kaukasus war von der K.o.-Runde so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Dem Tabellenletzten fehlten in dieser Gruppe C mindestens elf Punkte für den Sprung unter die letzten 32 Mannschaften. Das ist viel, wenn einem nur sechs Spiele zur Verfügung stehen.

Das war erst der Anfang

Die 05er sind demnach als Dritter mit neun Zählern auf dem Konto extrem knapp gescheitert. Aber wir wissen heute, dass auch ein 1:0-Sieg der Mainzer in Saint-Étienne nicht genügt hätte. Weil die Franzosen in ihrem letzten Spiel in Anderlecht aus einem 0:2-Rückstand noch einen 3:2-Sieg gemacht haben. Was definitiv gereicht hätte: Ein Heimsieg gegen einen der beiden Konkurrenten aus Frankreich und Belgien. Die beiden Spiele in der Opel Arena endeten jeweils mit einem 1:1. Obwohl die Elf von Martin Schmidt jeweils mit 1:0 in Führung gelegen hatte und jeweils eine Stunde lang die bessere Mannschaft war. Der 05-Chefcoach hätte mit einiger Berechtigung resümieren dürfen: Schade, dass wir nicht weiter gekommen sind! Der Schweizer drückte das anders aus: Das solle für seine Spieler nicht das Ende ihrer internationalen Erfahrungen sein, „das soll erst der Anfang sein…“. Was sich mutig-kreativ interpretieren ließe als ein Angriff in der Rückrunde auf die internationalen Ränge in der Bundesliga.

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Um diese Ambitionen zu untermauern, müssten die 05er am Sonntag zumindest einen Punkt aus Mönchengladbach mitbringen. Martin Schmidt ist da sehr optimistisch. Unter seiner Regie haben die Mainzer noch nie gegen die Gladbacher verloren. Und der 2:0-Sieg gegen den FK Qäbälä, sagte der Trainer, „hat uns sehr viel Selbstvertrauen gegeben“. Nur zwei semigefährliche Torchancen für den Gegner, selbst zwei Treffer gelandet, ein gutes Dutzend schwungvoller Angriffszüge in der kalten, halbleeren, aber gar nicht mal stimmungslosen Opel Arena - Schmidt war zufrieden nach dem Ende des Europa-Abenteuers.

"Huth, Huth, Huth"

Welche sportlichen Erkenntnisse lassen sich mitnehmen aus der Qäbälä-Partie im Hinblick auf die Aufgabe am Wochenende? Der junge Torwart Jannik Huth, immerhin Silbermedaillengewinner als Ersatzmann der deutschen Qlympia-Auswahl, wird wieder auf der Bank sitzen. Der Europaliga-Einsatz war dennoch ein schönes Erlebnis für den U21-Nationalkeeper. Die Fans feierten ihn bei jeder kleinen Gelegenheit mit „Huth, Huth, Huth“-Sprechchören. In diesem Stil huldigen die Anhänger des englischen Sensationsmeisters Leicester City ihrem Idol Robert Huth; das ist dieser lange und kantige deutsche Innenverteidiger, der auch schon mal im DFB-Trikot auftreten durfte. Jannik Huth hatte keinen Wackler. Eine ernsthafte Prüfung waren die Offensivbemühungen der Aserbaidschaner allerdings nicht. Eine beeindruckende Mentalität legte Jean-Philippe Gbamin an den Tag. Wer in einem Spiel ohne Bedeutung für den Wettbewerb derart konzentriert, konsequent und lustvoll seine Arbeit verrichtet, der wird auch in Gladbach in der Startelf stehen. Der erst 21 Jahre alte Mittelfeldspieler aus Frankreich ist ein Topprofi. Nebenmann André Ramalho dagegen streute in seine Zweikämpfe und in sein Passspiel einige Lässigkeiten ein; das gibt Punktabzüge.

Pluspunkte sammelte Alexander Hack. Nicht nur wegen seines Hammers unters Tordach zum Führungstor. Der 23-jährige Innenverteidiger, dem in seinem prall gefüllten Fähigkeitenpaket bislang nur die kompromisslose Zweikampfführung eines Nikolce Noveski fehlte und die letzte Konzentration in jeder kleinen Aktion, sollte im Abwehrzentrum neben Stefan Bell der Mann der Zukunft sein. Aufsteigende Form und wachsende Überzeugung wies auch Linksverteidiger Gaetan Bussmann nach mit seinen dynamischen Flügelläufen. Und auch der lange verletzte Außenstürmer Jairo Samperio hatte einige gute Szenen – auch wenn der Spanier genau so viele Aktionen verdaddelte mit seinem Hang zum verspielten Risiko. Und auffallend war auch: Jhon Cordoba, der bullige Mittelstürmer, der am Wochenende seine fünfte Gelbe Karte absitzen muss, steckt gerade im Tief. Die Pause für den Kolumbianer kommt gelegen. In Gladbach schlägt dann wahrscheinlich wieder die Stunde von U23-Stürmer Aaron Seydel. Mehr dazu im Blog am Sonntagmorgen.