Rehberg: Macht immer mehr Geld den Fußball besser?

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Fans wehren sich. Fans kämpfen für ihre ureigenen Interessen. Fans haben ein Auge auf die Bewahrung wesentlicher Werte im Fußball. Die Ablehnung der ausufernden...

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. Den Auftakt der Montagspielserie in dieser Saison in der Frankfurter WM-Arena haben Fan-Initiativen mit Protestaktionen begleitet. Unter anderem flogen in der Halbzeitpause ein paar tausend Tennisbälle auf den Rasen. Die beteiligten Vereine Eintracht Frankfurt und RB Leipzig waren davon zuvor informiert worden. Deshalb waren genügend Ordner vor Ort, die Folgen des Tennisballregens waren schnell beseitigt.

Wir haben gelernt, dass seit Bestehen der Bundesliga aus unterschiedlichen Gründen bereits zwölf Montagspiele stattgefunden haben. Bevor die DFL in dieser Saison den Montag offiziell zu einem Bundesliga-Spieltag erklärt hat, um bei der Vergabe der Fernsehrechte mehr Bieter zufriedenstellen zu können – und damit mehr Geld zu erzielen.

Entwicklung begann vor zwei Jahrzehnten

Dass Arbeitnehmer Urlaub nehmen müssen, um an diesen Montagen ein Auswärtsspiel ihres Lieblingsklubs live im Stadion erleben zu können, das ist unbefriedigend. Begonnen hat das aber schon vor zwei Jahrzehnten. In der Zweiten Liga. Damals war jeder Zweitligist stolz darauf, für ein Montagspiel nominiert zu werden. Das war die einzige Chance für Zweitligisten, im TV ein Livespiel zu bekommen. Die entsprechenden Mehreinnahmen haben die klammen Zweitligisten mit großer Begeisterung registriert. War das schon der Beginn der hemmungslosen Kommerzialisierung?

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Die Anhänger haben anfänglich gemurrt. Aber die Akzeptanz wuchs. Weil zusätzliches Geld in den unterfinanzierten Bundesliga-Unterbau floss - und weil die für einen Klub seltenen Live-Übertragungen eben ein Erlebnis waren. Das Montagspiel in der Zweiten Liga hat sich etabliert. Obwohl die Fans nicht weniger weite Reisen auf sich nehmen müssen an diesem Werktag.

Natürlich nervt viele Fans zusätzlich die späte Ansetzung der Spiele durch die DFL. Das erschwert mittelfristige Reiseplanungen. Auf der anderen Seite registriert man, mit welchem Stolz zum Beispiel die Anhänger der Eintracht den aktuellen Erfolg ihrer Mannschaft feiern. In Frankfurt werden Gehälter jenseits der zwei Millionen Euro pro Saison bezahlt, in Frankfurt werden mittlerweile auch schon Ablösesummen von bis zu acht Millionen Euro rausgehauen. Das macht gute Tabellenplätze zumindest wahrscheinlicher. An diesem Punkt kommen wir nicht vorbei: Kommerzialisierung sorgt für mehr Geld, die stattlichen Einnahmen aus dem TV-Geld-Topf finanzieren an einigen Standorten den kompletten Personaletat, sorgen für Wettbewerbsfähigkeit und sichern auch Arbeitsplätze in der Kluborganisation ab.

Es gibt keine einfachen Wahrheiten

Bei komplexen Wirkungszusammenhängen gibt es keine einfachen Wahrheiten. Der deutsche Profifußballbetrieb befindet sich in einer internationalen Konkurrenzsituation. England galoppiert wirtschaftlich betrachtet davon. Ohne Stoppschild. Die exorbitant hohen TV-Geld-Einnahmen auf der Insel rühren her von einer besonderen Konkurrenzsituation auf dem Markt der privaten Fernsehanbieter und von besseren Chancen bei der Auslandsvermarktung. Die Deutsche Fußball-Liga bemüht sich darum, auf diesen Märkten Rückstände aufzuholen. Dabei schlachten die Funktionäre Heilige Kühe wie die angemessene Berechenbarkeit der Spielpläne.

Stehen DFL- und Klub-Interessen über den Interessen der Stadionbesucher? Entfernt sich der milliardenschwere Fußballplanet immer weiter von der irdischen Fan-Basis? Macht immer mehr Geld den Fußball tatsächlich besser, interessanter, spannender? Diese Diskussion muss geführt werden. Und diese Diskussion nebst den entsprechenden Fan-Protesten müssen die DFL und die Klubs aushalten.