Rehberg: Kader in der Winterpause neu geordnet

Emil Berggreen (links, hier im Duell mit dem 1860er Christopher Schindler) verlässt Eintracht Braunschweig und stürmt künftig für den FSV Mainz 05. Foto: dpa

Die 05er haben in dieser Winterpause ihren Kader noch mal neu geordnet. Drei kommen, fünf gehen. Der Verein weist inzwischen eine fußballerische Qualität aus, die es...

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. Die 05er haben in dieser Winterpause ihren Kader noch mal neu geordnet. Der Zugang Giulio Donati von Bayer Leverkusen ist mit seiner sportlichen Vita als Rechtsverteidiger ein potenzieller Startelfspieler. Die Stürmer Karim Onisiwo vom SV Mattersburg und Emil Berggreen von Eintracht Braunschweig sind Talente, die man auf Bundesliganiveau noch nicht seriös einschätzen kann. Die Abgänger Gonzalo Jara (Chile), Niki Zimling (FSV Frankfurt), Maximilian Beister (1860 München), Florian Niederlechner (SC Freiburg) und Todor Nedelev (Bulgarien) haben aus unterschiedlichen Gründen nicht die Rolle gespielt, die sie gerne gespielt hätten.

Eines lässt sich festhalten: Die 05er weisen inzwischen eine fußballerische Qualität aus, die es zunehmend schwieriger macht, Stammspieler von Bundesligaabsteigern, Topkräfte aus der Zweiten Liga oder noch sehr junge Spieler aus dem Ausland in einem überschaubaren Zeitraum an den Spielkader oder gar an die Startelf heranzuführen. Das gilt insbesondere für Offensivspieler. Bei Chinedu Ede (inzwischen in Holland) und Dani Schahin (FSV Frankfurt) hat das nicht funktioniert, auch nicht bei Beister, Niederlechner und Nedelev. Mittelstürmer, Flügelstürmer und Zehner tun sich auf diesem Weg offensichtlich schwerer als Defensivspieler.

Wirtschaftliche Verluste zeichnen sich ab bei Schahin, Nedelev und Zimling

Da haben teilweise Verletzungen dazwischen gefunkt, da war teilweise die Persönlichkeit nicht ausgeprägt für einen nächsten Entwicklungsschritt (was bei Verpflichtungen grundsätzlich nie verlässlich abgeprüft werden kann), teilweise hat das Können nicht ausgereicht oder nicht zur am Bruchweg praktizierten Spielweise gepasst. Das kommt vor. Nennenswerte wirtschaftliche Verluste zeichnen sich ab bei Schahin, Nedelev und Zimling. Das ist in diesem Geschäft normal und für den Klub verkraftbar. Bei Niederlechner ist es vom Alter und von den Entwicklungsmöglichkeiten her noch zu früh, ein abschließendes Urteil zu fällen.

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Unterbesetzt im Kader für die Restrückrunde ist nur die Zehnerposition, da sitzt Yunus Malli in diesem Moment kein ernsthafter Herausforderer im Nacken. Auf allen anderen Feldspielerposten darf man von interessanten, teilweise durchaus hochwertigen Konkurrenzsituationen sprechen. In der Innenverteidigung üben Routinier Niko Bungert und der junge Alexander Hack Druck aus auf die aktuellen Startelfspieler Stefan Bell und Leon Balogun.

Links hinten duellieren sich Bussmann und Bengtsson

Links hinten duellieren sich mit unterschiedlichen Stärken in Defensive und Offensive Gaeten Bussmann und Pierre Bengtsson. Rechts hinten duellieren sich mit unterschiedlichen Stärken in Defensive und Offensive Daniel Brosinski und der in der Champions League gestählte Donati. Auf der Sechserposition können sich Julian Baumgartlinger und Danny Latza nie sicher fühlen, denn der erfahrene Fabian Frei und der junge Suat Serdar haben ebenfalls Qualität, der eine als Stratege, der andere als giftiger Balleroberer.

Große Konkurrenz im Sturm

Auf den Flügeln sind Jairo und Christian Clemens aktuell vorne. Pablo de Blasis, auf Sicht Onisiwo (wenn er mal die Spielerberechtigung in Händen hält), Yoshinori Muto und im Bedarfsfall auch der gelernte Stürmer Brosinski sind ansprechende Startelfalternativen und/oder geeignete Einwechseloptionen. Als Mittelstürmer bieten sich an: Muto, Jhon Cordoba - und nun noch Emil Berggreen. Muto ist ein zentraler Konterstürmer, Cordoba ist ein laufstarker, aggressiver, wuchtiger Ballhalter und Ballverteiler, Berggreen ist ein groß gewachsener, beweglicher, technisch gut geschulter Mittelstürmer, der die bislang vermisste Torgefährlichkeit in der Luft einbringt.

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Werfen wir einen Blick auf den 22 Jahre alten, 1,94 Meter großen und kopfballstarken Dänen. Fünf Tore in der Rückrunde 2014/15, fünf Tore in der Vorrunde 2015/16 für den Zweitligisten Eintracht Braunschweig, das ist für einen Entwicklungsspieler in Ordnung. Diese Bilanz verteilt sich gleichmäßig auf Treffer mit dem rechten Fuß, mit dem linken Fuß und mit dem Kopf.

Bei der U21-EM 2015 in Tschechien hatte Berggreen zwar nur einen Kurzeinsatz im dänischen Team, aber da gab und gibt es ja auch noch das Riesentalent Youssuf Poulsen von RB Leipzig. Insgesamt scheint da in Dänemark eine sehr gute U21-Generation heranzureifen mit Frederik Sörensen (1. FC Köln), Jannik Vestergaard (Werder Bremen), Andreas Christensen (FC Chelsea, ausgeliehen an Borussia Mönchengladbach), Pierre-Emil Hojberg (FC Bayern, ausgeliehen an Schalke 04), Uffe Bech (Hannover 96) sowie Poulsen und Berggreen.

Dänischer Vater und kroatische Mutter

Berggreen hat einen dänischen Vater und eine kroatische Mutter. Im Frühjahr 2014 ließ der Sohn die Überredungsversuche von Seiten des kroatischen U21-Nationaltrainers an sich abprallen. Im September feierte er dann sein Debüt im dänischen Nachwuchsteam mit dem Tor zum 5:1 beim 7:1 in der EM-Quali gegen Bulgarien. Der Stürmer ist aufgewachsen in der Region Kopenhagen. Sein letztes Juniorenjahr verbrachte er 2011/12 in der U19 des FC Nordsjaelland; da startete der ehemalige 05-Trainer Kasper Hjulmand bei diesem Klub gerade seine Karriere als Cheftrainer. Danach absolvierte Berggreen 50 Zweitligaspiele (13 Tore) für Bronshoj BK. Die Braunschweiger entdeckten den langen Kerl schließlich beim Erstligaaufsteiger Hobro IK (17 Einsätze und drei Tore bis zum Wechsel im Winter 2015 nach Deutschland).

Gescheitert ist am Bruchweg mal der Däne Morten „Duncan“ Rasmussen (nur fünf Einsätze und zwei Tore 2010/11 unter Thomas Tuchel). Berggreen kennt den Torjäger: Als Hobro IK im September 2014 zu Hause gegen den FC Midtjyland mit 1:5 unterging, da schoss Rasmussen drei Tore für den Spitzenklub. „Duncan“ fehlte für eine Bundesligakarriere die nötige Technik. Die hat der junge Emil Berggreen am Start. Und mit U17-Trainer Bo Svensson trifft der Däne auch nach dem Abgang von Niki Zimling noch einen Landsmann an in Mainz.