Rehberg: Ingolstadt, vom "Verliererteam" zur Siegerelf

Ralph Hasenhüttl Foto: dpa

Endlich beginnt der Ball wieder zu rollen. Die Mainzer starten gut vorbereitet und mit einem starken Team in die Saison. Dort treffen sie am Samstag als erstes in der Coface...

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. Diese Vergleiche sind gefährlich. In diesem Fall kann man es wagen: Ralph Hasenhüttl erinnert an Jürgen Klopp. Knochenarbeit, Ehrgeiz und Erfolg verbunden mit Erdverbundenheit, Intelligenz, Lässigkeit, Begeisterung und Humor, dafür steht auch der Trainer des FC Ingolstadt. Der Österreicher kam in die Audi-Stadt im Oktober 2013, dort übernahm der Fußballlehrer am zehnten Spieltag einen Zweitligaletzten. Am 15. Spieltag hatte der 48-Jährige mit dem „Verliererteam“ schon die Abstiegsränge verlassen, am Saisonende wurde der Klub mit 44 Punkten noch Zehnter.

In der Saison darauf übernahm Hasenhüttl mit seiner gar nicht mal sonderlich teuer verstärkten Elf am 8. Spieltag die Tabellenspitze. Dabei blieb es. Zweitligameister 2014/15. Aufstieg. Am Samstag (15.30 Uhr) bestreitet der FC Ingolstadt in der Mainzer Coface Arena das erste Bundesligaspiel in der Klubgeschichte. Hasenhüttl, ebenso wie der schauspielernde und politisierende Kraftprotz Arnold Schwarzenegger ein Sohn der Stadt Graz, wirkt noch genauso normal und entspannt wie an seinem ersten Tag in Ingolstadt.

Hasenhüttl: in Österreich eine große Nummer

Als Mittelstürmer war der 1,91 Meter große Hüne in Österreich eine Nummer, in Deutschland nicht. Acht Länderspiele, dreimal Landesmeister mit Austria Wien (146 Spiele/45 Tore) und einmal mit Austria Salzburg. Mit dem 1. FC Köln ist er als Stürmer 2000 mal in die Bundesliga aufgestiegen, oft getroffen hat er nicht. Ein wenig besser lief es bei der SpVgg Greuther Fürth, toll war das auch nicht. Als der damals 33 Jahre alte Jürgen Klopp am 25. Februar 2001 in Fürth sein letztes Zweitligaspiel bestritt, da besorgte der Einwechselstürmer Hasenhüttl das 3:1 für die Kleeblätter gegen desolate Mainzer.

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Klopp wurde drei Tage später Trainer. Der ebenfalls 1967 geborene Hasenhüttl wechselte als Routinier zu den blutjungen Amateuren des FC Bayern. Dort war er dann in der von Hermann Gerland trainierten Regionalligamannschaft 17 Jahre älter als der Azubi Bastian Schweinsteiger, 16 Jahre älter als der Azubi Philipp Lahm und 14 Jahre älter als die späteren 05-Profis Markus Feulner und Florian Heller; zu diesem Team gehörten auch noch Keeper Michael Rensing, Zvjezdan Misimovic, Piotr Trochowski und Patrick Ochs. Eine nette Generation. „Opa“ Hasenhüttl schoss 14 Tore.

Hitzfeld und Henke: Erfolgreichstes Trainergespann

Zu jener Zeit feierte Ottmar Hitzfeld große Erfolge mit der Bundesligamannschaft des FC Bayern. Champions-League-Sieger und Weltpokalsieger 2001, Meister 1999, 2000, 2001 und 2003. Hitzfelds Co-Trainer und Spielanalytiker war Michael Henke. Und das schon seit den gemeinsamen Zeiten bei Borussia Dortmund mit den Meistertiteln 1995 und 96 und dem Champions-League-Triumph von 1997. Hitzfeld und Henke, das ist das erfolgreichste Trainergespann in der Geschichte der Bundesliga.

Dieser hoch dekorierte Westfale Michael Henke (58), der sich über 20 Jahre nahezu ausschließlich mit Weltklassefußball und Weltklassespielern beschäftigt hat und der bei seinem einzigen Cheftrainerversuch (beim 1. FC Kaiserslautern) schon nach wenigen Monaten brutal gescheitert ist als Bundesligaletzter, ist seit 2013 der Co-Trainer von: Ralph Hasenhüttl - der zuvor lediglich die SpVgg Unterhaching und den VfR Aalen angeleitet hatte. Hasenhüttl und Henke stehen für den Riesenerfolg des FC Ingolstadt. Das Trainerduo hat aus den einstigen Verlierern ein Siegerteam geformt. Teilweise schlampige Talente sind zu ernsthaft und leidenschaftlich arbeitenden Profis geworden.

Pascal Groß ist Standardkönig

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Nur ein Beispiel: Pascal Groß. Der Sohn des langjährigen Bundesligaprofis Stephan Groß (Mittelfeldspieler beim Karlsruher SC von 1978 bis 85, B-Nationalspieler, später Co-Trainer von Hans-Jürgen Boysen beim Zweitligisten Offenbacher Kickers) ist in Mannheim geboren, er war U17-Meister und U19-Pokalsieger mit der TSG Hoffenheim, er spielte für den DFB in der U18, in der U19 und in der U20. Dann kam der Knick. Null Entwicklung beim KSC. Nun, im Alter von 24 Jahren, ist Groß der entscheidende Mann beim Ingolstädter Aufstieg gewesen - mit nicht weniger als 23 Torvorbereitungen als Mittelfeldspieler. Pascal Groß ist der Standardkönig, ein Techniker und kreativer Passlieferant.

Spieler mit prominenter Verwandtschaft gibt es noch mehr in der Ingolstädter Erfolgself. Benjamin Hübner (26) ist der Sohn von Eintracht-Manager Bruno Hübner. Der ältere Bruder Christopher (29) spielt beim Oberligisten SV Wiesbaden, der jüngere Bruder Florian (24) beim Zweitligisten SV Sandhausen. Der in Wiesbaden geborene Benjamin Hübner, ein 1,93 Meter großer Innenverteidiger, spielte schon in Aalen unter Hasenhüttl. Nebenmann von Hübner im Abwehrzentrum ist Marvin Matip (29), das ist der ältere Bruder des Schalker Stammspielers und Innenverteidigers Joel Matip (24).

Mittelstürmer mit Schlagerstar-Geschichte

Und dann gibt es noch Lukas Hinterseer (24). Der in Kitzbühel aufgewachsene, 1,92 Meter hohe Mittelstürmer ist der Neffe des einstigen Skistars und späteren Volksmusikinterpreten Hansi Hinterseer, der lange Jahre in Karl Moiks Musikantenstadl gefeiert wurde. Opa Ernst Hinterseer war 1960 Slalom-Olympiasieger. Die Familie hatte Probleme damit, die Fußballkarriere von Lukas Hinterseer - dessen Bruder Patrick natürlich ein Skirennfahrer wurde -, mit Begeisterung zu begleiten. Der Junge hat sich durchgesetzt. Start bei Wacker Innsbruck, Wechsel zum FC Ingolstadt, neun Zweitligatore, Bundesligaaufstieg, sechs A-Länderspiele für Österreich. Alles gut.

Wie es um die taktische und spielerische Qualität des FC Ingolstadt bestellt ist und wie die 05er darauf reagieren können, das behandeln wir im morgigen Blog.