Rehberg: Gegen Schalke 04 kommt es auf Jhon Cordoba an

Jhon Cordoba muss sich gegen Schalke 04 durchsetzen: Gegen Ingolstadts Alfredo Morales kommt er zu spät. Foto: dpa

Am Freitagabend duellieren sich die 05er in der Coface Arena mit dem FC Schalke 04. Dann wird Jhon Cordoba die zentrale Spitze sein. Jetzt kommt es auf den Kolumbianer an. Denn...

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. Mainz 05 ohne Manager Christian Heidel? Schwer vorstellbar, aber es wird so kommen. Die Rückrunde ohne Yoshinori Muto? Im Verlauf der Winterpause tendierten die Diskussionen dahin: Nein, den Japaner sollte man nicht ziehen lassen, er ist für diese Mannschaft zu wichtig als vorderster Pressingarbeiter, als Dribbler, Sprinter und Toremacher. Englische Außendienstmitarbeiter aus der Abteilung „Einkauf“ hatten keine Chance. Und nun Mutos Verletzung. Außenbandanriss. Die nächsten sieben Spiele werden die 05er ohne den 23-Jährigen auskommen müssen. Beim 0:1 in Ingolstadt sah das Offensivspiel der Mainzer mit dem Bank- und Einwechselspieler Muto nicht gut aus, beim jüngsten 1:0-Sieg in Hannover mit dem Startelfspieler und Tormitvorbereiter Muto ein wenig besser. An diesem Freitagabend duellieren sich die 05er in der Coface Arena mit dem FC Schalke 04. Dann wird Jhon Cordoba die zentrale Spitze sein. Jetzt kommt es auf den Kolumbianer an.

Jetzt kommt es auf Cordoba an

Zweifellos ist Cordoba ein guter Fußballer mit einem athletischen Körper. Der 22-Jährige bringt Physis ein, Technik mit dem Rücken zum Tor, schnelle Drehungen, Wucht und Geschwindigkeit mit dem Ball am Fuß. Cordoba erinnert mit seiner Spielweise an den einstigen Nationalspieler Adolfo Valencia, Spitznamen „El tren“, der Zug. Jener Kolumbianer scheiterte beim FC Bayern. Trotz seiner Antriebs- und Verdrängungsgewalt. Weil er bei unzähligen Chancen zu selten das Tor traf. Wobei, elf Treffer in 26 Spielen, nicht so schlecht. Cordoba hat in sieben Einsätzen in Mainz noch gar kein Tor geschossen. Aber das will nicht viel heißen. Meist stand der 1,88 Meter große Muskelmann nur ein paar Minuten auf dem Feld. In Spanien kam er für Espanyol Barcelona auf vier Treffer in einer kompletten Spielzeit, für den FC Granada waren es in der Primera Division vier Tore in einer Halbsaison. Mit der kolumbianischen U20-Nationalmannschaft hat Cordoba mal die Südamerikameisterschaft bestritten, da erzielte er in sieben Wettbewerbsspielen vier Tore. Bei der folgenden U20-WM ging er wiederum leer aus.

Die Schalker Innenverteidiger Joel Matip und Roman Neustädter kennen Cordoba noch nicht. Vielleicht geht beim kampfstarken Kolumbianer in dieser brisanten Partie unter Flutlicht der Knopf auf. Verlassen kann sich Martin Schmidt aktuell auf seine Flügelzange. Jairo und Christian Clemens haben im Zusammenspiel die vergangenen fünf Mainzer Tore besorgt. Clemens legt vor und der Spanier trifft. Oder umgekehrt. Und das Gefühl bleibt: Beide können noch viel mehr. Ihr jeweiliges Potenzial ausgereizt haben die beiden laufstarken und antrittsschnellen Außenangreifern noch lange nicht. Die Ballverlustquote im Eins-gegen-Eins ist nach wie vor zu hoch. Insbesondere bei Jairo.

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Bei Malli fehlt das innere Feuer – wieder

Das gilt in dieser Rückrunde auch für Yunus Malli. Dessen Tempodribblings braucht die Mannschaft für die Umschaltüberfälle gegen die im Feld Dominanz anstrebenden Schalker. Zuletzt fehlte dem türkischen Nationalspieler nicht nur die Überzeugung. Da fehlte auch das innere Feuer, der Behauptungswille. Wenn schon der siebenfache Hinrunden-Toremacher Muto wegen Verletzung ausfällt, dann darf nicht auch noch der achtfache Hinrunden-Torjäger Malli wegen Formschwäche ohne Wirkung bleiben. Das Flügelduo Clemens/Jairo, das durch die Außenverteidiger Giuiio Donati und Gaetan Bussmann inzwischen im Rücken gut abgesichert ist, wird nicht jedes Spiel entscheiden können.

Ob die Schalker tatsächlich schon stabil sind, das ist schwer zu beurteilen. Der Rückrundenstart misslang mit dem 1:3 gegen Weder Bremen. Das folgende 2:0 in Darmstadt war ein spielerisch solider Arbeitssieg. Das jüngste 3:0 gegen den VfL Wolfsburg war eine beeindruckende Heimvorstellung: Diszipliniert kompakte Defensivarbeit, kluge Spieleröffnung, planvolle Mittelfeldauflösung, viel individuelle Klasse in der Offensive mit Leroy Sané, Max Meyer, Maxim Choupo-Moting und Klaas Jan Huntelaar.

05 muss Konterchancen zielstrebiger durchziehen als bisher

Und dazu kamen die gefährlichen Standards des Ex-05ers Johannes Geis, der mit einem listig gedrehten Freistoß das wichtige 2:0 erzwang. Auch die Haupteckenvariante - Geis auf den kopfballstarken Matip – ist eine Waffe. Da kommt gegen den Ball viel Arbeit zu auf die 05er. Das beginnt schon im Mittelfeldzentrum, wo Julian Baumgartlinger und Danny Latza den Schalker Maschinenraum mit Geis und Leon Goretzka hochtourig und aggressiv beackern müssen. Die präzisen Verteilerflugbälle des Strategen Geis sind in Mainz bekannt. Goretzka ist ein begabter Ankurbler, das 20 Jahre alte Talent befreit sich mit seiner blendenden Technik auch in den ganz eng besetzten Räumen.

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Klar ist: Wenn die 05er die Überraschung schaffen wollen gegen den Tabellenvierten, dann werden sie nicht nur exzellent verteidigen, dann werden sie auch ihre Konterchancen präziser und zielstrebiger durchziehen müssen als bei den ersten drei Rückrundenauftritten. Und Christian Heidel? Da wird es ruhig bleiben bis zur Schalke-Partie. In der kommenden Woche dürfte es dann (wenig überraschende) Verlautbarungen geben.