Rehberg: FC Bayern muss sich gegen die Premier-League-Klubs...

Hat mit 72 Jahren Carlo Ancelotti als Trainer des FC Bayern München abgelöst: Jupp Heynckes. Foto: dpa

FC Bayern gegen FC Paris St. Germain - das Spiel wurde angekündigt wie ein Duell der Giganten. Nach dem Sieg der Heynckes-Elf hieß es, die Mannschaft sei wieder in den engsten...

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. Die Partie war angekündigt worden wie ein Duell der Giganten. Der angeblich das „alte Geld“ repräsentierende FC Bayern hat den mit dem „neuen Geld“ aufgepumpten FC Paris St. Germain mit 3:1 geschlagen. Und dann wurden Schlüsse gezogen. Die Mannschaft von Jupp Heynckes ist in der Champions League plötzlich wieder in den engsten Kreis der Titelfavoriten zurückgekehrt, heiß es. Und den Wundersturm aus Paris kann man doch stoppen, heißt es. Man sollte ein - für den Wettbewerb mehr oder weniger bedeutungsloses - letztes Gruppenspiel nicht überbewerten.

Die Bayern waren beim 0:3 im Hinspiel in der französischen Hauptstadt nicht ganz so schlecht, wie sie gemacht wurden. Der Deutsche Meister war beim Rückspiel auch nicht ganz so brillant, wie es dargestellt wurde. Und ob die Weltklassestürmer Neymar, Cavani und Mbapé beim vorweihnachtlichen Fest in München mit einer 100-Prozent-Einstellung am Start waren, das weiß niemand. Der erste Platz in der Gruppe B war dem Scheichklub nahezu sicher, da reißen sich steinreiche Fußball-Popstars eher selten noch ein Bein aus. Die wahre Belastungsfähigkeit in Qualität und Mentalität wird sich bei beiden Mannschaften erst in der K.o.-Phase zeigen.

Reanimierte taktische Disziplin

Was für die Bayern spricht, das ist die von Heynckes reanimierte taktische Disziplin, insbesondere die verbesserte Organisation in der Defensivarbeit. Und wenn man bedenkt, dass der Trainer mit Jerome Boateng und Javier Martinez noch zwei international gestählte Defensivsäulen nachschieben kann, dann tut sich die Perspektive auf, dass die Bayern noch Steigerungspotenzial haben. Auch vor dem Hintergrund, dass ja auch der Topprofi Arjen Robben demnächst wieder fit sein wird.

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Was gegen die Pariser spricht, das ist ihr Rückzugsverhalten nach Ballverlusten. Da bleibt der ein oder andere Starstürmer doch gerne mal vorne stehen in Erwartung des nächsten schönen Angriffszugs. Und dann entstehen Löcher im Mittelfeld. In dem mit Marco Verrati an diesem Abend nur ein einziger laufstarker und giftiger Defensivspezialist am Werk war. Der deutsche Nationalspieler Julian Draxler hielt sich in seiner Mittelfeldrolle dezent zurück. Und der französische Nachwuchsstern Adrian Rabiot ist zweifellos ein glänzender Passspieler und Stratege, ein dynamischer Balleroberer ist er (noch) nicht. Die brasilianischen Innenverteidiger Thiago Silva und Marquinhos spielen auch nicht unbedingt in der Liga der Weltmeister Jerome Boateng und Mats Hummels. Man kann von den Scheich-Günstlingen drei, vier Tore eingeschenkt bekommen – aber man wird auch immer Chanen haben, die Pariser Abwehrreihe in Unordnung zu bringen.

Wer sind nun die Henkeltopf-Favoriten? Die Engländer sind weit vorne. Manchester City spielt unter Pep Guardiola einen brillanten Offensivfußball. Manchester United spielt unter Jose Mourinho einen eklig pragmatischen und effizienten Defensivfußball. Der FC Liverpool unter Jürgen Klopp hat zwar eine Wackelabwehr, aber die Mannschaft pulsiert im Vorwärtsgang, das Umschalttempo ist schwindelerregend. Die Tottenham Hotspurs sind mit extrem viel Talent gesegnet, gut ausbalanciert im Wechselspiel zwischen Ballbesitz- und Konterfußball. Der FC Barcelona, Juventus Turin, Paris St. Germain und auch der FC Bayern werden sich gegen die Premier-League-Klubs mächtig anstrengen müssen.