Rehberg: Mainz 05 darf sich nur auf sich selbst konzentrieren

Levin Öztunalis Zug zum Tor von wird gegen Eintracht Frankfurt gebraucht. Archivfoto: Sascha Kopp

90 Minuten durchziehen, rennen, sprinten, Bälle jagen, gegnerische Konterversuche einsammeln, Tempo aufziehen, den gegnerischen Strafraum bedrohen - und natürlich ein Tor mehr...

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. Der Tag, an dem im Abstiegskampf die ersten Entscheidungen fallen könnten, ist gekommen. Die 05er haben einen Auftrag: Ein Sieg in der Opel Arena gegen die Frankfurter Eintracht. Sollte der Hamburger SV zeitgleich auf Schalke verlieren, dann können die Mainzer das Thema Zweite Liga in der Schublade verschwinden lassen. Dann wird in der Arena die „Humba“ zelebriert, eine lange Ehrenrunde gelaufen, gesungen und getanzt. Jede andere Konstellation beschert der Mannschaft von Martin Schmidt am letzten Spieltag die Teilnahme an der Abstiegskampfkonferenz.

Von daher macht es auch überhaupt keinen Sinn, sich an diesem Samstag mit den Zwischenergebnissen von den anderen Plätzen zu befassen. Die Tür zu einer vorzeitigen Entscheidung können die 05er ausschließlich mit einem 3-Punkte-Erfolg im Derby aufstoßen. Das ist eine glasklare Perspektive. 90 Minuten durchziehen, rennen, sprinten, die ersatzgeschwächte Eintracht quälen, Bälle jagen, gegnerische Konterversuche einsammeln, Tempo aufziehen, den gegnerischen Strafraum bedrohen, Abschlüsse erzwingen, ein Tor mehr schießen als die Eintracht.

Das sind die Programmpunkte auf der Tages-Agenda. Und dann hören die Spieler gegen 17.20 Uhr, wie der FC Ingolstadt, der HSV, der VfL Wolfsburg und der FC Augsburg gespielt haben. Das Minimalziel wäre in diesem Moment, dass der direkte Abstieg vermieden ist. Das große Ziel: Auch keine „Psycho-Spiele“ gegen den Zweitligadritten.

Gefühls-Wirrwarr der Eintracht ausnutzen

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Derby-Geklapper braucht es diesmal nicht. Uninteressant. Wir wissen, dass die Frankfurter seit 1986/87 in Mainz nicht mehr gewonnen haben; und das war damals ein DFB-Pokal-Spiel. Wir wissen, dass Martin Schmidt im Februar 2015 sein Debüt gefeiert hat als Bundesligatrainer mit einem 3:1-Heimerfolg im Rhein-Main-Derby. Wir wissen, dass der Eintracht mit Jesus Vallejo, Makoto Hasebe, Omar Mascarell und Alex Meier wichtige Stützen fehlen. Wir wissen, dass die SGE beim jüngsten 0:2 im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg kämpferisch, taktisch und spielerisch keine gute Leistung abgerufen hat. Und wir wissen, dass die Eintracht am 27. Mai in Berlin gegen Borussia Dortmund das DFB-Pokalfinale bestreiten wird.

Diese für die Mainzer nicht ungünstigen Nebengeräusche werden nur dann mit kleinen Prozentpunkten eine Rolle spielen, wenn die 05er das im Verlauf des Spiels mit ihrem Auftreten provozieren. Die Schmidt-Elf muss mit Leidenschaft, Kampfbereitschaft und kerniger Entschlossenheit von der ersten Minute an klarmachen, wen hier das stärkere, das bedeutendere Motiv antreibt. Diese Mentalität müssen die 05er konsequent durchdrücken.

Intensität weist den Weg

Freiwillig die Leine lockern, nein, das wird die im gesicherten Tabellen-Mittelfeld platzierte Elf von Niko Kovac im Derby nicht anbieten. Die 05er müssen ihre Vorteile mit dem schweren Gerät herausarbeiten, dem Gegner Schritt für Schritt und Meter für Meter abringen. Abrissbirne, Bagger und Planierraupe. Angeleitet und getragen von Überzeugung, Willenskraft und einer ekligen Giftigkeit in der Vorwärtsverteidigung. Wer in dieser Art antritt, der wird sich auch binnen weniger Minuten die nachvollziehbaren (und auch nötigen) Druckgefühle von der Seele rennen.

Die Eintracht kann sehr gut organisiert, eng und zweikampfstark verteidigen. Gleich in welcher Aufstellung, gleich in welcher Verfassung. In dieser Wagenburg bespielbare Räume aufzutun, das ist Schwerstarbeit. Aber selbst beim „Rumble in the jungle“ in Hamburg hatten die 05er die besseren Chancen gegen den Risikovermeider HSV. Intensität weist den Weg: Aggressivität, Bewegung und Tempo. Da muss es nicht Torchancen regnen. Zuschlagen, wenn die Tür mal einen Spalt aufgeht. Jhon Cordoba ist nahe dran an seinem nächsten Saisontor. Yoshinori Muto kann effizient sein. Levin Öztunali und Pablo de Blasis haben Zug zum Tor. Danny Latza und Jean-Philippe Gbamin haben einen guten Schuss im Handwerkskoffer. Auch ein Eckball kann die Entscheidung bringen. Wichtig ist, dass die Schmidt-Elf 90 Minuten lang gegen den Ball und im eigenen Ballbesitz Druck ausübt, der Eintracht keine Luft zum Atmen lässt.