Rehberg: Klopp und Spieler funken nicht mehr auf einer...

Jürgen Klopp verkündet an diesem Tag seinen Abschied von Borussia Dortmund zum Saisonende. Foto: dpa

Der Abgang von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund war keine einsame Entscheidung des Trainers, auch die Klubverantwortlichen hatten das Gefühl, dass der Zeitpunkt für eine...

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. Die Zwischentöne sind es, die signalisieren: Der Abgang von Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund war keine einsame Entscheidung des Trainers, auch die Klubverantwortlichen um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc hatten das Gefühl, dass der Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen war. Die Begründung des Dortmunder Volkshelden für das Ende im Kohlenpott sprach Bände. Würde ich bleiben, erklärte Klopp, dann müsste sich hier viel verändern, wenn ich gehe, dann können hier viele Dinge gleich bleiben.

Was nichts anderes heißt, als: Die aktuelle Spielergeneration des BVB und der Erfolgstrainer funken nicht mehr auf einer Wellenlänge. Das sechs Jahre lang hell lodernde Feuer in diesem engen sozialen Miteinander ist erloschen. Die Gründe dafür? Das ist eine komplexe Gemengelage.

Für Klopp ist Fußball mehr als nur Fußball. Für den begnadeten Menschenfänger ist eine Mannschaft wie eine Familie. Und die schickt der 47-Jährige auf eine Mission. Mit einer vom Trainer vorgegebenen Denkart und Herangehensweise. Die vielen jungen Spieler, die 2008 diese Mission aufgesaugt, bedingungslos verinnerlicht und mitgetragen haben, sind älter, erwachsener, eigenständiger geworden. Und mitten hinein in diesen sehr natürlichen Entwicklungsprozess platzte der Misserfolg.

Aus dem Nichts Tabellenvorletzter

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Deutscher Meister 2011 und 2012, DFB-Pokalsieger 2012, Champions-League-Finalist 2013, noch einmal Pokalfinalist im Frühsommer 2014. Erfolge, die sich kein Fan und kein Experte bei Klopps Amtsantritt im Sommer 2008 hätte vorstellen können für diesen Klub. Und im Winter 2014 war diese Mannschaft dann wie aus dem Nichts Tabellenvorletzter in der Bundesliga. Abstiegskampf mit einer Spitzenmannschaft, die gespickt ist mit fünf Spielern aus Jogi Löws Weltmeisterkader.

Spätestens das war der Moment, ab dem es für Klopp schwierig wurde, den Familienzusammenhalt zu wahren, diese intensive, alle extrem fordernde, lange Jahre mit Stolz als besonders empfundene Herangehensweise unter Strom zu halten.

Erfolg hält aufkommende Strömungen der Verselbstständigung, der wachsenden Emanzipierung vom magischen Lehrmeister zusammen. Misserfolg nicht mehr.

Fünf Weltmeister sorgen für Ärger

Klopp wird das gespürt haben. Die fünf Weltmeister kamen vom Turnier in Brasilien zurück mit einem ganz neuen Selbstverständnis. Das waren fortan keine fügsamen Soldaten mehr. Im Kader regte sich Widerstand gegen das überdrehte Auftreten der WM-Stars, die ihr Heldentum offen zur Schau trugen - vor dem Hintergrund gravierender Formprobleme. Dazu kam eine dramatische Verletzungsseuche. Der Abgang von Torjäger Lewandowski war nicht kompensierbar. Der etablierte, in Europa gefeierte Herausforderer des Imperiums FC Bayern München wurde zum Serienverlierer.

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Natürlich macht diese Situation auch etwas mit dem Vordenker. Wenn ein Erfolgsmensch wie Jürgen Klopp, der in den ersten Monaten seiner Zeit als Jungtrainer am Bruchweg mal erzählte, er können sich gar nicht vorstellen, drei, vier Spiele hintereinander zu verlieren, dafür könne man unter der Woche im Training an viel zu vielen Schrauben drehen, nicht gewinnt, das kennen wir aus Mainz, dann wird er übellaunig. Dann ist der im Erfolg feierfreudige und lebensbejahende Optimist nur noch schwer genießbar. Das sorgt für eine angespannte Atmosphäre.

Die Auseinandersetzungen mit BVB-Führungsfiguren wie Roman Weidenfeller oder Sebastian Kehl (am vergangenen Wochenende) sind sicher nicht die Ursache für Klopps Ende in Dortmund, aber das sind Symptome einer Krise im Miteinander. Risse innerhalb einer Familie, das ist bekannt, sind zuweilen besonders tief und besonders schwer zu kitten.

Trennung macht Sinn

Die Trennung macht Sinn und sie verläuft stilvoll. Das Abschiedsfest in Dortmund dürfte jenes im Frühsommer 2008 auf dem Mainzer Gutenberg-Platz noch übertreffen. Klopp wird mit seinem Fachwissen, seiner Persönlichkeit, seiner Leidenschaft und mit seiner an Magie grenzenden Überzeugungskraft weiterhin Erfolg haben. Ob der Nachfolger Thomas Tuchel heißt, das wissen wir nicht. Wenn ja, dann wird der Ex-05er eine neue, sicher auch nicht unerfolgreiche BVB-Mannschaft bauen. Auf gesellige Abende mit dem Trainer bei einem oder auch mehreren Bierchen am Tresen werden Watzke und Zorc dann aber verzichten müssen.