Rehberg: Ex-Mainzer Zinnbauer jetzt beim HSV

Josef Zinnbauer. Foto: dpa

Die Liste jener Fußballer, die einst beim FSV Mainz 05 unter Wolfgang Frank in der Zweiten Liga gespielt haben und später Trainer geworden sind, wird immer länger. In der...

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. "Jo ist bis heute der schnellste Spieler, der jemals für uns gespielt hat", sagt 05-Manager Christian Heidel, der den heute 44-jährigen Josef Zinnbauer im Sommer 1995 seinem Trainer Horst Franz, der später von Manfred Lorenz und danach von Wolfgang Frank beerbt wurde, in den Kader gestellt hatte. Große Spuren hat der Topsprinter, der mit dem Ball nicht überragend viel anzufangen wusste, damals nicht hinterlassen. Und doch erinnern sich die einstigen Mitspieler noch gut an den charmanten Charismatiker.

"Mit Anzug und Krawatte in die Kabine"

"Jo war der erste Spieler in Mainz, der morgens im Anzug und mit Krawatte in die Kabine kam", erzählt der damalige 05-Abwehrspieler Guido Schäfer. "So etwas kannten wir überhaupt nicht." Mitspieler Uwe Stöver, ebenfalls Trainer nach der Profikarriere und heute Manager beim Zweitligisten FSV Frankfurt, hat seinem Freund Zinnbauer am Dienstag direkt nach dessen Inthronisierung in Hamburg eine Glückwunsch-SMS aufs Handy geschickt. "Über Jo haben in Mainz alle gestaunt", erzählt Stöver. "Wir Spieler hatten ja damals noch einen sehr bescheidenen Fuhrpark am Bruchweg. Aber Jo fuhr mal in einem schwarzen Porsche 911 mit grünen Ledersitzen vor, mal in einem roten Ferrari. Das war beeindruckend, einige von uns waren da durchaus neidisch."

Der Hintergrund: Zinnbauer, gelernter Zerspannungstechniker und Versicherungskaufmann, hatte damals schon im Alter von gerade mal 25 Jahren mit seinem eigenen Finanzdienstleistungsunternehmen die großen Scheine gemacht; nebenbei verkaufte er noch mit großem Erfolg Luxuskarossen. Das dünne Zweitligagehalt in Mainz hatte der umtriebige junge Geschäftsmann eigentlich gar nicht nötig. Die Mitspieler erinnern sich, wie Zinnbauer auf der Rückfahrt von Auswärtsspielen hinten im Bus mit mehreren Handys direkt wieder unaufgeregt die nächsten Geschäfte einfädelte. "Jo war ein richtig netter und cooler Typ", sagt der heutige Sportjournalist Gudio Schäfer.

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Jetzt beim HSV

Nun ist dieser Josef Zinnbauer, der immer noch Eigentümer der Zinnbauer AG in Nürnberg ist, der mit dem operativen Geschäft aber nichts mehr zu tun hat, Cheftrainer beim Hamburger SV. Viele hatten mit Thomas Tuchel gerechnet, dem Mainzer Erfolgscoach. Der als junger Spieler 1994 zum SSV Ulm gewechselt war - quasi als Nachfolger von Josef Zinnbauer, der in jenem Sommer den Sprung von den Schwaben zum Bundesligisten Karlsruher SC geschafft hatte. Dort blieb Zinnbauer 1994/95 ohne Einsatz. Dann griff Heidel zu.

Drei Tore hat Josef Zinnbauer für die 05er geschossen in 16 Zweitligaspielen und einer Partie im DFB-Pokal. Fangen wir hinten an. 1. Runde im DFB-Pokal beim SC Neukirchen. Der in der 65. Minute eingewechselte Linksaußen brachte die 05er (mit Torsten Lieberknecht und Jürgen Klopp in der Startelf) sieben Minuten vor dem Abpfiff mit 2:1 in Führung. Dann fiel das 2:2, die Verlängerung blieb torlos. Elfmeterschießen. Ali Cakici, heute Trainer beim Oberligisten TSV Schott Mainz, traf für die Gastgeber zum 5:5. 05-Keeper Stephan Kuhnert trat an und verwandelte zum 6:5. Dann sicherte Kuhnert den 05ern den Sieg, mit einer Glanzparade gegen: den Spielertrainer des SC Neukirchen, den einstigen 05-Kollegen Zeljko Buvac. Der an diesem Samstag (17.30 Uhr) als Co-Trainer von Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund in der Coface Arena antritt. Dann ist Zinnbauers HSV-Debüt - Gegner ist bekanntlich kein Geringerer als der FC Bayern München - schon abgepfiffen.

Zwei Bratwürste

Danach traf Zinnbauer zum 1:5 bei der 1:6-Klatsche als Gast des FC Jena. Da war Wolfgang Frank schon Trainer. Der Sprinter schob einen Ball, der sich im Strafraumgetümmel verirrt hatte, lässig über die Torlinie. "Danach haben wir uns noch heimlich im Innenraum zwei Thüringer Bratwürstchen reingezogen, der Trainer durfte das ja nicht mitbekommen", erinnert sich Stöver. Nur Zinnbauer freute sich, über sein erstes Profitor. Eine Woche später im Heimspiel gegen den Chemnitzer FC feierte Guido Schäfer sein Comeback nach einem Kreuzbandriss. Abdul Ouakili schoss das 3:2 (72.), eine Minute später flog der Marokkaner vom Platz. Die 05er gerieten mächtig unter Druck. Bis der eingewechselte Zinnbauer nach einem Sololauf das 4:2 (82.) erzielte.

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Ende der Geschichte. Am 19. Spieltag gegen den VfB Lübeck wurde Zinnbauer noch mal eingewechselt für Schäfer, dem folgte eine Knieverletzung mit Knorpelschaden. Zinnbauer beendete seine Profikarriere, er spielte dann für die SG Post/Süd Regensburg, nebenbei trainierte er den SK Lauf. Danach fungierte er sechs Jahre als Spielertrainer bei seinem Heimatverein TSV Wendelstein. Nach fünf erfolgreichen Jahren als Trainer des VfB Oldenburg wurde Zinnbauer 2011 Ko-Trainer beim KSC, seine Chefs hießen Uwe Rapolder, Rainer Scharinger und: Jörn Andersen.

Im Frühjahr 2014 hat Josef Zinnbauer, der als Spieler meistens schneller war als der Ball, die Fußballlehrerlizenz erworben. Ein paar Monate später ist der rhetorisch begabte Geschäftsmann Cheftrainer in Hamburg. Nachdem er mit dem HSV II in der Regionalliga acht von acht Spielen gewonnen hat. "Ich traue Jo die Aufgabe zu", sagt Freund Uwe Stöver. "Er ist intelligent, er kommt an bei Leuten, er hat sich dem Trainerjob verschrieben. Und er hat immer konsequent seinen Weg verfolgt."