Rehberg: Heidels Hilfe für die 05er?

Christian Heidel. Archivfoto: Sascha Kopp

Aufregende Abstiegskampf-Tage für Mainz 05. Mit dem Derby gegen Eintracht Frankfurt vor der Brust. Aber auch für die Ex-05er Christian Heidel und Thomas Tuchel geht es derzeit...

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. Die 05er kämpfen tapfer und leidenschaftlich ihren Abstiegskampf. Das 0:0 in Hamburg war ein Erfolg. Wichtig wäre jetzt ein Heimsieg am Samstag im Rhein-Main-Derby gegen die Frankfurter Eintracht. Ob das dann schon die Rettung bedeuten würde, das hängt ab vom FC Schalke 04. Der den Mainzern eine große Freude bereiten könnte mit einem Heimsieg gegen den Hamburger SV. Ist das nicht kurios? Zwei Spieltage vor Saisonende kann Christian Heidel wieder Gutes tun für seinen Heimatklub.

Auch in Schalke hängt ein schiefes Bild

Der einstige Mainzer 25-Jahre-Manager, der sich im vergangenen Sommer in den Ruhrpott verabschiedet und damit auf der 05-Führungsetage ein veritables Chaos ausgelöst hat, kann seinem Lieblingsverein noch einmal helfen. Indirekt natürlich nur. Aber Heidel ist der Macher und Moderator auf Schalke. Einen seelenlosen Auftritt von S04 wie beim trostlosen 0:2 in Freiburg wird der Vorstand Sport nicht noch mal dulden. Sicher nicht nur wegen seiner in sportliche Nöte geratenen Mainzer. Auch am Schalker Markt hängt das Bild ausgesprochen schief an der Wand.

Der zehnte Tabellenplatz nach 32 Spieltagen, nahezu uneinholbare fünf Punkte Rückstand auf den (Stand heute) letzten Europapokalrang, das ist nicht das, was sich der in den Hintergrund getretene Fleischermeister Clemens Tönnies von der Verpflichtung Heidels versprochen hat. Es läuft nicht gut in Gelsenkirchen für die Ex-Mainzer Christian Heidel und Axel Schuster. Auch nicht mit dem Trainer. Markus Weinzierl gewinnt zu wenig Spiele, er bringt keine Konstanz in den Laden.

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Also fordert der smarte Cheftrainer bei Medienauftritten, Schalke müsse endlich „groß denken“. Nun, groß gedacht hat man bei den Knappen schon immer. Weinzierl meint natürlich: Groß handeln. Sprich: Groß einkaufen. Spieler wie Robert Lewandowski müsse Heidel anschleppen. Nicht Lewandowski persönlich, klar, aber Spieler mit einem ähnlichen Entwicklungspotenzial. Respekt. Das ist eine Ansage. Das hörte sich fast schon an wie eine Kriegserklärung.

Lehmanns "Bewerbung"

Und dann hat beim Sonntagabend-Palaver auf Sky auch noch Jens Lehmann auf seine ureigene, lässig arrogante Art Öl ins Feuer gegossen. Schalke sei nicht Mainz, erklärte der einstige Weltklassekeeper mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen. Und dann schob er noch nach: Heidel sei eben nie Fußballer gewesen. Ehemalige Fußballer als Manager könnten das Geschehen auf dem Rasen besser beurteilen. Lehmann: „Die sehen mehr.“ Wahrscheinlich bezog sich der heutige Fernseh-Experte auf sich selbst. Das hörte sich fast schon an wie eine Initiativ-Bewerbung. Wobei noch anzumerken wäre: Heidel hatte einst als technisch beschlagener Libero keinen schlechten Ruf im Mainzer Bezirksliga- und Landesligafußball.

Vielleicht genügt ja für die Europaliga-Qualifikation am Ende auch der siebte Rang. Dann hätten die Schalker im Moment nur vier Punkte Rückstand aufs internationale Geschäft. Doch dafür muss Borussia Dortmund den DFB-Pokal gewinnen. Da kann nun Hans-Joachim Watzke seinem Freund Heidel Gutes tun. Doch danach sieht es gar nicht aus. Mitten in der Entscheidungsphase dieser Saison besteht der Borussia-Boss auf einer immer öffentlicher ausgetragenen Fehde mit seinem Cheftrainer. Und dieser Thomas Tuchel hat ja bekanntlich auch einige Jahre in Mainz gewirkt. Bevor er sich nach einem krawallartig erzwungenen Sabbatjahr in den Ruhrpott veränderte. Und nun weht ihm trotz vieler Erfolge am Gürtel in Dortmund ein extrem rauer Wind ins Gesicht.

Plaudern über Mainzer Zeiten

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Vielleicht sollten sich Heidel, Watzke und Tuchel mal zusammen an einen Tisch setzen. Dann könnte Heidel erzählen, dass sich in Mainz selbst der eigenwillige Tuchel niemals gewagt hätte, öffentlich den Manager herauszufordern mit utopischen Einkaufswünschen. Tuchel könnte erzählen, dass sich in Mainz der Manager niemals am Tag vor einem wichtigen Spiel in einem Interview kritisch mit seinem Trainer auseinandergesetzt hätte. Und Watzke könnte erzählen, dass das mit dem Ex-Mainzer Jürgen Klopp, wie Tuchel eine Heidel-Entdeckung, damals alles viel schöner war. So abends gemütlich mit ein paar Bierchen im Zigarettenqualm munter plaudern am Tresen... Tuchel, Deutschlands bekanntestes Fastengesicht, der Fleisch gewordene Liebhaber von veganem Hüttenkäse und sehr stillem Wasser, ist nun mal kein Freund von geselligen Runden in nikotingeschwängerten Kneipen.

Irgendwie ist alles, was einst in Mainz so idyllisch begonnen hat, aus dem Ruder gelaufen. Das wird sich auch Harald Strutz denken. Der am 25. Juni auf der Mitgliederversammlung nicht antreten darf zur Wahl des Vorstandsvorsitzenden. Da hat der Heidel doch immer alles so schön entschieden und gemacht am Bruchweg. Und nun diese Undankbarkeit dem Klubchef gegenüber. Plötzlich will keiner, nicht mal mehr die eigenen Vorstandskollegen, einsehen, dass der gefeierte Langzeitmanager das alles nur schaffen konnte, weil sich der 30-Jahre-Ehrenamtspräsident trotz stattlicher Bezahlung nie in die Arbeit eingemischt hat.

Es wird Zeit, dass diese umwälzlerische Saison zu Ende geht. Bis dahin sollten die 05er noch die Eintracht schlagen, die Schalker den HSV - und später die Dortmunder in Berlin die Frankfurter. Dann werden alle 05er und Ex-05er und Noch-05er doch noch glücklich. Und dann kauft Heidel auf Schalke groß ein (aber nicht mehr für Weinzierl...), Watzke sucht bei einer Tasse Bio-Kakao und mit einer batteriebetriebenen Kippe zwischen den Zähnen die Versöhnung mit Tuchel, Tuchel verabschiedet sich beleidigt in sein nächstes Sabbatjahr - und Strutz gönnt sich endlich mal wieder Urlaub.