Rehberg: Laufbereitschaft, Balljagd und Tempo gefragt

Er hat es nicht leicht bei seinem Start in Mainz, der neue Trainer Kasper Hjulmand, hier vor dem Spiel gegen Asteras Tripolis. Foto: Harald Kaster

Einfach wird es Kasper Hjulmand nicht gemacht. Nun verliert der neue 05-Coach nach dem zweitbesten Torschützen, Tempodribbler Maxim Choupo-Moting, mitten in der...

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. Günstig ist das für Kasper Hjulmand nun nicht gelaufen. Neuer Job, hohe Erwartungshaltung, Europapokalaufgabe mitten in der Sommervorbereitung, WM-Fahrer mit rückständiger Fitness und schwer zu kalkulierendem Gemüt im Kader. Und dann bricht nach fünf Wochen Vorbereitung auch noch der drittbeste Torschütze der Vorsaison weg. Nicolai Müller, aggressiver Anläufer gegen den Ball, Turbosprinter, Konterspezialist, Tempobolzer, hat mit seinem aktiv betriebenen Wechselgedöns nicht nur die Kaderatmosphäre vor dem Heimspiel gegen Asteras Tripolis belastet, vor dem Rückspiel an diesem Donnerstag ist nun auch klar, dass der 05-Trainer perspektivisch beide Flügel neu besetzen muss.

Maxim Choupo-Moting (zehn Saisontore) zum FC Schalke 04, Nicolai Müller (neun Saisontore) zum Hamburger SV. Transfereinnahmen: rund fünf Millionen Euro. Nicht viel für die Klasse dieser beiden Spieler. Einziger Offensivzugang bislang: Filip Djuricic, 22, genannt der "Johan Cruyff des Balkans", aber erst nach dem Sommer-Trainingslager gekommen, im Übungsbetrieb noch in der Findungsphase. Ersatz für Müller, den Angreifer, der dafür stand, mit und ohne Ball die Laufwege in die Tiefe zu suchen? Noch nicht da. Kopfballstarker Tempodribbler weg. Pressingstarker Tiefensprinter weg. Einfach gemacht wird es Hjulmand am Bruchweg nicht.

Mit einer unfertigen Mannschaft nach Tripolis

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Und nun der Ergebniszwang in Tripolis. Mit einer unfertigen Mannschaft. Die sich den glücklichen 1:0-Heimsieg gegen die Griechen abgewürgt hat. Doch das passiert. Schauen wir zum Spaß mal auf einige andere Duelle in dieser 3. Quali-Runde.

Dynamo Moskau, gespickt mit russischen Nationalspielern und im Sturmzentrum besetzt mit dem einstigen Bundesliga-Torjäger Kevin Kuranji, ist zu Hause gegen Hapoel Ironi Kirjat Schmona (schon mal gehört?) über ein 1:1 nicht hinaus gekommen; vor dem Rückspiel hat sich Dynamo noch schnell mit dem französischen Weltklassespieler Mathieu Valbuena verstärkt, Ablöse: 10 Millionen Euro. Der kroatische Liga-Dritte Hajduk Split ist bei den Kasachen von Schachtjor Quaraghandi (schon mal gehört?) mit 2:4 eingegangen. Der polnische Liga-Zweite Lech Posen hat bei den Isländern von UMF Starnau (schon mal gehört?) mit 0:1 verloren. Der aufstrebende, von einem schwerreichen Baulöwen aufgepäppelte österreichische Liga-Dritte SV Grödig (kennen wir, dort haben die 05er in Sommer-Trainingslagern Testspiele absolviert) hat sich zu Hause gegen die Moldawier von Zimbru Chisinau mit 1:2 blamiert.

Weiße Flecken auf der Landkarte

Soll genügen. Man kann in dieser 3. Quali-Runde gegen weiße Flecken auf der Fußballlandkarte in die Falle tappen. Das ist den 05ern zunächst einmal nicht passiert. Und der Bundesligasiebte der Vorsaison bleibt auch im gerade mal 7.717 Zuschauer fassenden Theodorosos-Kolokotronis-Stadion in Tripolis der klare Favorit. Die Griechen haben im August 2013 in der 3. Quali-Runde in diesem Stadion Rapid Wien ein 1:1 abgetrotzt (das Rückspiel in Österreich ging 1:3 verloren). Dennoch bleibt festzuhalten: Furchteinflößend war die Vorstellung der Mannschaft von Trainer Staikos Vergetis in der Coface Arena nicht. Die 05er haben sich ihre Probleme selbst geschaffen - mit ihrem viel zu tempoarmen und gegen den Ball wenig aggressiven Spielstil.

Die kleinen, wendigen, leichtfüßigen Konterstürmer von Asteras haben nicht schlecht ausgesehen in Mainz. Außenstürmer Ziguy Badibanga und Mittelstürmer Pablo de Blasis hatten gefährliche Szenen. Aber warum? Weil das Team von Kasper Hjulmand im Mittelfeld die gegnerischen Passgeber nicht unter Druck gesetzt hat, und weil die 05-Innenverteidiger keine aggressive Nachvorne-Verteidigung praktiziert haben.

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Zweikämpfe? Das kann die 05-Defensive besser

Der junge Belgier Badibanga und der Argentinier De Blasis, beide flott auf den Füßen, aber nur mäßig torgefährlich, durften immer wieder ungestört den Ball annehmen, sie durften sich drehen, sie durften ein wenig tricksen, sie durften mit Ball am Fuß weglaufen. Ob das Thema Zweikampfschärfe und Pressing nun schon im Aufbaulehrplan von Hjulmand dran war oder auch nicht (Schüler reden sich damit gerne raus, nach dem Motto: …hatten wir noch nicht, haben wir noch nicht durchgenommen): Das kann die 05-Defensive definitiv besser - selbst wenn man die Spieler mitten in der Nacht aus dem Bett und auf den Platz jagen würde.

Einen Außenseiter physisch bearbeiten, das geht immer. Das kann keine Frage des Vorbereitungsaufbaus sein. Zumal diese Mainzer Mannschaft in den vergangenen Jahren das aggressive Anlaufen in den vorderen Regionen, die krachende Balleroberung im Mittelfeld, die wuchtige Nachvorneverteidigung in der letzten Reihe mit dem Hammer eingetrichtert bekommen hat. Hjulmand müsste nur einen Knopf drücken, und die Mannschaft würde dieses Basis-Knowhow sofort wieder lustvoll und auf einem nützlichen Niveau abrufen. In einem K.o.-Spiel, in dem nun auch die Nerven eine Rolle spielen, könnte das eine sehr wichtige Stütze sein.

Kasper Hjulmand hat personell keine große Auswahl, Geschwindigkeit und Tiefe in die Laufwege auf den Flügeln zu bekommen. Auch deshalb ist es wichtig, in Tripolis Laufbereitschaft, enge Abstände, Kampf, Balljagd und Tempo zu aktivieren. In Griechenland geht es um das Ergebnis, weniger um eine Weiterentwicklung im exzessiv trainierten Passspiel.