Rehberg: Pizarro als Retter in der Not? Alleine nicht!

Claudio Pizarro (links) und der Leipziger Stefan Ilsanker versuchen den Ball zu spielen. Foto: dpa

An diesem Mittwoch wird Claudio Miguel Pizarro Bossio 39 Jahre alt. Kein ausländischer Fußballprofi hat in der Bundesliga mehr Tore geschossen als der „Pizza“ gerufene...

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. An diesem Mittwoch wird Claudio Miguel Pizarro Bossio 39 Jahre alt. Kein ausländischer Fußballprofi hat in der Bundesliga mehr Tore geschossen als der „Pizza“ gerufene Mann aus Callao in Peru. Als er die 30 schon deutlich überschritten hatte, da markierte der technisch brillante Mittelstürmer für Werder Bremen noch 43 Treffer in 77 Spielen, danach noch 16 Tore bei 50 Einsätzen als Stand-by-Kicker im hoch dekorierten Hemd des FC Bayern und danach noch mal 15 Tore in 47 Spielen als Oldtimer in Bremen. Und nun soll der listige Angreifer auf den allerletzten Metern seiner großen Karriere noch mal eben den in Not geratenen 1. FC Köln vor dem Absturz in die Zweite Liga retten.

Pizarro, der sich mit Läufen fitgehalten hat seit dem unfreiwilligen Ausstieg bei Werder, war seit Sommer auf dem Markt. Das wussten alle Manager in der Bundesliga. Zugegriffen hat zunächst keiner. Was wäre das auch für ein Signal gewesen an den eigenen Kader, wenn man auf die Idee gekommen wäre, einen demnächst 39-jährigen - und im Gehalt sündhaft teuren - Stürmer zu verpflichten? Einen, der in der vergangenen Saison von vielen Muskelverletzungen geplagt war und der seit Juni an seinem Wohnort München ausschließlich durch die Wälder gejoggt ist. Nicht vermittelbar.

Desolates Zwischenzeugnis

Am Sonntag ist Pizarro für die Kölner aufgelaufen. Eingewechselt in der 54. Minute für den angeschlagen vom Feld humpelnden 17-Millionen-Mann Jhon Cordoba. Schon mit seiner ersten Aktion, ein technisches Kabinettstück am gegnerischen Strafraum, bereitete der Oldie einen Treffer vor – der Schütze Leonardo Bittencourt stand allerdings einen Meter im Abseits, das Tor zählte nicht. Aber der immer glänzend gelaunte und Optimismus verbreitende Peruaner vermittelte bei seinem Köln-Debüt den Eindruck, dass er dem Tabellenletzten tatsächlich eine Stütze sein kann. Weil er mental unbelastet ist. Im Gegensatz zu seinen neuen Kollegen. Die den hoch favorisierten Leipzigern am Ende leidenschaftlich-kämpferisch die Bude einrannten, die gruselige 1:2-Heimniederlage aber nicht verhindern konnten.

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Das Zwischenzeugnis des FC fällt desolat aus. Sieben Erstliga-Spiele: ein Remis, sechs Niederlagen, 2:15 Tore – plus zwei verlorene Partien in der Europaliga (1:3 bei Arsenal London, 1:2 gegen Crvena Zvezda). Wenn Claudio Pizarro irgendwo noch mal etwas bewirken kann, dann in diesem Moment im am Boden liegenden Köln. Auch der ewig taumelnde Hamburger SV hat über den baldigen Fußballrentner nachgedacht, doch den an einem soliden Wirtschaftsgebaren interessierten Vorstandschef Heribert Bruchhagen schreckten die nicht unbescheidenen Gehaltsvorstellungen des Altmeisters ab.

Was ist da passiert in Köln?

Die Kölner hatten noch ein paar Millionen auf der Kante vom Verkauf ihres schmerzlich vermissten ehemaligen Torjägers Anthony Modeste. Sollte der FC absteigen, dann werden die Fans ihrem Manager Jörg Schmadtke den Kopf abreißen. Gelingt der Klassenverbleib, dann ist Pizarro fünf Monate vor seinem 40. Geburtstag der König in der Domstadt. Bis dahin werden die zittrigen FC-Anhänger täglich hin und her zappen zwischen Sky und Bibel-TV.

Was ist da passiert in Köln? An Peter Stöger wird die Misere überhaupt nicht festgemacht. Der humorvolle Trainer aus Wien, der in der Sommerpause einen selbstironischen Videoclip gedreht hat, in dem er sich nach dem Statement „Europapokal? Mit der Karnevalstruppe?“ ausschüttet vor Lachen, arbeitet nicht anders als in seinen drei erfolgreichen Spielzeiten zuvor. Die ersten Niederlagen ereigneten sich, als die Kölner von der Drei-Wettbewerbe-Saison noch gar nicht geschlaucht sein konnten. Der überragende Modeste fehlt, das ist klar. Verletzungspech, auch das.

Pizarro wird es alleine nicht schaffen

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Womöglich hat es die sportliche Leitung versäumt, den Laden im Transfersommer im spielerischen Bereich deutlich zu verstärken. Letztlich sind die Kölner in dieser Besetzung nur dann konstant siegfähig, wenn alles am oberen Rand der Möglichkeiten funktioniert. Dieses „Schicksal“ teilt der FC mit mindestens zehn anderen Bundesligisten. Von daher: Die Saison ist jung, die Stöger-Elf kann sich noch erholen. Claudio Pizarro kann dabei helfen. Alleine wird das der brillante Strafraum-Artist, der sicher keine Tempohärte mehr aufbauen kann, nicht schaffen.