Rehberg: „Regel-Revolution“ zwischen Konflikten und Klarheit

Ivan Perisic mit Schiedsrichter Nestor Pitana Archivfoto: dpa

Hand oder nicht? Eine der am häufigsten diskutierten Fragen im Fußball. Eine „Regel-Revolution“ soll in diesem und anderen Punkten im nächsten Jahr endlich mehr Klarheit...

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. Die höchste Regel-Kommission im Fußball ist ein sehr konservativ denkendes Gremium. Nun hat das Fachmagazin „kicker“ veröffentlicht, dass die Traditionalisten vom International Football Association Board, abgekürzt IFAB, für den März 2019 eine „Regel-Revolution“ planen.

Ein paar Beispiele:

Bei Freistößen soll die angreifende Mannschaft künftig keine Spieler mehr in die gegnerische Mauer stellen dürfen. Nimmt ein Torhüter nach einem Rückpass vom eigenen Spieler den Ball mit der Hand auf, dann soll er wie ein Feldspieler behandelt werden. Also: Es gibt einen Handelfmeter. Nach einem Abstoß soll ein Spieler der eigenen Mannschaft den Ball schon im Strafraum annehmen dürfen. Ein nach einem Foul außerhalb der Spielfläche behandelter Spieler soll noch während der Unterbrechungszeit auf das Feld zurückkehren dürfen.

Das klingt alles vernünftig. Das Ziel: Unterbrechungen verkürzen, das Spiel schneller machen, Konfliktpotenzial mindern.

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Kommt der Tiebreak beim Elfmeterschießen?

Merkwürdig klingen die geplanten Änderungen im Bereich Elfmeter. Weil bei dieser Standardsituation immer so viele Spieler beider Mannschaften zu früh in den Strafraum rennen, soll die Nachschuss-Möglichkeit abgeschafft werden. Seltsame Begründung: Weil die Unparteiischen eine Regel nicht durchgesetzt bekommen, schaffen wir sie einfach ab. Darüber hinaus soll im Elfmeterschießen nach Verlängerung ein neues System eingeführt werden, angelehnt an den Tiebreak im Tennis: Ein Schuss Mannschaft A, zwei Schüsse Mannschaft B, zwei Schüsse Mannschaft A und so weiter... Begründung: Beim bisherigen Verfahren habe sich in 60 Prozent der Fälle die Mannschaft durchgesetzt, die den ersten Schützen gestellt hat. 60 Prozent? Ist das signifikant? Unfug.

Und nun kommen wir zu einem klassischen Konfliktthema: das Handspiel. Künftig soll nur noch entscheidend sein: unnatürliche Handbewegung – und die liege immer dann vor, wenn sich Arm/Hand über Schulterhöhe befinden. Das soll in der Schiri-Bewertung mehr Objektivität schaffen. Da muss man konstatieren: Das klärt gar nichts. Was ist mit den Armen, die unterhalb der Schulterhöhe breit ausgestreckt werden: Ist das dann weiterhin eine unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche? Und was ist mit den Schüssen aus kurzer Distanz, bei denen der abwehrende Spieler gar keine Reaktionszeit mehr bekommt, einen in der natürlichen Bewegung hoch gereckten oder seitlich ausgestreckten Arm zurückzuziehen? Und was ist mit dem am Körper angewinkelten Arm, bei dem die Kugel am abstehenden Ellenbogen landet? Und was ist mit dem Faktor Absicht, der bislang so hoch bewertet wurde? Fragen über Fragen. Die Bewertung „Natürliche oder unnatürliche Armbewegung/Armhaltung“ klärt diese Fragen nicht.

Es kommt aufs einheitliche Handeln der Schiedsrichter an

Eine Klarheit soll künftig Einzug halten: Ist bei einer Torerzielung eine Hand im Spiel, wie auch immer, dann darf der Treffer nicht anerkannt werden. Klingt gut. Aber was ist mit einem Knaller, den ein angeschossener Spieler unabsichtlich mit dem angelegten Arm ins Tor ablenkt? Spannend zu beobachten, wie die Schiedsrichter damit umgehen. Und noch wichtiger: Werden die Schiris irgendwann verlässlich einheitlich handeln? Die Erfahrung lehrt: eher nicht.